Mörzheim RHEINPFALZ Plus Artikel Seltene Raupe macht sich über Kartoffeln her

Die Raupe des Totenkopfs. Anfangs waren sogar drei im Kartoffelkraut.
Die Raupe des Totenkopfs. Anfangs waren sogar drei im Kartoffelkraut.

Werner Kern hat bei einem Lebensmittelprojekt für Kita-Kinder eine unerwartete Entdeckung gemacht. Eigentlich wollte er den Kindern nur verdeutlichen, wo ihre Lebensmittel herkommen. Jetzt kann er noch viel mehr zeigen und erklären.

Werner Kern hat eigentlich nur die Kartoffelkäfer absammeln wollen. Doch dann hat er auf dem Kartoffelfeld, das er zusammen mit den Knirpsen der örtlichen Kita angelegt hat, drei große, auffällig farbenfrohe Raupen entdeckt, die sich ebenfalls über das Blattwerk der Erdäpfel hermachten. Mit denen konnte er zunächst nichts anfangen, so etwas hatte er noch nie gesehen. Aber er ist den farbenfrohen Besuchern mittels Internet-Recherche schnell auf die Schliche gekommen.

Werner Kern engagiert sich seit 50 Jahren im Naturschutz.
Werner Kern engagiert sich seit 50 Jahren im Naturschutz.

Der 78-Jährige engagiert sich seit 50 Jahren im Naturschutz, und seit über 20 Jahren bietet er in der Protestantischen Kindertagesstätte Wildtulpe (der Name ist durchaus Programm) Projekte zum Kennenlernen der Natur an: in den Gräben und Bächen keschern gehen, Pflanzenwanderungen und eben sein Kartoffelprojekt. Den Acker dafür habe er vom Weingut Sommer bekommen und mit den Kindern die Kartoffeln gelegt, die auch sehr schön aufgegangen seien. Im September soll es dann ein Kartoffelfest geben, wenn die Ernte eingebracht wird.

Nicht von Aldi

„Die Kinder sollen lernen, dass das nicht bei Aldi wächst“, sagt Kern schmunzelnd. Dass die Raupen noch etwas übrig lassen werden, davon ist er überzeugt. Mehr Sorgen machen ihm derzeit die Wildschweine, die die zarten Knollen ebenfalls mögen.

Nachdem sich von den ursprünglichen drei Raupen zwei offenbar verkrochen hatten, konnte Kern unserem Fotografen aber immerhin noch eines der seltenen Prachtexemplare zeigen. Und was sind das nun für rare, mit derzeit sieben, später bis zu zwölf Zentimetern Länge auffallend große Raupen? Es sind die des Totenkopfschwärmers.

Honigdiebe aus Afrika

Dabei handelt es sich um einen Nachtfalter, der eigentlich in Afrika und ganz unten in Südeuropa zu Hause ist, sich als Wanderfalter und guter Flieger aber gelegentlich auch in der Pfalz blicken lässt. In der Regel passiert es in heißen Sommern, dass die Falter die Alpenbarriere überwinden. Die weiblichen Falter können bis zu sechs Zentimeter Rumpflänge und 13 Zentimeter Spannweite erreichen und gehören damit zu den größten Schmetterlingen hierzulande.

So sehen die fertigen Nachtfalter aus.
So sehen die fertigen Nachtfalter aus.

Ihren Namen haben sie von einer auffallenden Zeichnung auf der Oberseite der schwarzbraun und orangefarbenen Flügel, die mit etwas Fantasie einem Schädel gleicht. Die Raupen ernähren sich von Nachtschattengewächsen, vorzugsweise Kartoffeln. Die fertigen Falter haben eine noch viel interessantere Ernährungsweise: Sie dringen in Bienenstöcke ein und fressen den Honig. Dass sie von den Insekten nicht angegriffen und totgestochen werden, liegt daran, dass sie sich chemisch tarnen können und von den Bienen nicht als Eindringlinge erkannt werden. Und noch eine Besonderheit gibt es: Die Falter können pfeifen.

Thrillerfans kennen den Falter

Sei es wegen der Totenkopfzeichnung, sei es wegen der ungewöhnlichen Größe der Falter, galten diese früher als Schicksalsboten, die den Tod ankündigen. Schon der wissenschaftliche Name Acherontia atropos leitet sich aus solchem Aberglauben her: Der Acheron ist ein Fluss im nordwestlichen Griechenland, der in der Mythologie als Fluss der Unterwelt gilt, und Atropos eine Schicksalsgöttin, die den Lebensfaden zerschneidet. Zeichnung, Name und Aberglaube haben dazu geführt, dass der Nachtfalter im Roman „Das Schweigen der Lämmer“ das Böse symbolisiert.

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