Landau RHEINPFALZ Plus Artikel Nur die Vorschrift ist weg, aber die Maske bleibt

Die masken fallen.
Die masken fallen.

In den meisten Einzelhandelsgeschäften ist der Wegfall der Maskenpflicht am Montag sang- und klanglos passiert. Die wenigsten machen konkrete Vorgaben. Einer setzt auf Superhelden, einer auf Friedrich den Großen. Das scheint zu funktionieren.

Bei Aldi in Landau in der Dammühlstraße räumt am Montagvormittag ein Mitarbeiter einen Pappaufsteller zur Maskenpflicht weg. Auf dem Bildschirm am Eingang heißt es dagegen noch, dass man Mund und Nase bedecken müsse. Es ist Tag eins nach Wegfall der generellen Maskenpflicht. Der Betrieb im Markt ist lebhaft, und das Bild ist eindeutig: Die allermeisten Kunden halten noch an der Maske fest, und sie halten die empfohlenen Mindestabstände, die in der Kassenzone auf dem Boden markiert sind, ein. Alles wie gehabt, alles wie lange eingeübt. Alles so, wie es zu den hohen Inzidenzen passt.

Fast zumindest. Eine Kassiererin sitzt unmaskiert in ihrem provisorischen Plexiglas-Häuschen, ihre Kollegin nebenan trägt OP-Maske. Eine dritte Kollegin beantwortet unmaskiert Fragen einer älteren Kundin mit FFP2-Maske, die mit einem Prospekt wedelt. Die beiden Frauen beugen sich Kopf an Kopf über die Werbebroschüre.

Kein Treffer zum Suchbegriff Maskenpflicht

Auf der Homepage von Aldi Süd finden sich zu dem Thema keine Angaben. „Wir haben für den folgenden Suchbegriff leider keine passenden Ergebnisse gefunden: Überprüfe die Schreibweise der Suchbegriffe auf mögliche Tippfehler“, lautet die Antwort bei der Suche nach „Maskenpflicht“. Immerhin: Nächste Woche soll es mit Blümchen bedruckte medizinische Schutzmasken geben.

Eine Aldi-Pressesprecherin aus der Zentrale im nordrhein-westfälischen Mülheim schreibt auf Anfrage, dass das Unternehmen abwarten will, „wie anschließend die konkrete Ausgestaltung der Corona-Schutzverordnungen der Bundesländer aussehen wird“. Daran werde man sich halten. Wenn keine neue Maskenpflicht komme, „behalten wir uns eine Empfehlung an Mitarbeiter:innen und Kund:innen vor, weiterhin freiwillig eine Maske zu tragen“.

Das Bild wiederholt sich gleich nebenan bei Lidl in der Wieslauterstraße. Fehlanzeige, wenn man nach Hinweisen zum Maskentragen sucht, aber die Kunden sind noch vorsichtig.

Kaum jemand setzt aufs Hausrecht

Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) war lange Zeit ein Befürworter von strengen Regeln. Doch die FDP hat sich durchgesetzt mit ihrer Forderung nach Lockerungen, und Rheinland-Pfalz macht keinen Gebrauch von der regionalen Hotspot-Regelung. Lauterbach hat Einzelhändler gebeten, von ihrem Hausrecht Gebrauch zu machen und an der Maskenpflicht festzuhalten. Viel Erfolg hat er damit offenbar nicht.

Auf dem Parkplatz auf der anderen Seite der Dammühlstraße hängt noch ein wasserfleckiges Schild am Baum, das die Kundschaft auf Maskenpflicht und Abstandsregeln einschwört – aber es stammt noch von Real, obwohl längst Kaufland der neue Hausherr ist. Aktuellere Hinweise sind auch hier Fehlanzeige. Die Kundschaft ist trotzdem größtenteils noch maskiert. Unter der Belegschaft sind dagegen einige, die ganz auf die Maske verzichten oder sie wieder lässig unter dem Kinn tragen.

Helden mit und ohne Masken

Bei der Sparkasse in der Ostbahnstraße ist die Ansage an der Drehtür klar: Zugang nur mit Maske. Vor Kik setzt eine junge Frau mit Kleinkind im Buggy die Maske auf. Sie habe sich dran gewöhnt und fühle sich besser so, sagt sie. Bei Diamond Nails ein paar Schritte weiter ist die Maske angeblich Pflicht, aber die Kundin gleich vorne neben der Tür sitzt der maskierten Asiatin, die ihr die Nägel macht, ohne gegenüber. Beim Modegeschäft Camp David hängt ein Ausdruck mit den Konterfeis von Superman, Catwoman und Batman an der Glastür, garniert mit dem Spruch: Ob mit oder ohne Maske, bei uns sind alle Helden. Die wahren Helden stehen dann aber in der Warteschlange vor der Hauptpost – erst schön auf Abstand, dann, wenn es im Eingangsbereich gedrängter zugeht, alle mit.

Beim Modehaus Jost setzt man auf Friedrich den Großen: Es möge jeder nach seiner Façon selig werden. So schildert es Geschäftsführer Steffen Jost in Grünstadt. Nach zwei Jahren mit Vorschriften funktionieren die Lockerungen nach Josts Einschätzung gut. Die einen seien froh, wieder entspannter shoppen zu können, die anderen seien lieber noch vorsichtig, aber beide Gruppen wirkten zufrieden.

Einige antworten nicht

Andere scheinen da noch deutlich unsicherer zu sein: Kaufland, SBK und der Landauer AKU, der Verband der aktiven Unternehmer, haben bis zum Redaktionsschluss nicht auf die Anfrage reagiert, wie sie es mit oder ohne Masken halten.

Nicht mehr taufrisch: Aushang auf dem Parkplatz von Kaufland, früher Real.
Nicht mehr taufrisch: Aushang auf dem Parkplatz von Kaufland, früher Real.
Aldi legt zumindest auf dem Bildschirm am Eingang noch wert auf die Maske.
Aldi legt zumindest auf dem Bildschirm am Eingang noch wert auf die Maske.
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