Landau Lichtspiel erzeugt eine besondere Krippe

Noch gibt es Hoffnung: Jens Henning erzeugt Schattenbilder mit Elektroschrott.
Noch gibt es Hoffnung: Jens Henning erzeugt Schattenbilder mit Elektroschrott.

Es sieht aus wie gerade aus dem Elektroschrott-Container geklaubt, doch bei Licht betrachtet, ist es ein verblüffendes Kunstwerk: In der Katharinenkapelle in Landau ist an Heiligabend eine außergewöhnliche Weihnachtskrippe zu sehen.

Auf ein besonderes Licht-Kunstwerk weist Jürgen Wienecke hin, Pfarrer im Ruhestand der Selbständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche, die zusammen mit den Altkatholiken die Katharinenkapelle neben dem Alten Kaufhaus nutzt: Beim Gottesdienst der Evangelisch-Lutherische Katharinengemeinde um 16 Uhr steht das Werk des Münsteraner Künstlers und Diplomdesigners Jens Henning im Mittelpunkt. Er hat seine Installation „Schattendasein“ genannt.

Das gilt im direkten Wortsinn, weil der sorgsam arrangierte Elektronikschrott das Bild einer Krippe mit Jesuskind, eines Fläschchens und eines Napfs mit Löffel an die Kirchenwand wirft, wenn er von einem Spot beleuchtet wird, und es gilt laut Wienecke im übertragenen Sinn, weil „der eigentliche Inhalt der Weihnachtsgeschichte vielleicht nur noch ein Schattendasein fristet“. Henning transportiere aber auch die Botschaft, „dass die Welt doch noch nicht verloren ist, wenn hinter all dem Schrott in dieser Welt, den enttäuschten Hoffnungen, dem Leid, den Kriegen, der Angst vor einem Untergang der uns gewohnten Welt doch noch das Licht von Weihnachten leuchtet“.

Krippen für Religio-Museum gestaltet

Henning ist Fotokünstler, kombiniert auch Fotografie mit Malerei und Grafik, und er entwirft Produkte für den Tourismus, wie zum Beispiel Kalender, Gläser mit Stadtmotiven oder Umhängetaschen mit Ortsschild. Und er beteiligt sich regelmäßig an der jährlichen Krippenausstellung im Telgter Museum Religio, dem Westfälischen Museum für Religiöse Kultur. Dessen jährlich wiederkehrende Sonderschau gilt als die größte Ausstellung zur zeitgenössischen Krippenkultur in Deutschland, mit teilnehmenden zwischen drei und 95 Jahren. Beinahe ebenso regelmäßig, wie er teilnimmt, wird Henning dort ausgezeichnet. Zu seinen früheren Werken gehörten auch eine Krippe aus einer Walnussschale unter einem sich bedrohlich darüber beugenden Kreuz als Symbole für Anfang und Ende des Lebens Jesu, die gemeinsam einen Schatten in Form einer Dornenkrone werfen.

Hennings Werk zur 82. Krippenausstellung 2022/23 befasste sich mit der kommerziellen Seite des Weihnachtsfests: Da brachten die Heiligen Drei Könige dem Jesuskind ihre Gaben Weihrauch und Myrrhe, doch die Gefäße sind umgekippt, ihr Inhalt ergießt sich auf den Boden, und die Krippe ist mit Goldmünzen überhäuft, die das Kind im Heu zu ersticken drohen – das sich zum Glück aber noch bewegt.

Licht aus Bethlehem zum Mitnehmen

Beim Heiligabend-Gottesdienst in der Katharinenkapelle werden Weihnachtslieder gesungen, es gibt Weissagungen und Lesungen aus dem alten und Neuen Testament und die Weihnachtsgeschichte aus dem Lukasevangelium, so der Pfarrer. Einige Sängerinnen und Sänger sowie Instrumentalisten werden einen Sponti-Chor und eine vielstimmige Combo bilden zur musikalischen Begleitung. Im Anschluss kann das „Licht aus Bethlehem“ mitgenommen werden.

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