Landau
Urban Gardening: Landauer Initiativen suchen Mitstreiter
Ein Garten hat viele Vorteile. Man kann das Gemüse für den eigenen Teller selbst heranzüchten. Man hat einen großartigen Ausgleich zur Arbeit. In Gemeinschaftsanlagen kann man Freunde finden. Wer einen Garten hat, kann aber auch viel lernen: beispielsweise Frustration zu tolerieren, weil die Pflanzen nicht so wachsen, wie man will, oder die Früchte mal wieder von Schädlingen gefressen wurden. Man lernt aber auch viel über die Natur, darüber, dass die Tomaten nicht im Aldi-Regal wachsen, und über sich selbst. Diese und noch viel mehr Vorteile können Monika Becker, Angelika Strauß, Ina Rinck und weitere begeisterte Hobby-Gärtner aufzählen. Und noch eine Sache eint sie: Sie alle suchen Nachwuchs oder Verstärkung für ihre Teams.
Denn, lassen wir die Schrebergärten mit ihren ellenlangen Wartelisten mal außen vor: In Landau gibt es viele Initiativen von Gärtnern oder zum Urban Gardening, die sich über helfende Hände freuen würden. Darauf will die Stadtverwaltung um Grünflächen-Chefin Sabine Klein aufmerksam machen – mit einem neuen Infoportal im Netz.
„Das schaffen wir nicht mehr“
Da ist die Gemeinschaft Am Bockensatz mit Sitz im Pockensatz im Süden der Stadt bei der Raimund-Huber-Straße, die 2016 angefangen hat, Land urbar zu machen und zu nutzen. Das Land haben sie unter zwei Bedingungen von der Bürgerstiftung Pfalz zur Nutzung bekommen: Die Gemeinschaft muss landschaftspflegerisch tätig sein, also sie darf die Fläche nicht verkommen lassen, und sie muss Umweltbildung betreiben – das geht auch, indem man Kita-Kindern etwas beibringt. Dabei habe man untereinander viele Freundschaften geschlossen, berichten Monika Becker und ihre Mitstreiter. Der Einstieg bei ihrem Verein ist simpel: Wer nicht gleich eine Fläche für zwei Jahre pachten will, kann eine Saison gärtnern, auf einer Lehrfläche üben oder einfach mal so vorbeikommen und mithelfen.
In der jüngeren Vergangenheit hätten sich zehn Mitglieder des Gemeinschaftsgartens verabschiedet, das reiße natürlich Lücken, betont Becker. Die Landschaftspflege sei derzeit kaum zu stemmen. „Uns um all die Sträucher, Bäume und Wiesen zu kümmern, das schaffen wir nicht mehr.“ Nun überlegt der Verein, wie er weiter vorgehen soll. Wenn niemand kommt, denke man bereits über Fremdvergaben nach, die natürlich auch wieder Geld kosteten, so Becker.
Gartenwerkstatt ist samstags
Da ist aber auch die Umweltgruppe der Uni, vertreten durch Antonie Gansert. Auch wenn es eine Uni-Gruppe ist: „Wir sind offen für alle“, betont die Studentin. Die zumeist jungen Leute betreuen zusammen mit der Urban-Gardening-Gruppe verschiedene Projekte, die am Campus, an der Katholischen Hochschulgemeinde oder an der Marienkirche liegen. Die Flächen seien für alle offen, sagt Gansert. Bedeutet: Jeder dürfe säen, jeder dürfe sich mitnehmen, was er wolle. Dazu gibt es eine Fläche an den Queichwiesen beim Reallabor der Uni in Queichheim, auf denen die Aktiven auch verschiedene Dinge ausprobieren können.
Auch das Haus der Jugend hat im Innenhof der Roten Kaserne in der Fußgängerzone Urban-Gardening-Projekte angeschoben, wie Mitarbeiterin Ina Rinck berichtet. In der Gartenwerkstatt gibt es fünf Hochbeete und ein Apfelbäumchen, um das sich die Jugendlichen kümmern können. Dafür konnte Angelika Strauß neu gewonnen werden. Die Gartenwerkstatt ist mittlerweile samstags zu Marktzeiten – und das natürlich mit dem Hintergedanken, dass Eltern ihre Kinder zum Angebot des Hauses der Jugend bringen und währenddessen ihre Einkäufe erledigen. „Urban Gardening ist etwas anderes als Klettern“, sagt Rinck. Das sei ein Selbstläufer, beim Gärtnern „müssen wir Kinder und Jugendliche heranziehen“. Diese lernten auch wichtige Zusammenhänge, betont Strauß, wie Regenwassermanagement. Was passiert, wenn zu viel Wasser auf einen gesättigten Boden trifft? Wie geht man mit zu viel oder zu wenig Niederschlag um? Dazu werde noch viel mit Holz gearbeitet – „man lernt Bauen und Bohren“.
Dazu gibt es in Landau noch viele weitere Initiativen, wie den Freundeskreis Blühendes Landau, dem Strauß ebenfalls angehört. Dieser hatte sich mit Blick auf die Landesgartenschau gegründet, auch heute noch, bald eine Dekade nach dem Ereignis, kümmern sich die Mitglieder um Grünflächen in Landau, veranstalten Events oder stellen Kitas Hochbeete zur Verfügung.
Info
Einen Überblick über Landauer Urban-Gardening-Initiativen gibt es auf der Homepage der Stadtverwaltung unter landau.de/urbangardening.