Arzheim/Godramstein/Queichheim SPD: Denkzettel für die vergangene Koalition

Für die SPD war viel drin bei der Kommunalwahl.
Für die SPD war viel drin bei der Kommunalwahl.

Große Freude bei der SPD, große Niedergeschlagenheit bei der CDU: Die Stichwahlen um die Ortsvorsteherposten in drei Stadtdörfern haben die politische Landkarte in Landau neu eingefärbt.

„Es ist traurig, dass wir von vier auf einen Ortsvorsteher abgerutscht sind“, räumt der CDU-Parteivorsitzende Oliver Blanz ein – eigentlich sogar von fünf auf einen, wenn man berücksichtigt, dass auch Joachim Arbogast 2019 noch als CDU-Bewerber gewonnen hatte, aber später aus der Partei ausgetreten war. Gleichzeitig freut sich die SPD, in fünf von acht Stadtdörfern – Godramstein, Dammheim, Mörzheim, Queichheim und Wollmesheim – die Ortsvorsteherinnen und -vorsteher zu stellen. Denn seit Sonntagabend gibt es mit Thorsten Sögding in Nußdorf nur noch einen christdemokratischen Ortsvorsteher.

Die CDU-Urgesteine Jürgen Doll in Queichheim und Michael Schreiner in Godramstein sind dagegen in der Stichwahl unterlegen, ebenso Klaus Kißel (SPD) in Arzheim, der sich Michael Richter von der FWG geschlagen geben musste. Wahlmüde waren die Menschen in den Stadtdörfern nicht: Die Wahlbeteiligung hatte in Queichheim bei 65,2 Prozent gelegen, in Arzheim bei 72,8 Prozent und in Godramstein bei 75,8 Prozent. Doll war mit einem satten Vorsprung von 255 Stimmen in die Stichwahl gegangen, aber offenbar haben sich viele der 295 Wähler, die im ersten Wahlgang für Oliver Wittmann von den Grünen gestimmt hatten, nun für Adrian Koder-Horsten (SPD) entschieden.

CDU möchte junge Leute aufbauen

Blanz vermutet, dass es in den Stadtdörfern einfach eine Wechselstimmung gegeben habe und die Wählerinnen und Wähler Jüngeren eine Chance geben wollten. Das umstrittene Flugblatt von Jürgen Doll kurz vor der Wahl, das dieser als Informationsschreiben bezeichnet hatte, das aber eher als Werbung in eigener Sache aufgefasst werden konnte, hat nach Blanz’ Einschätzung keine Rolle gespielt. In Godramstein vermutet er, dass die Wahlempfehlung der Grünen zugunsten von Thomas Flocken (SPD) den Ausschlag gegeben habe. Möglicherweise habe Schreiner geschadet, dass er selbst lange mit einer weiteren Kandidatur gezögert hatte. Die CDU werde mit allen gut zusammenarbeiten, müsse sich anstrengen, in den Stadtdörfern gut informiert und eingebunden zu bleiben und werde versuchen, dort junge Leute aufzubauen.

Die SPD-Stadtverbandsvorsitzende Paule Albrecht vermutet, dass die Unzufriedenheit mit der grün-schwarz-gelben Koalition der vergangenen fünf Jahre in den Stadtdörfern größer war als in der Innenstadt. Das dürfte den Sozialdemokraten geholfen haben, schätzt sie. Völlig überraschend sei der Sieg in Queichheim und Godramstein nicht gewesen: Den „Wunsch nach etwas Neuem“ habe man bei Haustürbesuchen deutlich vernommen. „Die Leute erhoffen sich neue Impulse“, so Albrecht. Die beiden Stichwahlsieger hätten betont, dass ihnen beim Voranbringen von neuen Ideen eine gute überparteiliche Zusammenarbeit und die Mitnahme der Bürgerinnen und Bürger sehr wichtig sei, so die SPD.

SPD-Mann Flocken sieht „historisches Ereignis“

In einer ersten Reaktion hatte sich am Sonntagabend Adrian Koder-Horsten (SPD) überrascht von seinem Ergebnis gezeigt und versprochen, die parteiübergreifende Zusammenarbeit im Ortsbeirat stärker zu fördern und die Bürger transparenter über die Geschehnisse und Maßnahmen im Ort zu informieren. Michael Richter (FWG) kündigte für Arzheim an, die Gemeinschaft im Ort und auch die Zusammenarbeit mit den Vereinen zu stärken. Thomas Flocken (SPD) freute sich besonders über ein „historisches Ereignis“, denn seinen Recherchen zufolge habe es in Godramstein noch keinen Ortsvorsteher aus den Reihen der SPD gegeben. Ihm sei es wichtig, mit den Bürgern wieder stärker in den Dialog zu treten und sie frühzeitig in Entscheidungen einzubinden.

Albrecht und der SPD-Fraktionsvorsitzende im Stadtrat, Florian Maier freuen sich, dass die SPD mit Stimmenmehrheit in vier Stadtdörfern und mit den meisten Ortsvorstehern plus der Stimmenmehrheit im Stadtrat als stärkste Kraft aus den Kommunalwahlen hervorgegangen sei. Das sei ein Auftrag, auch im Stadtrat die Interessen der Stadtdörfer fest im Blick zu haben. Ihr Arzheimer Genosse Klaus Kißel habe in seinen mehr als zehn Jahren als Ortsvorsteher unfassbar viel für das Dorf geleistet und sich immer wieder konsequent für Arzheims Interessen gegenüber der Stadt eingesetzt.

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