Landau
Warum Lidl im Süden der Stadt keine Filiale bauen darf
„In Bezug auf Landau können wir bestätigen, dass grundsätzlich Interesse an einem zweiten Standort besteht, um die Nahversorgung vor Ort weiter zu stärken. Wir prüfen hierzu fortlaufend verschiedene Optionen und potenzielle Flächen im gesamten Stadtgebiet.“ Das schreibt Lidl auf Anfrage der RHEINPFALZ. Einen Markt der zur Schwarz-Gruppe gehörenden Discounterkette gibt es bereits in der Wieslauterstraße gegenüber dem Kaufland-Markt. „Ob wir eine Filiale tatsächlich eröffnen, hängt von einer Vielzahl von Faktoren sowie den jeweiligen Rahmenbedingungen ab“, so das Unternehmen. Informationen der Redaktion zufolge hat Lidl bereits bei der Stadt angeklopft und Interesse an einem Grundstück bekundet, auf dem eine zweite Filiale aus Sicht des Konzerns offenbar gut passen würde.
Dabei handelt es sich um eine Fläche auf dem Gummi-Mayer-Gelände an der Weißenburger Straße. Für einige Zeit war auf dem Areal am südlichen Stadteingang eine provisorische Filiale von Aldi gewesen. Diese war als Übergangsmarkt während des Umbaus der Aldi-Filiale in der Annweilerstraße errichtet worden. Das Marktgebäude ist inzwischen wieder abgebaut. Die Stadt bestätigt nun – bis auf den Namen des Unternehmens – die Informationen der RHEINPFALZ bezüglich der Lidl-Pläne. „Eine Supermarktkette hat im Sommer vergangenen Jahres beim städtischen Bauamt angefragt, ob eine Ansiedlung an dem genannten Standort möglich wäre.“
Stadt: Supermarkt ist dort nicht vorgesehen
Die Antwort seitens der Stadtverwaltung fiel für Lidl jedoch negativ aus. Begründet wurde die Absage für das Vorhaben im Landauer Süden mit dem Einzelhandelskonzept der Stadt. In diesem sei kein Einkaufsmarkt auf dem Gummi-Mayer-Gelände vorgesehen. „Für die Fläche ist vielmehr eine gewerbliche oder gemischt genutzte Entwicklung geplant. Ein einzelner Supermarkt oder ein Fachmarktzentrum gehört nach der aktuellen Planung also nicht zu den vorgesehenen Nutzungen. Entsprechend besteht derzeit auch kein Baurecht für einen Lebensmittelsupermarkt an dieser Stelle“, heißt es dazu aus dem Rathaus.
Kommunen mit Verwaltungssitzen, also etwa kreisfreie Städte wie Landau oder Verbandsgemeinden, müssen in Rheinland-Pfalz Konzepte für die Einzelhandelsentwicklung vorlegen. Damit sollen Gemeinden unter anderem Ansiedlungen besser steuern und notfalls auch lokale Wirtschaftsstrukturen schützen können. Beispielsweise soll verhindert werden können, dass auf der grünen Wiese am Stadtrand ein Unternehmen mit einem Sortiment eröffnet, das es auch in der Kernstadt gibt, und so womöglich Einzelhändlern dort Kunden abhandenkommen.
Debatte um Hornbach-Zentrum und Rohrbach
Um dieses Zentrumsgebot, wie es im Verwaltungsdeutsch heißt, gab es aber immer wieder Konflikte. Ein Beispiel ist das Hornbach-Zentrum in Bornheim. Hier gab es Gedankenspiele, den dortigen Lebensmittelmarkt zu erweitern. Das wurde mit Hinweis auf die Einzelhandelsplanung abgelehnt. Die sieht im Grunde vor, dass Supermärkte nur noch in den Hauptorten neu eröffnen dürfen, um eine Zersiedelung zu verhindern. Heißt für die Verbandsgemeinde Offenbach übersetzt: Neue Märkte in der Ortsgemeinde Offenbach wären okay, in Bornheim, Essingen und Hochstadt, die auch zur Verbandsgemeinde gehören, aber nicht. Die Stadt Landau wiederum verwies vor einigen Jahren mit dem Hinweis auf das Zentrumsgebot auf das aus ihrer Sicht nicht zulässige Fachmarktzentrum in Rohrbach. Hier entschieden Behörden jedoch, der Neuaufbau des Einkaufszentrums sei okay, weil es einst schon mal ein ähnliches Angebot an diesem Standort gegeben habe.
Es würde so auch weniger Verkehr in die Stadt kommen. Ich dachte, das will die Politik hier.
Inhaber jenes Geländes an der Weißenburger Straße, das Lidl für einen zweiten Standort ausgeguckt hat und auf dem unter anderem eine Tankstelle von Shell steht, ist der Projektentwickler Gummi Mayer aus Landau. Geschäftsführer Johannes Mayer sagt, dass es bereits vor der Übergangsfiliale von Aldi Interessenten aus dem Lebensmittelhandel für das Areal gegeben habe. Nach dem Abgang von Aldi hätten sich die Anfragen noch einmal deutlich erhöht. „Der Aldi hier lief sehr gut“, betont Mayer. Das habe ihm das Unternehmen zurückgemeldet. Das Gelände sei gut gelegen, es biete sich an für einen Fachmarkt, weil es unter anderem an einer Ausfallstraße sei, zwischen Kernstadt und Stadtrand. Damit könnte auch das Umland Landaus versorgt werden, so Mayer. Er könne deshalb die ablehnende Haltung der Stadt gegenüber einem Supermarkt an dieser Stelle nicht nachvollziehen. „Es würde so auch weniger Verkehr in die Stadt kommen. Ich dachte, das will die Politik hier.“
Stadt weiter mit Lidl im Gespräch
Die Stadtverwaltung betont, sie sei „weiterhin in einem guten Austausch mit dem interessierten Unternehmen“. Also mit Lidl. In den Gesprächen sei auch vereinbart worden, dass zunächst eine Rahmenplanung erarbeitet werden soll. Darin soll den Angaben der Stadt zufolge aufgezeigt werden, wie der Standort an der Weißenburger Straße zu einem gemischt genutzten Quartier entwickelt werden könnte, in das sich auch ein Supermarkt sinnvoll einpassen ließe. „Nach aktuellem Stand hat der Vorhabenträger ein Fachbüro mit der Erstellung einer solchen Planung beauftragt. Ergebnisse liegen der Stadt bislang jedoch noch nicht vor.“


