Landau Von Bienen fasziniert
Freimersheim. Schon von Weitem hört man das Knattern eines Zweitakters, und plötzlich biegt ein dunkelgrünes motorisiertes Dreirad mit Kabine und Ladefläche um die Ecke. In großen Buchstaben steht auf dem Gefährt in roter Schrift: „Fabis Hobby-Imkerei“. Das macht neugierig.
Mit strahlenden Augen erzählt Fabian Brunnemer von seiner Leidenschaft: Er ist Hobby-Imker. Beruflich gesehen absolviert der 18-Jährige zurzeit in der BASF eine Lehre als Elektroniker für Automatisierungstechnik. 2012 hat er in Geinsheim eine Imker-Ausstellung besucht und war von der Idee begeistert. Ein Bekannter, ebenfalls Imker, schenkte ihm 2013 ein kleines Bienenvolk, einen so genannten Ableger, den er dann großziehen sollte. Seinen Platz bekam das Bienenvolk auf dem Balkon vor dem Schlafzimmer der Eltern. Seiner Unwissenheit geschuldet, erlitt er dann im Spätjahr einen Rückschlag: Die Königin starb und mit ihr das Bienenvolk. Als er im Januar 2014 in Presse und Internet las, dass der Imkerverein Lustadt Jung-Imker ausbildet, hat er sich dort angemeldet. Der Verein stellte den Jung-Imkern jeweils ein Ableger-Volk zur Verfügung und betreute die Lernschritte wie Wachsplatten oder Rähmchen einlöten, Honig ernten, Honigschleudern und die Behandlung gegen den Befall durch die Varroa-Milbe. Den Bienenkasten dazu hat er selbst gebaut. Was nicht selbst herstellbar war, wurde bei ehemaligen Imkern oder im Imkerbedarf eingekauft. Ein Imker aus Herxheim schenkte ihm ein weiteres Bienenvolk. Die beiden Völker hat er dann wieder geteilt und ging 2014 schließlich mit vier Völkern in den Winter. Unterstützt wird Brunnemer seit 2014 von seinen Imker-Paten: dem Ehepaar Fridolin und Patricia Theisen aus Freimersheim. Das Ergebnis: 2014 konnte er den ersten Honig für den Eigenverbrauch ernten. Mit sieben Völkern startete er ins Jahr 2015. Nun galt es auch, mit den Bienen auf Wanderschaft zu gehen. Vier Völker hatte er auf einem großen Rapsfeld bei Hochstadt stehen, drei Völker auf einer Wiese in Freimersheim. Inzwischen hat der 18-Jährige zehn eigene Völker. Mit vier starken Völkern – ein Volk umfasst zwischen 40.000 und 50.000 Bienen – geht er immer auf Wanderschaft: Im April in den Raps, und im Mai sind Akazien und im Juni Kastanien an der Reihe. Die anderen Völker produzieren in den Wiesen Blüten- und Sommerblütenhonig. Ein besonderes Erlebnis hatte Fabian im Mai: Er konnte einen Bienenschwarm einfangen, der nun zu seinen Völkern gehört. Mit elf Völkern geht er jetzt in den Winter. Hinter diesen Fakten steckt viel Handarbeit und Zeitaufwand. Nur im Winter herrscht relative Ruhe, die zur Säuberung und Instandhaltung der Bienenstöcke genutzt wird. Fabian Brunnemer benötigt zum Schleudern der unterschiedlichen Honigsorten mehrere Tage. „Obwohl ich 2015 nur vier Völker hatte, habe ich in diesem Jahr mit elf Völkern lediglich die gleiche Menge Honig geerntet. Das Wetter in der Blütezeit war zu kalt und regnerisch.“ In diesem Jahr kam ein weiteres Problem hinzu: Die Völker durften nicht in der Nähe von Weinbergen stehen. Die Winzer mussten die Kirschessigfliege bekämpfen. Das verwendete Spritzmittel ist jedoch für die Bienen gefährlich. Daher mussten sie an einen sicheren Ort in Omas Obstgarten gebracht werden. Ist der letzte Honig im Juli geerntet, wird mit der Behandlung der Völker gegen die Varroa-Milbe begonnen. Sie wird je nach Befall bis in den Herbst fortgesetzt. Parallel dazu müssen die Völker mit Zuckerlösung als Ersatz für den „gestohlenen Honig“ gefüttert werden. Sprich bis zu 22 Kilogramm pro Volk. Das Umsetzen der Bienenvölker geschieht in der Dämmerung. Dann sind die „Bienen alle zuhause“, und immer ist Vater Heiko dabei. Zum Transport der Bienen wurde das motorisierte Dreirad, eine in Italien produzierte APE, im Mai 2015 angeschafft. Von den Leistungen der Bienen ist er beeindruckt: „Bienen fliegen zirka drei Kilometer im Umkreis; in ihrem etwa 35 Tage kurzen Leben legen sie etwa 8000 Kilometer zurück; für ein Glas Honig sind fünf Millionen Blütenbesuche nötig. Um das Lebensmittel Honig herzustellen, müssen unter anderem viele Hygienevorschriften beachtet werden. Ein Honig-Kurs, bei dem die Hygiene und Verarbeitungsvorschriften vermittelt werden, ist für den Imker Pflicht, berichtet Brunnemer. Die Serie Haben Sie ein Hobby, das besonders viel Handarbeit erfordert, dann melden Sie sich doch einfach bei der Marktplatz-Redaktion unter E-Mail: marktsuew@rheinpfalz.de.