Landau Pfälzer Resilienzcafés: Wie Gemeinden seelische Gesundheit stärken
Zum Welttag der seelischen Gesundheit hat der Landkreis Südliche Weinstraße gemeinsam mit der Initiative „Die Pfalz macht sich/Dich stark“ ein Resilienzcafé veranstaltet. Eingeladen waren Bürgermeister, bürgerschaftlich Engagierte und Vereinsmitglieder, die als Botschafter aus ihren Orten berichteten.
Der Begriff „Resilienz“ beschreibt die Widerstandskraft eines Menschen, Krisen zu bewältigen – frei nach Kalendersprüchen wie „Hinfallen, Aufstehen, Krone richten, Weitergehen“. Faktoren wie Stress, Krankheit und Armut können seelische Erkrankungen auslösen. Doch welche Rolle können Gemeinden spielen, um die Resilienz ihrer Einwohner zu stärken? Diese Frage stand im Mittelpunkt der Veranstaltung.
„Wir denken die gesunde Kommune neu“, erklärte Harald Weber vom Institut für Technologie und Arbeit (ITA) in Kaiserslautern, der die Resilienzinitiative koordiniert. Vorbeugende Maßnahmen wie Begegnungsräume, Bürgerbeteiligung, günstiger Wohnraum und Nachbarschaftsprojekte seien Schlüssel zur Förderung der seelischen Gesundheit.
„Jeder macht e bissel was“
Neben theoretischen Ansätzen wurden auch praktische Beispiele vorgestellt. Christine Krieg erzählte, wie private Betroffenheit zum Wohle aller werden kann. Nach der erfolgreichen Blutkrebsbehandlung ihres Sohnes organisierte ihre Familie 2007 ein Dorffest, das den Grundstein für den Verein „Rohrbach tut gut“ legte. Unter dem Motto „Jeder macht e bissel was“ wurden in 17 Jahren 350.000 Euro an 68 Vereine und Institutionen gespendet – finanziert durch Weinfeste und den „Zimtzauber“ vor Weihnachten.
Der Ilbesheimer Ortsbürgermeister Peter Jean (SPD) berichtete vom Erfolg des „Ilbesheimer Treffs“, der aus der regelmäßigen Ankunft von Robertos Eiswagens entstand. Nach der Devise „Eis ist für die Kinder gut, die Großen wollen gern was anderes“ brachten die Erwachsenen Getränke mit. Und weil es zur Schorle auch was „Trockenes“ braucht, gibt es mittlerweile jeden Donnerstagabend ab 19 Uhr von Freiwilligen zubereitete Speisen auf Spendenbasis. Das Geld wird genutzt, um in der Gemeinde Gutes zu tun. Zum Beispiel wurde ein junger Mann unterstützt, der einen Schlaganfall erlitten hat.
Nikolaustüten an Überachtzigjährige
Klingenmünsters Ortsbürgermeisterin Katrin Flory (SPD), die auch der Verbandsgemeinde Bad Bergzabern vorsteht, betonte die Bedeutung von Zusammenhalt: „Die Pfälzer Mentalität ist das beste Rezept für Resilienz“. Während der Corona-Pandemie wurden in „Minschder“ tausende Masken genäht und Nikolaustüten an Überachtzigjährige verteilt. Eine gute Nachbarschaft und „kurze Wege, flache Hierarchie und wenig Bürokratie“ seien essenziell für das Dorfleben.
Auch in Dörrenbach zeige sich, wie wichtig Vernetzung ist: Udo Derieth berichtete, wie die Zusammenarbeit der Vereine das Gemeinschaftsleben bereichert. Gerda Wagner erzählte von ihrem Engagement im Vorstand der Rheuma-Liga Landau-Edenkoben. Über den Funktionssport sei sie in die Vorstandsarbeit gekommen und sehe ihre Aufgabe als erfüllend. Ihre Aussage „Ich bringe kranke Menschen in Bewegung“ wurde mit spontanem Applaus belohnt. Vera Krupinski, Multiplikatorin der Landesregierung, ergänzte, dass viele Menschen Antriebslosigkeit überwinden müssten. Sie besucht Schulen und Altenheime, um Gymnastikübungen zu vermitteln.
Selina Benoist von der Landeszentrale für Gesundheit (LZG) erklärte, dass erwerbslose Menschen mit kostenfreien gesundheitsfördernden Maßnahmen unterstützt werden. Finanziert durch Krankenkassen und in Zusammenarbeit mit Jobcentern sowie Arbeitsagenturen soll 2026 ein „Treffpunkt Gesundheit“ in Landau eröffnen.
Der Landrat des Landkreises Südliche Weinstraße, Dietmar Seefeldt (CDU), äußerte hingegen Sorge über den zunehmenden Rückgang von Begegnung und Kommunikation. Das ständiges Schauen aufs Handy schränke die Kommunikation unter den Menschen ein. Feste der Begegnung könnten oft durch immer höhere Auflagen nicht mehr stattfinden.
Zum Abschluss der Veranstaltung verteilten die Moderatorinnen Barbara Dees, zuständig für betriebliche Gesundheitsförderung, und Irina Kast, Projektleiterin der Resilienz-Plattform am Pfalzklinikum, Stoffbeutel an die Teilnehmenden. Diese sollten zur Vernetzung unter Aktiven und Interessierten beitragen.
Noch Fragen?
Weitere Informationen finden sich unter www.resilienz-pfalz.de.