Böchingen
Warum eine Frankfurter Gruppe Wanderer in der Böchinger Hütte bewirtet
Die Wandergruppe aus dem Raum Frankfurt, die regelmäßig die Böchinger Hütte im Pottaschtal besucht und dort Dienst leistet, erwartete am Sonntagmorgen eine kleine Überraschung. Ernst Fuchs, Vorsitzender der Ortsgruppe des Pfälzerwald-Vereins (PWV), gab für die Hessen einen Sektempfang, dazu überreichte er einen Präsentkorb mit Pfälzer Speisen. Der Grund für die Geste: Seit zehn Jahren kommt die Gruppe mit dem Namen „Kai und seine Rebläuse vom Lohrberg“ zum Dienst in die Böchinger Hütte.
Die sechs Männer im Alter von Mitte 50 bis Mitte 60 lieben den Pfälzerwald und die Weinstraße. Die hiesige Hüttenkultur liegt ihnen am Herzen. Damit sind sie eines von insgesamt 25 ehrenamtlich tätigen Hüttenteams, die das Jahr über die Wanderer bewirten.
Wie alles begann
Begonnen hat es vor zehn Jahren mit einer Wanderung, die Kai Miesel mit Martin Schmidt-Sano und Marc Zimmerling unternahm. Auf dieser entdeckten sie ein neues Ziel im Pfälzerwald, tief im Wald hinter Eußerthal: die Böchinger Hütte. An der Theke sahen sie einen Flyer, auf dem zu lesen war, dass noch ehrenamtliche Hüttenhelfer gesucht würden.
„Das könnten wir doch auch mal machen“, war sich das Trio einig. Sie machten ihren Freunden Daniel Burgmann, Jochen Steinacker und Ulf Waldmann, die eher begeisterte Nichtwanderer sind, den Vorschlag, mitzumachen. „Wir haben die drei dann jeweils mit einem Schoppen Weinschorle bestechen können“, berichtet Miesel und lacht.
Ehrenamtliche kochen Leberknödel
Seitdem kommen sie zwei Mal im Jahr in die Hütte und verrichten an der Theke und in der Küche ihren Dienst. Dann fischt Miesel die Leberknödel aus dem Topf, rührt die braune Soße und brät den Saumagen. Burgmann und Waldmann schneiden Zwiebeln und Petersilie, die unter anderem für den weißen Käse gebraucht werden, während sich Steinacker um die Pellkartoffeln kümmert. Schmidt-Sano und Zimmerling bilden das Thekenteam.
Wie kommt die Gruppe zu dem Namen „Kai und seine Rebläuse vom Lohrberg“? „Die Reblaus ist ja eng mit den Reben und dem Wein verbunden, wenn auch in schlechter Erinnerung“, erklärt Miesel. „Der Lohrberg ist der Hausberg von Frankfurt. Hier liegt der einzig verbliebene Weinberg innerhalb des Stadtgebietes. Er gehört zum Stadtteil Seckbach, wo vier von unserer Truppe herkommen.“
Liebe für den Pfälzerwald
Die Gegend hat es ihnen angetan: „Der Pfälzerwald ist so schön. Dazu die tollen Hütten mit leckerem Essen und Trinken und nicht zuletzt die netten Menschen hier“, sagt Miesel. Während vier Mitglieder der Gruppe aus Seckbach kommen, wohnt einer im Frankfurter Stadtteil Ginnheim. Das sechste Teammitglied kommt aus Bad Homburg. Ihre Berufe, darunter Arzt, Anwalt und Schulleiter, prädestinieren sie vielleicht nicht unbedingt zum Küchenkünstler – aber es klappt gut.
Zu ihren Diensten reisen sie einen Tag vorher an. Im Sommer schlafen sie gerne auch mal in der Hütte. Manchmal bieten sie auch etwas an, das nicht auf der Getränkekarte steht: das Mispelche, eine hessische Spezialität, eine Kombination aus dem Apfelbranntwein Calvados und einer eingelegten Frucht, der Mispel.
Frankfurter Gericht auf der Karte
Im September wollen sie mit einem typischen Frankfurter Gericht aufwarten. „De Grie Soß“ ist eine kalte Soße, die mit sieben gehackten Kräutern hergestellt wird. Fuchs ist froh, mit den „Rebläusen“ ein zuverlässiges Team zu haben. „Die Jungs machen das echt mit viel Begeisterung und Hingabe. Sie schätzen die Pfälzer Hüttenkultur und halten diese hoch“, sagt der PWV-Vorsitzende.
Info
Die Böchinger Hütte im Pottaschtal wird vom PWV Böchingen ehrenamtlich bewirtschaftet. Kontakt: Vorsitzender Ernst Fuchs, Telefon 06232 32538, E-Mail vorstand@boechingerhuette.de. Die Hütte ist ganzjährig sonntags geöffnet, im Sommer von 10 bis 18 Uhr, im Winter von 10 bis 17 Uhr.
