Landau Stempels Zeit
Der umstrittene Einsatz des ehemaligen pfälzischen und aus Landau stammenden Kirchenpräsidenten Hans Stempel für verurteilte Kriegsverbrecher und NS-Täter in Europa wird jetzt wissenschaftlich erforscht.
Das Leibniz-Institut für Europäische Geschichte (ieg) hat in Zusammenarbeit mit der Evangelischen Akademie der Pfalz dem promovierten Historiker Nicholas Williams ein Stipendium gewährt, dem sich Werkverträge anschließen. Der 37-jährige Historiker strebt eine Habilitation im Fach Geschichte an. „Es steht der Evangelischen Kirche der Pfalz gut zu Gesicht, dass sie den Einsatz von Kirchenpräsident Hans Stempel (1894-1970) durch einen unabhängigen Wissenschaftler erforschen lässt“, erklärt Akademiedirektor Picker. Die Aufarbeitung der Nachkriegskirchengeschichte sei eine naheliegende Fortsetzung des Projekts „Protestanten ohne Protest“, mit dem die Landeskirche 2016 das erste Werk über ihre Geschichte in der Zeit des Nationalsozialismus vorgelegt hatte. Nicholas Williams wurde in Redhill, Großbritannien, geboren und ist in Ludwigsburg aufgewachsen. Nach dem Studium der Mittleren und Neueren Geschichte, Anglistik und Politikwissenschaften in Heidelberg absolvierte er ein Promotionsstudium an der Pariser Universität Sorbonne sowie der Universität des Saarlandes. Seine Dissertation zu einem deutsch-französischen Forschungsprojekt beschäftigt sich mit Evakuierungen während des Zweiten Weltkriegs. „Nicholas Williams ist ein ausgewiesener Zeithistoriker mit internationalem Horizont“, sagt Akademiedirektor Christoph Picker. Mit dem Stipendiaten werde eine sachkundige, fundierte und differenzierte Bearbeitung des Themas möglich sein. Das Projekt ist auf drei Jahre angesetzt, so die Landeskirche.