Südpfalz RHEINPFALZ Plus Artikel Leidenschaft für die Schiene: Der Finanzamtschef und die Bahn

Frank Klasing, Leiter des Landauer Finanzamts, hat ein Buch über die Lokalbahnen geschrieben.
Frank Klasing, Leiter des Landauer Finanzamts, hat ein Buch über die Lokalbahnen geschrieben.

Frank Klasing leitet eine Behörde mit 285 Mitarbeitern. Nebenbei forscht er zur Geschichte der Regionalbahn. Warum er die frühere Bundesbahn für besser hält als die Bahn AG.

Behördenleiter und gleichsam Eisenbahnhistoriker – diese Kombination ist eher selten. Und genau das ist es aber, das die Arbeit von Frank Klasing besonders macht. Der Leiter des Finanzamts Landau hat sich über Jahrzehnte intensiv mit der Geschichte der Lokalbahnen beschäftigt und nun in zwei Bänden ein umfangreiches Werk vorgelegt.

Geboren im Jahr 1965, wuchs Klasing in Klingenmünster auf und machte sein Abitur in Bad Bergzabern. Danach machte er eine Ausbildung zum Verwaltungsbetriebswirt bei der Deutschen Bundesbahn, im Anschluss mit Stationen in Landau und bei der Bundesbahndirektion in Karlsruhe. Seit 2015 leitet Frank Klasing das Finanzamts Landau mit 285 Mitarbeitern. Er trat dort die Nachfolge von Volker Groß an. Zuvor stand der promovierte Jurist von 2013 bis 2015 an der Spitze des Finanzamts Pirmasens-Zweibrücken.

Faible für Eisenbahnen früh geweckt

Trotz seiner beruflichen Tätigkeit fand Frank Klasing immer wieder Zeit für seine Forschungen, seine Leidenschaft. Denn schon früh wurde sein Faible für die Eisenbahn geweckt – nicht zuletzt durch den Lokomotivschuppen in Klingenmünster, der ihn nachhaltig faszinierte. „Der hat mich einfach begeistert“, sagt Frank Klasing im Gespräch mit der RHEINPFALZ. Auch das Mitfahren in Zügen gehörte früh zu seinen liebsten Beschäftigungen.

Das Thema Bahn und Bahnhöfe hat den Autor seit seinen Kindertagen begeistert.
Das Thema Bahn und Bahnhöfe hat den Autor seit seinen Kindertagen begeistert.

Diese Leidenschaft begleitete ihn über Jahrzehnte. Mehr als 40 Jahre lang sammelte Frank Klasing Material, sichtete Dokumente und vertiefte sich in die Materie. In den vergangenen zehn Jahren nahm sein Projekt dann konkrete Gestalt an. Entstanden ist eine zweibändige Publikation über das bayerische Lokalbahnwesen und dessen Übertragung auf die Pfalz. Der erste Band beleuchtet auf 184 Seiten die Entstehungsgeschichte, der zweite Band auf 320 Seiten die Betriebsgeschichte und die technischen Aspekte des Lokalbahnbaus. Die Auflage beträgt 200 Exemplare.

Detektivarbeit in Archiven

Seine Recherche beschreibt Frank Klasing als eine Art Puzzlespiel: „Ich habe viel Zeit damit verbracht, alles zusammenzutragen.“ Seine Spurensuche führte ihn in zahlreiche Landesarchive, unter anderem nach Koblenz, München, Speyer, Karlsruhe und auch nach Nürnberg ins Zentralarchiv der Bahn. Dort verbrachte er viele Stunden, sichtete Quellen und setzte historische Zusammenhänge Stück für Stück zusammen. Im Mittelpunkt seiner Untersuchung steht die Lokalbahn Rohrbach–Klingenmünster. Dabei beleuchtet er auch die rechtlichen Grundlagen, insbesondere das bayerische Eisenbahnrecht des 19. Jahrhunderts und dessen Anwendung in der Pfalz.

Der Autor blickt mit einer gewissen Nostalgie auf die Zeit der Deutschen Bundesbahn zurück.
Der Autor blickt mit einer gewissen Nostalgie auf die Zeit der Deutschen Bundesbahn zurück.

Beleuchtet wird in dem Buch auch die Konkurrenz zwischen der Lokalbahn und anderen Verkehrsmitteln. Von pferdegezogenen Kutschen und Fuhrwerken über Straßenmotorbusse und Lastkraftwagen bis hin zum modernen Individualverkehr zeichnet Klasing die Entwicklung der Mobilität nach. Diese Konkurrenz führte dazu, dass viele Lokalbahnen langfristig an Bedeutung verloren.

„Bahn früher zuverlässiger und pünktlicher“

Im Gespräch mit der RHEINPFALZ wird auch Klasings persönliche Haltung zur Bahn deutlich. Er blickt mit einer gewissen Nostalgie auf die Zeit der Deutschen Bundesbahn zurück, die er als Anbieter mit größerer Zuverlässigkeit und Pünktlichkeit wahrnimmt. Kritisch sieht er hingegen die Entwicklungen der Bahn seit der Überführung in die Deutsche Bahn AG, die aufgrund der hohen Verschuldung Mitte der 1990er Jahre vorgenommen worden war. Diese habe, so Klasing, auch Veränderungen bei Service und Sicherheit mit sich gebracht. Bahnhöfe hätten früher ein anderes Sicherheitsgefühl vermittelt, da auch an mittelgroßen Bahnhöfen mehr Personal und Polizeipräsenz vorhanden gewesen seien.

Im Mittelpunkt des zweibändigen Werks steht unter anderem die Lokalbahn Rohrbach–Klingenmünster.
Im Mittelpunkt des zweibändigen Werks steht unter anderem die Lokalbahn Rohrbach–Klingenmünster.

Neben der Eisenbahn hat Frank Klasing weitere Interessen: Es beschäftigt sich in siner Freizeit auch gerne mit der Welt der Pflanzen und fährt gerne Fahrrad. Doch die Bahn ist und bleibt sein zentrales Steckenpferd – eine Leidenschaft, die ihn seit seiner Kindheit begleitet und nun in einem wissenschaftlichen Werk ihren Ausdruck findet. Dabei beschränkt sich seine Untersuchung nicht nur auf die Südpfalz, sondern bezieht auch andere Lokalbahnen der Pfälzischen Eisenbahnen ein, um ein umfassendes Bild der regionalen Eisenbahngeschichte abzugeben.

Info

Die Buchvorstellung der Stiftung zur Förderung der pfälzischen Geschichtsforschung mit dem Autor Frank Klasing ist am Samstag, 9. Mai, 18 Uhr, im Hotel-Restaurant zum Bahnhof 1894 in Rohrbach.

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