SÜDPFALZ RHEINPFALZ Plus Artikel Wann gibt’s die Schnelltests für zu Hause?

Bisher werden die Schnelltests in den Testzentren von geschultem Personal gemacht.
Bisher werden die Schnelltests in den Testzentren von geschultem Personal gemacht.

Nach dem Impfdebakel hatten auch die Laien-Selbsttests einen durchwachsenen Start. Ab nächster Woche sollen die ersten Schnelltests für daheim im Handel erhältlich sein. Werden sie das sein? Und helfen die Plastikdinger im Kampf gegen die Pandemie?

Zu Zahnpasta, WC-Papier und dicken Bohnen legen wir noch ein Päckchen Coronatests in den Einkaufswagen. Oder wir ordern die Tests in der Apotheke, wenn wir unser blutdrucksenkendes Mittel abholen. Das könnte schon ab Montag Realität sein, glaubt man den Herstellern von Selbsttests. Drogeriemärkte, Discounter, der Einzelhandel und Apotheken sind als Vertriebspartner im Gespräch. Aldi ist bereits vorgeprescht. Angeblich will er ab Samstag, 6. März, einen Fünfer-Pack für 25 Euro anbieten. Die Drogerieketten wollen wohl am 9. März nachziehen.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hatte geplant, ab dem 1. März Antigen-Schnelltests für alle Bürger zur Verfügung zu stellen. Allerdings wurde dieses Vorhaben dann auf 8. März verschoben. Die Antigen-Tests sind nur in Testzentren möglich, wo geschulte Kräfte die Abstriche vornehmen. Die Einführung von Laien-Selbsttests, mit denen Bürger vor dem Gang zur Arbeit oder in die Schule prüfen können, ob sie gesund sind, war holprig. Es war zunächst nicht klar, welche Tests in welcher Menge auf die Schnelle angeschafft werden können. Beim Corona-Gipfel von Bund und Ländern am Mittwoch kam ein wenig Licht ins Dunkel.

Kein Rachenabstrich

Damit niemand durcheinander kommt: Der Laien-Selbsttest ist die nun dritte Art von Test im Kampf gegen das Coronavirus. Zunächst gab es den PCR-Test, der im Labor ausgewertet wird und am genauesten ist. Seit einigen Monaten kann auch per Antigen-Schnelltests geprüft werden, ob jemand das Virus auf der Schleimhaut mit sich herumträgt, in Landau beispielsweise im DLRG-Testzentrum. Diese Tests spucken bereits nach 15 Minuten ein Ergebnis aus. Wer positiv ist, muss zur Sicherheit noch einen PCR-Test nachschieben. Wer negativ ist, kann zu etwa 95 Prozent davon ausgehen, zumindest an diesem Tag nicht ansteckend zu sein.

Die neuen Laien-Selbsttests funktionieren nach dem gleichen Prinzip wie der bekannte Schnelltest. Der Unterschied ist, dass kein Rachenabstrich durchgeführt wird – sprich, man muss sich das Stäbchen nicht mehrere Zentimeter ins Nasenloch zu stecken. Das wäre für ungeschulte Anwender zu unsicher. Stattdessen reicht es, weiter vorne an der Nasenscheidewand herumzustochern. Dadurch sinkt die Genauigkeit der Tests geringfügig. Experten glauben dennoch, dass sie hilfreich sein können

„Jedes Werkzeug nutzen“

Der Landauer Hausarzt Sherif Darwish ist einer von ihnen: „Ich finde das ganz hervorragend. Wir müssen endlich aus diesem Kreis raus, die Leute können nicht mehr.“ Immer noch habe er Patienten, die sich nicht mehr trauen, in die Praxis zu kommen. Aus Angst, sich anzustecken. „Wir dürfen nicht schon wieder etwas verpassen, wie wir das mit der Impfung gemacht haben. Jedes Werkzeug, das wir nutzen können, um die Lage zu bessern, müssen wir in die Hand nehmen.“ Mit den Tests wäre es zum Beispiel möglich, eine Perspektive für die Öffnung von Fitnessstudios, Baumärkten oder Restaurants zu schaffen. Die Sorge, dass sich die Menschen mit einem negativen Laien-Test in falscher Sicherheit wiegen würden, teilt er nicht. „In Österreich wurden schon mehrere Hunderttausend dieser Tests verkauft“, betont der Hausarzt.

Bald auch Spucktests?

Harald Hertel betreibt die Nord-Apotheke in Landau. Er kann sich vor Schnelltest-Angeboten gar nicht mehr retten, sagt er. Im Gespräch mit der RHEINPFALZ zeigt er einen Test, der nicht durch die Nase, sondern über den Speichel geht. Dabei wird in eine kleine Tüte gespuckt, der Speichel mit einer Pipette aufgesogen und schließlich auf ein Testfeld getröpfelt. Noch einfacher sind die Lollipop-Tests, die diese Woche in Österreich zugelassen worden sind. Bei denen muss nur die Testspitze zwei Minuten im Mund behalten werden. Das Problem: So gut wie alle Tests, die Hertel angepriesen werden, haben in Deutschland noch keine Zulassung. Mittlerweile hat das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte Sonderzulassungen für sieben Produkte erteilt – allesamt Nasenabstriche. Wann die in den Apotheken zum Verkauf stehen, ist noch unklar.

8 bis 10 Euro pro Test?

„Keiner von uns hat die Ware schon da. Wir hoffen, bis Mitte des Monats versorgt zu sein“, sagt Hertels Kollege Andreas Hott von der Beethoven-Apotheke in Landau. Er ist der Vorsitzender des Landesapothekerverbands. Die Tests bräuchten gut verständliche Gebrauchsanleitungen und müssen zunächst mal in millionenfacher Menge produziert werden. Er wundert sich über den Schnellschuss des Gesundheitsministers. Wenn einmal genug Tests da seien, werde man sie vermutlich überall im Handel bekommen können.

In den Apotheken rechnet Hott mit Preisen von 8 bis 10 Euro pro Test. Das ist nicht sonderlich günstig, wenn das Ziel ist, das möglichst viele Menschen sich möglichst oft testen sollen. „Vielleicht fallen die Preise, wenn mehr Tests zugelassen sind und eine Massenkonkurrenz entsteht“, hofft Hott.

Die Bundesregierung hat auch darüber beraten, wie die professionelleren Schnelltests einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden können. Unternehmen sollen künftig ihren Mitarbeitern einen Test pro Woche stellen, heißt es in einer Beschlussvorlage. Und in Testzentren wie beim DLRG soll man mindestens einen kostenlosen Test pro Woche machen dürfen – bisher zahlt man dort 30 Euro pro Abstrich. Kostenlose Laien-Schnelltests, wie Spahn sie ursprünglich lanciert hat, seien aber erstmal vom Tisch, glaubt Hott.

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