Landau
Pilotprojekt: Zigaretten können teilweise recycelt werden
Wenn man durch die Straßen von Landau läuft und auf den Boden schaut, sieht man dort den einen oder anderen Zigarettenstummel. Manch einer ärgert sich vielleicht über den Müll, ein anderer nimmt ihn schon gar nicht mehr wahr. Dabei können diese kleinen Stummel in der Umwelt großen Schaden anrichten. Denn die Filter der Zigaretten bestehen zu einem Teil aus Plastik, wie Nicola Scholz aus Landau erklärt. Sie ist Initiatorin eines Pilotprojekts mit dem Entsorgungs- und Wirtschaftsbetrieb Landau (EWL). Das Plastik löse sich mit der Zeit auf und werde zu Mikroplastik. Eine andere Gefahr seien die Giftstoffe in den Zigaretten, die mit dem Regen ins Grundwasser geschwemmt werden könnten und dieses verseuchen würden.
Statt Zigaretten in den Hausmüll oder die Umwelt zu werfen, sollen sie in Zukunft beim Wertstoffhof in einer eigenen Tonne gesammelt werden. Denn auch im Hausmüll seien die kleinen Stummel nicht ganz unproblematisch. Das Plastik würde nicht ordentlich getrennt werden, und beim Verbrennen des Mülls könnten giftige Dämpfe ungehindert in die Luft aufsteigen. Darum sollen die gesammelten Kippen nun zu einer Firma in Köln gebracht werden. Dort wird der Müll so verbrannt, dass die giftigen Gase gefiltert werden und nicht in der Luft landen. Das Plastik wiederum wird abgetrennt und recycelt. Eine Firma stelle daraus Brillengestelle her, sagt Scholz.
Für sie änderte sich ihr Umweltbewusstsein vor etwa acht Jahren beim Tag der Nachhaltigkeit. Ein damaliger Student an der Universität Landau machte Scholz, die zu diesem Zeitpunkt selbst noch rauchte, darauf aufmerksam, wie viel Schaden sie der Umwelt zufüge. Daraufhin stieg sie in das Projekt ein und leitet es nun mit einer kleinen Gruppe von Privatpersonen. Vor einer Weile sagte der EWL dann dem Pilotprojekt zu. Die Finanzierung ist allerdings noch unklar, sagt sie, Unterstützung sei gerne willkommen. Auch müssten viel mehr Leute davon erfahren, dann könne man auch mehr Sammelstellen aufstellen. Ihre Vision sei es, dass das getrennte Entsorgen von Zigaretten irgendwann so normal werde wie das von Batterien.
Kippenstummel-Sammeln soll normal werden
Dafür müssten Raucher nun sensibilisiert werden. Wie Scholz sagt, wolle sie dabei gar kein Moralapostel sein, sondern Raucher aufklären und ihnen eine Möglichkeit für eine umweltbewusstere Entsorgung geben. Viele wüssten gar nichts von den umweltschädlichen Folgen und den Alternativen. Um auf den Wertstoffhof gebracht werden zu können, müssten die Zigaretten trocken sein. Dabei ist es gleichgültig, ob es sich nun um gekaufte oder selbstgedrehte Zigaretten handle, auch Zigarren können angenommen werden.
Man könne alle zu Hause selbst in einem Behälter sammeln, den man hin und wieder auf dem Wertstoffhof ausleeren müsse. Sie selbst sammle beispielsweise die Kippen ihres Besuchs in einem leeren Gurkenglas. Als eine andere Möglichkeit schlägt sie den sogenannten Taschenaschenbecher vor, einen tragbaren Behälter, in dem man Zigaretten sammeln könne, wenn gerade kein Aschenbecher da sei. Durch einen dichten Drehverschluss könnten keine unangenehmen Gerüche nach außen dringen.