Landau Mädchen missbraucht

Eine Elfjährige wurde in Landau von Ausländern belästigt. Wieder so eine Meldung, die die Volksseele in Wallung bringt und Fremdenhass schürt. Auf Facebook schlagen die Wogen hoch. Die Polizei weiß nichts von dem Fall, hakt nach und gibt Entwarnung: „Alles harmlos und falsch wiedergegeben.“
Auf der Facebook-Seite „Unser Landau“ – keine offizielle, sondern eine Fan-Seite – taucht am 21. März um 16.29 Uhr mit Verweis auf die Quelle „Neues Deutschland“ die Meldung auf. Bis gestern, zwei Tage später, wurde sie 157-mal geteilt, 34-mal kommentiert und 57-mal geliked. Der Vorfall liegt da allerdings schon Tage zurück. „Am Donnerstag, 17.03.2016 gegen 17 Uhr wurde am Aldi in der Annweilererstraße in Landau ein elfjähriges Mädchen von arabisch aussehenden, nicht deutsch sprechenden Migranten belästigt, als sie den Einkaufswagen zurückbrachte. 2 Männer stupsten und bedrängten sie plötzlich. Der Vater des Mädchens eilte sofort hinzu, stieß die Männer von seiner Tochter weg und fragte, was das solle. Einer der Männer antwortete ,just for fun’. Der andere positionierte sich in aggressiver Art und Weise dem Vater gegenüber. Fast wäre es zu einer Schlägerei gekommen.“ Ein User, der dies mit dem Hinweis auf „rechtsradikale Seiten“ im Meldungsanhang kommentiert, wird von den Betreibern der Seite „Unser Landau“ geblockt. Er wendet sich an die Polizei und an Facebook. Polizeihauptkommissar Gerhard Bohn, einer der vier Bezirksbeamten in Landau, weiß nichts von einem Vorfall und ermittelt. Er nimmt Kontakt mit der Urheberin des Posts auf, die ihn an den Vater der Elfjährigen vermittelt. „Der Vorfall war nicht mal ein Vorfall“, heißt es später bei der Polizei. Das Mädchen sei Zick-Zack gelaufen und deshalb von zwei bis drei jungen fremdländischen Männern und einer Frau um die 20 angesprochen worden. Sie hätten Spaß gemacht, erklärt der Vater dem Polizisten, wenn etwas Ernstes gewesen wäre, hätte er die Polizei verständigt. Es ist unklar, wer die Meldung auf der bislang eher harmlosen, weil unpolitischen Seite „Unser Landau“ postete – zwischen Fotos vom frühlingssonnigen Marktplatz und neuen Einkaufswagen bei SBK. Der Beitrag erzielt seine wohl kalkulierte Wirkung. „Rechte Hetze“, wettert der kritische User. Versehen ist der Beitrag mit zwei Links. Der eine führt auf eine Homepage „Bürgerforum Landau“. Dort steht die Urfassung der Meldung vom 19. März mit vollem Namen. Die RHEINPFALZ erreichte die Urheberin jedoch nicht. Der andere Link führt auf die Seite „Neues Deutschland“, gemacht von „Patrioten“. Die Kommentare zur vermeintlichen Belästigung auf der Seite „Unser Land“ sind deftig. „Denen gehört das Gesicht eingetreten“, „Nur so ,just for fun’, alle Zähne weg und keine Polizei“ sind nur zwei der Geschmacklosigkeiten. Verhaltene Kommentare wie „Notruf wählen, wenn es wirklich so war“ sind die Ausnahme. „Schauergeschichten tragen dazu bei, dass Ängste entstehen, die nicht real begründet sind“, sagte der Landauer Polizeichef Thomas Sommerrock neulich in Dammheim. Die Polizei gibt den Vorgang an die Staatsanwaltschaft Landau weiter, so Inspektionsleiter Peter Berens. (sas)