Landau „Plakatkleber“ schweigt vor Gericht
„Die unendliche Geschichte“ ist ein wunderbares Buch von Michael Ende. Eine ebenso unendliche Geschichte ist aber die von der Stadt Landau und dem als Plakatkleber bekannten Mann, dessen Texte allerdings kein Mensch lesen will. Schon gar nicht an den Orten, an denen er sie zu „veröffentlichen“ pflegt: Straßenschilder, Wände, Laternenmasten und viele andere öffentliche Stellen. Und das alles mit Spezialkleber, der sich mitsamt den darauf haftenden Blättern mit oft beleidigenden Sentenzen nur mühsam und für teures Geld entfernen lässt.
Der einsame Plakatkleber will partout nicht einsehen, dass er auf jeden Fall eine eigene Meinung haben und die auch äußern darf. Aber eben nicht auf Flächen, die anderen gehören. Psychologen haben dem Mann, der auch schon in einer Fachklinik untergebracht war, zwar eine eigenwillige Persönlichkeitsstruktur bescheinigt, aber keinerlei Zweifel an seiner Schuldfähigkeit gelassen. Und da er partout nicht einsehen will, dass er seine Privatmeinungen nicht wahllos an öffentlichen Orten plakatieren darf, musste er auch schon ins Gefängnis. Erst 2025 war er zu einer Haftstrafe von einem Jahr und zehn Monaten verurteilt worden. Aus der Haft wurde er kürzlich erneut dem Amtsrichter vorgeführt, denn zwischen zwei Inhaftierungen hatte er fleißig weiter „geklebt“. Doch vor Gericht wirkten auch seine Lippen wie zugeklebt: Er wollte nichts sagen. Deswegen wurde ein neuer Termin anberaumt. Am 5. Oktober sollen dann Zeugen bestellt und vernommen werden. Die unendliche Geschichte vom Plakatkleber geht also weiter.