Landau
Landau baut bezahlbaren Wohnraum
Schreiben darf man es eigentlich nicht, doch der Neubau von 39 Wohnungen in der Haardtstraße, überwiegend bezahlbarer – weil geförderter – Wohnraum, geht etwas schneller voran als gedacht. Derzeit herrscht reges Treiben auf der Baustelle. Doch das kann sich jederzeit auch wieder ändern, beispielsweise durch einen Wintereinbruch.
Bau A, einer von dreien, ist ein nahezu fertiger Rohbau, Ende Januar sollen auch die Gebäude B und C diesen Stand erreicht haben, sagt Architekt André Korn von der Werkgemeinschaft Landau, dem Büro, das das Projekt im Auftrag des Gebäudemanagements Landau (GML) geplant hat und betreut. Im Januar werde daher auch schon der Holzbau beginnen, denn die drei vierstöckigen Häuser werden in hybrider Bauweise errichtet: Treppenhäuser, Innenwände und Decken sind aus Beton, doch die Gebäudehülle wird mit vorgefertigten Holzrahmentafeln geschlossen. Das geht schnell, vor allem aber ist es nachhaltig, weil im Holz CO2 gespeichert ist und die Dämmwirkung bei einer solchen Konstruktion hoch ist. Die Bauweise ist noch vergleichsweise neu. Erschlossen werden die Wohnungen über Laubengänge, die vorgehängte Holzfassade wird begrünt.
Konkurrenz zwischen Familien und WGs
Beheizt werden die Häuser künftig per Wärmepumpen, Strom kommt von einer Fotovoltaikanlage auf den begrünten Flachdächern, die in Kürze ausgeschrieben werden soll. Für kalte Wintertage und für die Trinkwasserhygiene gibt es eine Pelletheizung, erläutert Markus Baumgärtner, der stellvertretende Werkleiter und Leiter des technischen Bereichs des GML. Derzeit laufen die Ausschreibungen für die Metallbauarbeiten (Treppen- und Balkongeländer und Handläufe) und für die Trockenbauarbeiten, wie zum Beispiel Leichtbauwände zur inneren Unterteilung der Wohnungen.
In den drei Gebäuden wird es 39 Wohnungen geben, darunter auch Fünf-Zimmer-Wohnungen, weil Familien große Probleme hätten, in Landau geeigneten Wohnraum zu finden, sagt der für das GML zuständige Beigeordnete Lukas Hartmann (Grüne): Vermieter könnten mehr damit verdienen, große Wohnungen zimmerweise zu vergeben, beispielsweise an studentische Wohngemeinschaften. Daher müsse die Stadt tätig werden. Elf Wohnungen sind also für Menschen unterhalb der Einkommensgrenze gedacht, bis zu der man einen Wohnberechtigungsschein bekommt. 22 Wohnungen sind für Menschen etwas über diesen Grenzen. In beiden Fällen – man spricht vom ersten und zweiten Förderweg – sind die Wohnungsgrößen gedeckelt, die Dreizimmerwohnung darf dann beispielsweise maximal 80 Quadratmeter haben, aber auch die Mieten werden auf sechs bis sieben Euro Kaltmiete pro Quadratmeter begrenzt. Sechs Penthouse-Wohnungen mit größeren Dachterrassen werden frei vergeben. Ob sie vermietet oder verkauft werden, steht laut Hartmann noch nicht fest. So oder so sollen sie einen Beitrag zur Querfinanzierung leisten. Für eine Durchmischung sorgen sie zudem.
Speyer als Vorbild?
Hartmann betont, dass das GML mit dann 300 Wohnungen noch lange nicht über genug Wohnraum verfügt. Speyer habe 3000, und der Verkauf des städtischen Wohnungsbesitzes (Anmerkung der Redaktion: unter Oberbürgermeister Christof Wolff, CDU, zur Sanierung des Haushalts) war laut Hartmann „ein Sündenfall“. Zu kämpfen hat das GML mit den hohen Kosten des Bauens. In der Haardtstraße habe die Tiefgarage mit 25 Stellplätzen unter den Blöcken B und C viel Geld verschlungen. Kron nennt 30.000 Euro pro Platz als Größenordnung. 17 weitere Stellplätze wurden auf dem Grundstück untergebracht, zudem 66 Radabstellplätze. Mehr ging nicht, weil der Hof auch als Begegnungsraum der Bewohner gebraucht wird, wie Baumgärtner sagt. Insgesamt weniger Stellplätze waren aber auch nicht zulässig: Einer pro Wohneinheit muss es laut Richtlinien derzeit noch sein. Nur bei Senioreneinrichtungen und Studentenwohnungen seien 0,2 Plätze pro Bett erlaubt, wenn es einen guten Nahverkehr oder Car-Sharing gibt. Dafür will die Stadt sorgen: Laut Hartmann ist eine zusätzliche Bushaltestelle in der Haardtstraße geplant.
Die Häuser in der Haardtstraße sollen im Frühsommer 2025 bezugsfertig sein. Dass sie den Wohnungsmarkt ganz wesentlich entlasten, erwartet Hartmann nicht: Auf der Warteliste des GML stünden ständig rund 500 Wohnungssuchende, obwohl die Liste alle zwei Jahre auf null gesetzt werde. Es gebe aber noch vier bis fünf Grundstücke in städtischem Besitz, die für Folgeprojekte geeignet seien, so Hartmann. Dann müsse man allerdings darüber reden, ob das GML als 100-prozentige Tochter der Stadt diese wirklich kaufen müsse, also Geld von der linken in die rechte Tasche verschoben werde, oder ob die Stadt sie nicht auch über Erbbaurecht oder kostenlos zur Verfügung stellen könne.