Hütten im Pfälzerwald
Waldgaststätte am Friedensdenkmal: Familie Völlinger über drei Jahrzehnte im Dienst der Gäste
Auf dem Werderberg hoch über der Rheinebene thront ein historisches Bauwerk: das im Jahr 1899 errichtete Sieges- und Friedensdenkmal zur Erinnerung an den Sieg verbündeter deutscher Staaten über Frankreich im Jahr 1870/71. Seit der Aussöhnung der ehemaligen Erbfeinde spricht man allerdings nur noch vom Friedensdenkmal. So symbolisiert der nackte Jüngling auf dem Pferd, der einen Olivenzweig in die Höhe streckt, nicht mehr den Triumph, sondern den gewonnenen Frieden. Erinnert wird in einer offenen Ehrenhalle unterhalb der Aussichtsplattform auch an die Gründung des ersten deutschen Nationalstaates; das Monument steht damit heutzutage für Frieden und Einigkeit.
Ursprünglich gab es in den 1960er- bis 1990er-Jahren im Keller des Denkmals lediglich einen Wochenendausschank. Dann erbaute der Edenkobener Winzer Peter Fruth 1995 die Gaststätte und erweiterte sie innerhalb von fünf Jahren immer wieder, bis sie ihr heutiges Aussehen erhielt. Nach zehn Jahren übergab er den Staffelstab an Dana und Christian Völlinger aus St. Martin. Zunächst waren die Eheleute Pächter, seit 2018 sind sie Besitzer des Waldlokals.
Mit der ganzen Belegschaft nach Mallorca
Das Gebäude bietet in zwei Innenräumen rund 100 Plätze und im Biergarten weitere 200. Hinzu kommen jeweils 30 Plätze im Denkmalkeller und in der Grillhütte. „Maximal 250 Gäste können gleichzeitig bewirtet werden“, erzählt Völlinger. Dabei stützt er sich auf ein Team, das neben ihm und seiner Frau aus sieben Vollzeitangestellten, zwei Halbtagskräften und sechs Aushilfen besteht. Die Chefin, die sich augenzwinkernd als „Mädchen für alles“ bezeichnet, ist verantwortlich für Küche, Service, Tischdekoration, Arbeitsplanung und Gästebetreuung. „Wir wollen den Leuten in unruhigen Zeiten ein paar schöne Stunden bereiten, sie ein wenig verwöhnen. Und von den zufriedenen Gästen bekommen wir viel zurück. Meist ein Lächeln und oft eine Umarmung zum Abschied“, erzählt sie.
Laut dem Wirtspaar legt man in der Waldgaststätte großen Wert auf ein familiäres Miteinander. So sehr, dass die komplette Belegschaft alle zwei Jahre gemeinsam eine Woche Urlaub auf Mallorca verbringt – eingeladen vom Wirtspaar.
Christian Völlinger, ein echter Pfälzer und selbsternanntes „Organisationstalent“, wollte schon als achtjähriger Bub eine Wirtschaft führen. Doch nach der Schule erlernte er zuerst den Beruf des Automechanikers und war danach Fuhrparkleiter bei einer Edenkobener Firma, bis er sich seinen eigentlichen Berufswunsch erfüllte. In den Anfangsjahren arbeitete er parallel in der Tennishalle in Maikammer, in der Küche eines Weinguts in St. Martin und im Friedensdenkmal, um in der Gastronomie Fuß zu fassen. „Diese Zeiten sind aber schon lange vorbei. Heute machen wir nur ein Lokal und das richtig“, erzählt Völlinger.
Sehr gemischte Gästeschar im Waldlokal
An einem unfreundlichen Wintertag war das Lokal beim Besuch der RHEINPFALZ gut besucht. „Es macht nur Spaß, wenn’s auch läuft – und wir haben viel Spaß“, sagt der Wirt.
Viele Gäste seien Wanderer, denn am Friedensdenkmal führen mehrere markierte Wege vorbei, darunter die Premiumwanderwege Pfälzer Weinsteig und Pfälzer Keschdeweg. Entsprechend stehen Klassiker wie Pfälzer Platte, Wurstsalat oder Currywurst ganzjährig auf der Speisekarte. Im Winter gibt es deftige Eintöpfe und im Sommer Handkäs mit Musik.
Doch die Gästeschar im Waldlokal sei laut dem Wirt gemischt, und das spiegele sich auch am Essensangebot wider: „Bei uns kehren alle Altersgruppen aus allen Schichten und aus aller Herren Länder ein: darunter Franzosen, Türken und Badenser“, erzählt der Wirt schmunzelnd. Die Gaststätte verfügt über einen großen Parkplatz und kann damit Ausgangspunkt für Spaziergänger und Ausflügler sein, die nur eine kurze Runde drehen oder gleich einkehren wollen.
Jeder soll satt werden, das ist die Philosophie
Ergänzt wird das Angebot durch thematische Tagesessen wie zum Beispiel Schlachtfest, Herzpfeffer oder Schnitzeltag sowie ein Drei-Gänge-Sonntagsmenü. Zudem gibt es im monatlichen Wechsel saisonale Angebote – etwa Fisch- und Muschelwochen oder Spargel- und Gänsezeit, erklärt der Wirt. Darüber hinaus organisiert er Abendveranstaltungen wie eine spanische Nacht, ein Valentins-Menü, ein Weltenbummler-Buffet und einen Wild- und Rotweinabend.
Getreu der Philosophie der Wirtsleute, die lautet: „Wir machen uns nicht viel aus Wenig – deshalb soll jedermann bei uns satt werden“, sei das Lokal für seine üppigen Portionen bekannt. Das gelte für Rumpsteaks ebenso wie für Spießbraten und besonders für die Kuchenstücke. Was andernorts nicht gerne gesehen werde, sei hier Standard: ein Stück Kuchen wird stets mit zwei Gabeln auf dem Teller serviert, weil es für mehr als eine Person reiche. Die Preise für Essen und Getränke seien „human und fair“, findet der Chef, denn bisher habe sich noch kein Gast darüber beschwert.
In den Wintermonaten kann es teils zu Platzengpässen kommen. Gruppen, die im Lokal feiern wollen, melden sich an. Auch alle anderen Gäste werden gebeten, rechtzeitig zu reservieren. „Nur so können wir den Ansturm in geregelte Bahnen leiten und Chaos vermeiden. Wir schauen, dass jeder einen Platz bekommt, nur zaubern können wir nicht“, meint der Wirt. In den Sommermonaten sei dagegen meist keine Anmeldung nötig, weil es im schattigen Biergarten unter Kastanienbäumen in der Regel noch freie Plätze gebe.
