Landau
Public-Viewing-Veranstalter Gerach ist zahlungsunfähig
Eine riesige Leinwand, davor Tausende Menschen, viele in Deutschland-Trikots gekleidet und auf Bierbänken sitzend – die Public Viewings der Eventschmiede Gerach vor allem rund um Fußball-Großereignisse auf dem neuen Messegelände in Landau waren Publikumsmagnete. Auch Konzerte oder Partyveranstaltungen gehörten zum Angebot des Unternehmens. Geschäftsführer ist der Queichheimer Marco Gerach, sein Bruder Timo hatte sich unter anderem um die Öffentlichkeitsarbeit gekümmert. Doch nun hat die Firma ihre Zahlungsunfähigkeit bekannt gegeben.
Wie die Eventschmiede auf Anfrage der RHEINPFALZ mitteilt, sind Nachwehen von Corona der Grund für die Insolvenz. 2020 sollte die Fußball-EM steigen. Das Landauer Unternehmen wollte dazu große Public-Viewings auf dem Messegelände veranstalten. Die Planung dafür sei viele Monate vorher angelaufen, heißt es. Verträge seien geschlossen, Leistungen beauftragt und teilweise schon bezahlt worden – und dann kam das Virus. Plötzlich sei im März 2020 wegen Corona alles stillgestanden. Die EM wurde verschoben, die Eventschmiede musste ihre Pläne auf Eis legen. Die Lockdowns hätten sie genauso hart getroffen wie viele andere Unternehmen, betont die Eventschmiede.
Corona: „Erhebliche Rückzahlungsverpflichtung“
Der Staat habe damals Betriebe mit Überbrückungshilfen versorgt, um Kosten zu decken, bestehende Verpflichtungen zu erfüllen, Rückabwicklungen zu finanzieren, so die Eventschmiede in einem aktuellen Post bei Facebook. „In unserem Fall betraf das unter anderem Bühnenbau, Technik, Zeltbau, Catering, Marketing und Künstlerhonorare. Die Mittel sind vollständig in dieses Projekt – und damit auch in die Region – geflossen. Warum nun die Insolvenz?“
Die Investitions- und Strukturbank Rheinland-Pfalz (ISB) als Mittelgeberin fordere Geld für die Corona-Hilfen im Zusammenhang mit den Lockdowns der Jahre 2020 und 2021 zurück. Die Rückzahlungsgrundlagen seien jedoch neu bewertet worden. „Dadurch ergibt sich eine erhebliche Rückzahlungsverpflichtung“, heißt es in einem Schreiben der Eventschmiede an Partner und Sponsoren, das der Redaktion vorliegt. Wie hoch die Rückzahlungsforderungen sind, dazu habe sich die ISB noch nicht geäußert, wie die Eventschmiede auf Nachfrage betont.
Kein Public Viewing zu WM 2026
„Nach vielen Monaten intensiver Kommunikation, umfangreichem Schriftverkehr und großem persönlichen wie unternehmerischen Einsatz sehen wir uns nun nicht mehr in der Lage, die aus unserer Sicht nicht nachvollziehbare Auslegung der damaligen Vorgaben der Corona-Hilfen weiterhin aus eigener Kraft abzufedern. Vor diesem Hintergrund waren wir letztlich gezwungen, diesen formalen Schritt zu gehen“, schreibt das Unternehmen. Wichtig sei, so die Eventschmiede im Gespräch mit der RHEINPFALZ, dass die ISB der einzige Gläubiger sei. Es bestünden keinerlei offene Forderungen von Partnern, Sponsoren, Dienstleistern, Mitarbeitern oder sonstigen Geschäftspartnern.
Dass es zur Fußball-WM 2026 in den USA, Kanada und Mexiko kein Public Viewing in Landau geben wird, habe nichts mit der Zahlungsunfähigkeit der Eventschmiede zu tun, so das Unternehmen. Das sei ein bewusster Schritt gewesen vor allem mit Blick auf die Anstoßzeiten wegen der Zeitverschiebung. Unabhängig von dem Insolvenzverfahren betont die Eventschmiede, die Faszination für neue Projekte in der Region sei ungebrochen. Beobachter lesen aus dieser Aussage, die Gerachs könnten sich vorstellen, in Zukunft wieder Veranstaltungen zu organisieren.