Landau RHEINPFALZ Plus Artikel Vinzentius-Krankenhaus: Caritas in Schieflage – Gehälter gekürzt

Die Trägergesellschaft des Landauer Vinzentius-Krankenhauses befindet sich in Schieflage – und die Mitarbeiter müssen auf Gehalt
Die Trägergesellschaft des Landauer Vinzentius-Krankenhauses befindet sich in Schieflage – und die Mitarbeiter müssen auf Gehalt verzichten.

Im Landauer Stift bekommen Mitarbeiter weniger Geld, weil es beim Träger kriselt. Parallel laufen Gespräche über eine Fusion mit dem Klinikum. Das schreibt auch rote Zahlen.

Der Caritas-Trägerverband Saarbücken (CTS) hat finanzielle Probleme und ist ein Sanierungsfall. Das hat Auswirkungen bis in die Südpfalz: Mitarbeiter des Vinzentius-Krankenhauses erhalten seit dem 1. Juli bis zum 31. Dezember 2029 2,5 Prozent weniger Gehalt.

Wobei das nicht auf alle Mitarbeiter zutrifft: Ausgenommen sind Schüler, Praktikanten und Azubis, wie der CTS auf Anfrage der RHEINPFALZ mitteilt. Und es gibt eine weitere Ausnahme, wenn auch indirekt: Die Mitarbeiter des ärztlichen Bereichs erhalten gleichzeitig eine Tariferhöhung von bis zu 4 Prozent. Die fällt für die Mediziner also geringer aus als vereinbart. Das führt aber trotzdem dazu, dass die Krankenschwester oder die Küchenhilfe mit weniger Geld nach Hause kommen, während der Oberarzt trotz Sanierung mehr verdient.

Geschäftsführung wird angezählt

Der Gehaltsverzicht sei, so der CTS, ein wichtiger Meilenstein bei der Sanierung des Sozialkonzerns. „Die Gremien der CTS sowie die Finanzierungspartner haben der Sanierungsvereinbarung der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Deloitte zugestimmt. Damit ist die Finanzierung aller Einrichtungen und Dienste des Verbundes – darunter auch das Vinzentius-Krankenhaus Landau – bis zum Jahr 2030 gesichert.“

Die Gehaltskürzung habe die Kommission zur Ordnung des Diözesanen Arbeitsvertragsrechtes (Bistums-Koda) Speyer beschlossen, und sie folge damit den anderen Einrichtungen der CTS, von denen die meisten im Saarland liegen. Die Koda hält in der Verkündung des Beschlusses im Oberhirtlichen Verordnungsblatt des Bistums Speyer fest, dass „das Vertrauen der Beschäftigten des Vinzentius-Krankenhauses in die Qualifikation der Leitung der Caritas Trägergesellschaft Saarbrücken mbH (CTS) in Frage gestellt“ sei. Heißt: In Landau wird die Frage aufgeworfen, ob die Geschäftsführung um Alexander Funk und Heinz Palzer die richtigen Personen für die Leitung des Konzerns sind.

Gewerkschaft: Nicht an Mitarbeitern schadlos halten

Diese Stimmung wird auch spürbar, wenn man Gesprächspartner in Landau sucht, die über die Schieflage und die Gehaltskürzungen sprechen wollen. Stift-Sprecher Joachim Gilly verweist darauf, dass Geschäftsführerin Ilona Fleischer-Klisch bis Montag nicht im Haus sei und er sich dazu nicht äußern könne. Spricht man andere Mitarbeiter auf den Gehaltsverzicht an, werden sie schmallippig oder reagieren mit Galgenhumor.

Der Marburger Bund, die Interessenvertretung der Ärzteschaft, lehnt die Gehaltskürzungen ab. „Statt sich an den Mitarbeitern des Krankenhauses schadlos zu halten, sollte eine notwendige Sanierung auf die real defizitären Geschäftsbereiche der CTS beschränkt bleiben, notfalls auch unter Aufgabe solcher Sparten, die nicht kostendeckend betrieben werden können“, sagt Hans Gehle, Gewerkschaftsvorsitzender für Rheinland-Pfalz. Es gebe keinen Nachweis, dass die Verluste der CTS im Stift entstanden sind oder in einem anderen Wirtschaftsbereich. Zuerst hatte das Ärzteblatt Rheinland-Pfalz über die Gehaltskürzungen berichtet.

Wie geht’s mit der Fusion weiter?

Der CTS betont gegenüber der RHEINPFALZ, dass insbesondere der Krankenhausbereich, und damit eben das Stift, defizitär sei. „Die Darstellung, dass der Mitarbeitendenbeitrag des Vinzentius-Krankenhauses zugunsten der Finanzierung der Investitionen des Caritasklinikums Saarbrücken oder anderer Bereiche der cts geleistet wird, ist falsch. Vielmehr gewährte und gewährt der CTS-Verbund dem Vinzentius-Krankenhaus erhebliche finanzielle Unterstützung.“

Die Probleme des Stift sorgen auch im Landauer Rathaus und in der Kreisverwaltung für Diskussionen. Denn die Kommunen sind seit einiger Zeit mit dem CTS über eine mögliche Fusion des städtischen Klinikums mit dem Stift im Gespräch. Wie die beiden Kommunen auf Anfrage mitteilen, führten die Entwicklungen zu weiterem Abstimmungsbedarf. Zu den inneren Vorgängen im Stift wollen sich Stadt und Landkreis nicht äußern. Sie betonen jedoch: „Im Fokus der Stadt Landau und des Landkreises Südliche Weinstraße liegt die bestmögliche stationäre Krankenhausversorgung der Bevölkerung in der Südpfalz. Wir setzen uns weiterhin dafür ein, dass es einen zeitnahen Zusammenschluss der beiden Krankenhausstrukturen Klinikum Landau-Südliche Weinstraße GmbH und Vinzentius-Krankenhaus Landau GmbH geben wird.“ Der CTS wiederum verweist darauf, dass die Sicherung der Finanzierung des Stift bis 2030 auch eine gute Nachricht für die Fusionsgespräche sei, „weil sie Sicherheit gibt“.

Wie berichtet, schreibt auch das städtische Klinikum, dessen Trägerschaft sich die Stadt und der Landkreis hälftig teilen, seit einiger Zeit rote Zahlen. Um die Einrichtung mit ihren Standorten in Landau und Bad Bergzabern wirtschaftlich abzusichern, haben die beiden Kommunen zuletzt jeweils vier Millionen Euro auf das Krankenhauskonto überwiesen. Von einer Fusion mit dem Stift erhoffen sich die Stadt und der Landkreis, die Krankenhausversorgung in Landau und an der Südlichen Weinstraße für die Zukunft zu sichern.

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