Landau / Pirmasens
Sicher, vernetzt, begleitet: So funktioniert das Modellprojekt „Heimvorteil“
In einem Projekt wollen die ökumenischen Sozialstationen Landau und Pirmasens ältere Menschen, die alleine leben, sich einsam fühlen und/oder in bestimmten Lebensbereichen Hilfe brauchen, darin unterstützen, möglichst lange in den eigenen vier Wänden bleiben zu können. Das Projekt „Heimvorteil – Betreutes Wohnen zuhause“ zeigt die Zukunft einer Versorgungslandschaft, in der für immer mehr zu Pflegende immer weniger Pflegefachkräfte zur Verfügung stehen, und setzt auf eine Versorgung aus persönlicher Zuwendung durch zuverlässige Ansprechpartner, digitaler Unterstützung und niederschwelligem Einsatz von Technik.
Den teilnehmenden Senioren sollen auf den jeweiligen Bedarf eingerichtete Hilfen Sicherheit und Vertrauen vermitteln. Im Bereich der Pflegedienste soll ein modernisiertes und entlastendes Berufsbild mehr Menschen für Pflegeberufe interessieren. Gerade in ländlichen Gebieten verschlingt die ambulante Pflege beispielsweise durch lange Fahrten zu den Kunden Zeit und Geld. Wenn alles so läuft, wie die Verantwortlichen Stefan Höhn in Pirmasens und Karin Leiner in Landau sich das ausgedacht haben, wird durch frühe Erkennung kritischer Situationen künftig auch manch vorzeitige Krankenhauseinweisung vermieden.
Individuellen Bedarf feststellen
Im Zentrum des Projekts stehen die Teilnehmer. Gesucht werden ältere Menschen, die Hilfe brauchen, aber nicht in einem Pflegeheim leben wollen und bereit sind, sich in ihrem Zuhause auf Neues einzulassen.
Am Anfang steht die Feststellung des individuellen Bedarfs durch eine Fachkraft. Für die Stadt Landau und die Verbandsgemeinde Landau-Land übernimmt Leiner diese Aufgabe. Danach wird in Teamarbeit und abgestimmt auf die Wünsche der Teilnehmer ein Hilfeplan erstellt. Dieser umfasst die Entwicklung und Anwendung einer digitalen Unterstützungs- und Kommunikationsstruktur. Den persönlichen Kontakt übernimmt eine sogenannte Concierge. In Landau ist Brigitte Kreische die zuverlässige Vertrauensperson und Betreuungskraft, die virtuell präsent und vor Ort tätig ist und alles koordiniert. Sie bringt Erfahrung aus der Quartiersarbeit und dem Betreuten Wohnen auf dem ehemaligen Landesgartenschaugelände mit.
Beispiele für das Projekt im Alltag
Wie kann ein „Heimvorteil“ im Einzelfall aussehen? Ein paar fiktive Beispiele: Frau Müller lebt in Frankweiler alleine in einem Haus am Waldrand. Abends, wenn es dunkel ist, wird sie unruhig. Dabei können sich automatisch schließende und öffnende Fensterläden helfen. Ausgestattet und angeleitet im Umgang mit einem Smartphone kann sie per Videotelefonie ihren Sohn in Hamburg anrufen oder mit der Enkelin in München plaudern. Bei leichten gesundheitlichen Problemen erreicht sie in wenigen Schritten digital oder telefonisch die Concierge, die über das weitere Vorgehen entscheidet.
Herr Meier in Eschbach sieht und hört nicht mehr gut. Ihm kann die Einrichtung visueller Signale helfen, die Türklingel besser wahrzunehmen. Sprachgesteuerte Technik kann beim Telefonieren unterstützen.
Herr Schulze in Knöringen ist nicht mehr so gut auf den Beinen und muss nachts öfter auf die Toilette. Sensoren, die ein Nachtlicht auslösen, wenn er aus dem Bett steigt, vermindern das Risiko eines Sturzes. Wenn ihm tagsüber die Decke auf den Kopf fällt, ist die Concierge als Gesprächspartnerin da.
In Impflingen hat Frau Schmidt Probleme mit der regelmäßigen Einnahme der Medikamente. Ein Signal im Smartphone erinnert sie daran, durch einen Knopfdruck erkennt die Concierge den Erfolg. Die Vitalwerte zeichnet eine Smartwatch auf. Mitarbeiter des Pflegedienstes, die ihr einmal in der Woche die Medikamente richten, können diese auslesen.
Moderne Hilfsmittel im Einsatz
Für begleitende Alltagsunterstützung wie Arztbesuche oder Einkaufsfahrten sieht das Projekt den Einsatz von nahestehenden Angehörigen, Nachbarn oder Bekannten im bürgerschaftlichen Einsatz vor.
In Landau könnten Digitalbotschafter den Teilnehmern die Anwendung moderner Hilfsmittel beibringen, erklärt Leiner. In Pirmasens überlegt Höhn, ob technikbegeisterte Schüler der höheren Klassenstufen im freiwilligen Einsatz den Senioren den Umgang mit Tablet, PC und Smartphone erklären können. Technik, Geräte und die Concierge werden aus dem Sachkosten- und Personal-Budget finanziert, für Verwaltung und Wartung ist ein Informatik-Hausmeister in Pirmasens verantwortlich. Die Projektkosten teilen sich das Land Rheinland-Pfalz und die Landesverbände der Pflegekassen je zur Hälfte.
Das Mitmachen am Modell ist für Teilnehmer kostenfrei. Produkte, die eingesetzt werden, sind Leihgaben und können nach Beendigung des Projekts, das bis Ende 2027 läuft, gegen Bezahlung von den Projektteilnehmern übernommen werden. Die Concierge soll eventuell als Betreuungsleistung angeboten werden können. Ob und wie diese Form des Betreuten Wohnens das möglichst selbstständige Verbleiben in den eigenen vier Wänden verlängern kann, wird Joachim Von der Heide an der Hochschule für Wirtschaft und Gesellschaft in Ludwigshafen in einer wissenschaftlich begleitenden Studie untersuchen.
Kontakt
Ökumenische Sozialstation Landau: Karin Leiner, Telefon 06341 921346, E-Mail karin.leiner@sozialstation-landau.de; Ökumenische Sozialstation Pirmasens: Telefon 06331 51110.
