Landau RHEINPFALZ Plus Artikel Werden Menschen ohne Smartphone bei Bankgeschäften benachteiligt?

Viele Menschen regeln ihre Bankgeschäfte online – aber nicht alle möchten das tun.
Viele Menschen regeln ihre Bankgeschäfte online – aber nicht alle möchten das tun.

Ohne Handynummer könne man bei ihrer Bank kein Festgeld mehr anlegen. RHEINPFALZ-Leserin Sonja Friedrich fühlt sich diskriminiert. Was sagt die Bank?

Mit dem Smartphone online bezahlen, sich die nächste Busverbindung herauszusuchen oder es als Navigationssystem benutzen: Das Gerät spielt eine bedeutende Rolle im Leben vieler Leute. Aber nicht alle Menschen möchten ihren Alltag mit einem Handy bestreiten. In den meisten Situationen bleibt es einem selbst überlassen, ob man technische Unterstützung in Anspruch nehmen möchte oder nicht. Bitter ist es allerdings für Bankkunden ohne eigenes Handy, wenn sie bestimmte Geschäfte überhaupt nicht tätigen können.

Einen solchen Fall schildert Sonja Friedrich. Vor wenigen Wochen habe sie einige Tausend Euro als Festgeld bei der Wüstenrot-Bausparkasse anlegen wollen, bei der sie seit vielen Jahren Kundin sei. Zwei Tage nach ihrem Termin habe ihre Bankberaterin angerufen und mitgeteilt, dass es keine Möglichkeit gebe, das Geld ohne Angabe einer Mobilfunknummer anzulegen. Das liege am TAN-System. Nun befinde das Geld auf ihrem Tagesgeldkonto, berichtet Friedrich.

Bewusste Entscheidung dagegen

Zunächst habe sie sich geärgert, erzählt Friedrich. Schnell habe sich jedoch der Wunsch herausgebildet, nicht untätig zu bleiben. „Wenn ich Handlungsbedarf sehe, handele ich“, sagt die Landauerin. Dabei gehe es ihr stets darum, Situationen konstruktiv zu lösen, anstatt jemanden in die Pfanne zu hauen. Ihr erster Weg habe die 65-Jährige zur rheinland-pfälzischen Landesantidiskriminierungsstelle (LADS) geführt. Diese habe ihr signalisiert, dass sie für den Fall nicht zuständig sei. Trotzdem habe die LADS den Fall in ihre Statistik aufgenommen. Zudem sei sie mit ihrer Beschwerde an zwei weitere Stellen verwiesen worden, erzählt Friedrich: die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) und die Beschwerdestelle der Wüstenrot-Bausparkasse. Von der BaFin habe sie noch keine Antwort erhalten, berichtet Friedrich. Die Bank selbst habe ihr inzwischen bestätigt, dass eine Mobilfunknummer wegen des TAN-Systems notwendig sei.

Nun gibt es unterschiedliche Gründe, kein Handy zu haben. Manche Menschen wollen sich mit der komplexen Technik nicht auseinandersetzen, andere sind dazu körperlich nicht in der Lage. Sonja Friedrich hat einen ganz spezifischen Grund: 13 Jahre lang habe sie dienstlich ein Handy gehabt, während sie leitend in einem Altenheim tätig gewesen sei. Nun genieße sie es, nicht zu jeder Zeit erreichbar zu sein. Es bedeute „einfach Freiheit“, selbst über den Zeitpunkt einer Kontaktaufnahme entscheiden zu können.

Die Bank erklärt sich

Diese Freiheit wird ihr hier allerdings zum Nachteil. Die W&W-Gruppe, deren Teil die Wüstenrot Bausparkasse ist, bestätigt Friedrichs Ausführungen: Die Neueröffnung eines Festgeldkontos sei nur mit eigener Mobilfunknummer möglich. Die beiden Wüstenrot-Produkte – Top Tagesgeld und Top Festgeld – würden ausschließlich online geführt werden. Die Mobilfunknummer werde beispielsweise benötigt, um Auszahlungen mit einer SMS-TAN zu bestätigen. Ein Smartphone sei nicht notwendig, es reiche die Fähigkeit zum Lesen und Versenden von SMS. Der Grund für die Notwendigkeit von E-Mail-Adresse und Mobilfunknummer liege darin, dass onlinegeführte Produkte aus Sicht der Kunden immer mehr an Bedeutung gewinnen würden.

Sonja Friedrich geht angesichts ihrer Erlebnisse davon aus, auf lange Sicht nicht um die Anschaffung eines Smartphones herumzukommen. Schließlich bemerke sie, dass immer mehr Lebensbereiche durch die Geräte geprägt seien. Aktuell habe sich zwar eine Art Jetzt-erst-Recht-Gefühl eingestellt, ohne Smartphone auszukommen. Realistisch betrachtet müsse sie sich aber darauf einstellen, sich langfristig der Technik zu öffnen.

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