Landau / SÜW
SPD: Hier Gewinner, dort Verlierer
Dass der Sozialdemokrat Alexander Schweitzer am Wahlabend nicht in seinem Wohnort Bad Bergzabern mit Familie und Freunden weilte, sondern in Mainz, war selbstredend – als Ministerpräsident. Wer die Übertragung im Fernsehen verfolgte, als der Südpfälzer vor die Kameras trat, um die doch deutliche Niederlage seiner SPD und damit auch seine eigene zu kommentieren, der blickte in stellenweise leere Augen. Der 52-Jährige wirkte aufgezehrt.
„Wir spüren heute Abend Trends, die stark sind und die ihre Ursachen nicht in Rheinland-Pfalz haben. Und das sollten wir uns immer wieder auch deutlich machen“, sagte Schweitzer mit Blick auf die miserable Situation seiner Partei auf Bundesebene. Er bedankte sich bei den Genossen in Rheinland-Pfalz, rang sich dafür auch ein kurzes Lächeln ab: „Wir haben gekämpft wie die Löwen.“ Es sei auch ein schwerer Abend für ihn, aber morgen sei ein neuer Tag.
Immerhin sah es für Schweitzer in seinem Heimatwahlkreis Südliche Weinstraße besser aus: Diesen gewann er deutlich mit 41,1 Prozent. Auf einen ähnlichen Wert war er auch bei der Wahl 2021 gekommen: auf 41,3 Prozent. Ob er sein Mandat annehmen wird, ließ Schweitzer am Sonntag im Gespräch mit der RHEINPFALZ allerdings offen.
Knappe Kiste im Wahlkreis Landau
Im Wahlkreis Landau war es eine knappe Kiste: Mit einem Vorsprung von einem Prozentpunkt hat Florian Maier (SPD) erneut das Direktmandat geholt. Der 40-Jährige freut sich, nachdem kurz nach 21.15 Uhr feststeht, dass er mit 30 zu 29 Prozent Stimmenanteil vor CDU-Kandidatin Claudia Braun liegt. Die Partystimmung ist gedämpft an diesem Abend – nach der schweren Niederlage der Landes-SPD und dem Aus für Alexander Schweitzer als Ministerpräsident. „Ich weiß, wie er geackert hat im Wahlkampf“, sagt Maier.
Seinen Sieg verdankt Maier vor allem den Wählern in seiner Heimatstadt Landau, in den Verbandsgemeinden Edenkoben und Maikammer lag die Christdemokratin mit deutlichem Abstand vor ihm. In Dammheim hingegen, wo Maier seit zwölf Jahren Ortsvorsteher ist, fuhr er mit 50,1 Prozent einen haushohen Sieg ein. „Das hat mich richtig gefreut.“
CDU-Kandidat Koch zieht nicht in den Landtag ein
CDU-Direktkandidat Sven Koch hatte mit einem Wahlsieg der Christdemokraten gerechnet. Am Wahlabend zeigte er sich erfreut – nicht nur über den Erfolg seiner Partei, sondern auch in Teilen über sein persönliches Ergebnis im Wahlkreis Südliche Weinstraße. Besonders in seiner Heimatgemeinde Herxheim konnte er punkten und erreichte dort 50 Prozent der Stimmen. Sven Koch räumte jedoch ein, dass die Kampagne insgesamt nicht ganz die Wirkung erzielt habe, die er sich erhofft hatte. Dennoch: „Ich bin mit mir im Reinen“, betonte er. Koch, der auf Platz 33 der CDU-Landesliste steht, schafft es nicht in den Landtag. Die Landesliste kommt nicht zum Zug, weil die CDU 39 Direktmandate gewonnen hat und damit zwei Mandate mehr als ihr nach dem Zweitstimmen-Ergebnis zusteht.
Die AfD sei nun eine absolute Volkspartei, kommentiert der wieder in den Landtag gewählte SÜW-Kandidat Eugen Ziegler. Seiner Ansicht nach sogar die Volkspartei Nummer 1, „auch wenn die CDU noch vor uns liegt“. Es sei nur eine Frage der Zeit, bis die Bürger wach würden. Ziegler selbst freut sich sehr über seinen Wiedereinzug in den Landtag – er war auf Position 3 der Landesliste der AfD gewählt worden. Im kommenden Landtag wolle er sich um die Themen Feuerwehr und Katastrophenschutz, Verkehr sowie Soziales kümmern.
FDP erleidet auch in der Südpfalz Schiffbruch
Ganz anders ist die Stimmung bei Constantin von Fragstein von der FDP. Sowohl in seinem Wahlkreis 49 – SÜW als auch landesweit haben die Liberalen kompletten Schiffbruch erlitten. „Das Ergebnis ist schockierend“, sagt der Kapellen-Drusweilerer. Die Gründe für das FDP-Fiasko sieht er weder in Mainz noch in der Südpfalz. Als Teil der bisherigen Landesregierung hätten die Liberalen gute Arbeit geleistet. „Wir werden aber immer noch für Dinge abgestraft, die in Berlin passiert sind“, meint von Fragstein.
Claudia Braun weiß das Wahlergebnis für sich einzuordnen. Dafür, dass sie keine kommunalpolitische Erfahrung hatte, habe sie ein respektables Ergebnis eingefahren. „Aber gut ist eben nicht gut genug in diesem Fall.“ Immerhin habe sie zwei Ziele erreicht: „Dass wir demokratisch miteinander diskutieren und damit die Qualität hochziehen.“ Sie gratuliert Florian Maier. Das Ergebnis zeige nämlich, dass er sehr viel richtig gemacht habe.
Grüne Lea Heidbreder zieht erneut in Landtag ein
Lea Heidbreder von den Grünen (Wahlkreis Landau) ist sehr erleichtert. Die 34-Jährige wird dem neuen Landtag wieder angehören. Sie freut sich, dass die Partei im Land stabil geblieben ist und mit einem Minus von 2,6 Prozent weniger an Einbußen hinnehmen musste als erwartet. Es sei gelungen, die grüne Socke in den Staubsauger zu stecken und damit den Saugeffekt aufzuhalten, den das Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Alexander Schweitzer und Gordon Schnieder auf die kleineren Parteien hätte auslösen können.
Erschrocken zeigt sie sich über das Ergebnis der AfD im Wahlkreis 50. Der Kandidat Wolfgang Payarolla habe im Wahlkampf keine Rolle gespielt und komme doch auf 14,3 Prozent Erststimmen. „Da kann man einen Besenstiel hinstellen und die Leute wählen ihn trotzdem.“ Die promovierte Psychologin, die für ein AfD-Verbotsverfahren eintritt, hält es für geboten, in der politischen Bildung mehr zu tun für die Demokratie und Begegnungsräume zu schaffen.
Den Sprung in den Landtag verpasst hat Philipp Lange, Direktkandidat der Linken im Wahlkreis 50 – Landau. Ein Problem hat er damit nicht, denn das sei ohnehin kein realistisches Szenario gewesen. Für sich persönlich und die Linke in Landau verspürt er dank des Wahlergebnisses Rückenwind. „Richtig stabil“ findet Lange die 5,4 Prozent bei der Erststimme und die 6,4 Prozent bei der Zweitstimme im Wahlkreis. „Ich bin heiß darauf, meine Arbeit hier in Landau fortzuführen.“