Landau Kreis SÜW bremst Planwagenfahrten aus

Abgehängt: der Planwagen des Weinguts Stachel in St. Martin.
Abgehängt: der Planwagen des Weinguts Stachel in St. Martin.

Das Behördenschreiben kommt aus heiterem Himmel. Es kommt vom Kreis, aber dahinter steckt die ADD. Für Planwagenfahrten sollen strenge Regeln gelten. So streng, dass das bei Touristen beliebte Angebot kaum zu halten ist.

[Korrigiert: 16. Juni, Angabe zu Bremsanlagen]Die Kreisverwaltung Südliche Weinstraße verschickt Briefe an Winzer, die Planwagenfahrten anbieten. Die Ansage ist deutlich: Sie dürfen dafür kein Geld verlangen – oder sie müssen strenge Regeln einhalten, die nur für viel Geld umzusetzen sind.

Ganz neu ist das Thema nicht, damit hatte sich auch das Weingut Pfeffer in Klingenmünster Anfang 2022 schon herumschlagen müssen. Aber offenbar hat sich nun die Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion ADD des Themas angenommen und fordert Kreise und kreisfreie Städte auf, tätig zu werden. Die Stadtverwaltung Landau bestätigt, dass bei ihr ein entsprechender Hinweis aus Trier eingegangen ist.

Der Kreis reagiert sofort

Die Zulassungsstelle SÜW ist schon weiter: Fahrten zur Brauchtumspflege sind okay, wenn man Weinlagen zeigen und über den Weinbau informieren will, bevor Silvaner, Riesling und Spätburgunder verkostet werden. Doch wehe, die Gäste an Bord begehen einen Junggesellenabschied, feiern ihre Hochzeit oder machen einen Ausflug mit alten Schulkameraden. Wenn der Landwirt oder Winzer für Rundfahrt, Wein und Vesper Geld verlangt, greifen ganz andere Vorschriften.

So regelt es ein Erlass des Wirtschaftsministeriums von 2018. Denn dann gilt das Personenbeförderungsgesetz. Der Winzer muss dafür eine Genehmigung einholen und einen Personenbeförderungsschein (bis zu acht Fahrgäste) oder sogar einen Busführerschein (über acht Teilnehmer) haben und sich das Befahren von Wirtschaftswegen per Ausnahmegenehmigung erlauben lassen. Zudem ist dann eine andere Versicherung nötig und eine Abnahme der Fahrzeuge durch einen Sachverständigen. Das ist aufgrund etlicher Unfälle nachvollziehbar – zuletzt beispielsweise an Christi Himmelfahrt im thüringischen Eichsfeld, wo es 14 Verletzte gab –, aber der Anhänger mit draufgeschraubter Biertischgarnitur ist in aller Regel längst durch professionelle Anhänger mit moderner Bremsanlage ersetzt worden.

Hunderte Gäste betroffen

Mathias Frankmann, Leiter des Weinguts Otto Stachel in St. Martin, hat den Brief am Montag bekommen und ist aus allen Wolken gefallen. Die Planwagenfahrten hat er sicherheitshalber gleich mal von der Homepage genommen. Maximal 15 Fahrten pro Jahr dürfe er noch als Brauchtumspflege machen, sagt er. Doch gebucht seien schon sehr viel mehr, von Gästen, die ihre Zimmer in Hotels und Ferienwohnungen längst gebucht hätten, in der örtlichen Gastronomie einkehren und bei Bäcker und Metzger vor Ort einkaufen würden. Er fürchtet einen herben Rückschlag für den Tourismus nicht nur an der Südlichen Weinstraße, sondern vermutlich landesweit. So wie er sind viele Winzerkollegen mit Personenanhängern zwischen den Reben unterwegs, sei es zu Funzel- oder Glühweinfahrten, zur Mandelblüte, der Kerwe oder vielen anderen Anlässen. Allein im Kreis seien etliche Kollegen betroffen, schätzt Frankmann. Er weiß von einem anderen Weingut in der Region, das die Fahrten rechtskonform beibehalten wolle und dafür Zehntausende Euro aufgewandt habe. „Das rechnet sich für mich definitiv nicht“, so Frankmann. Auch das Weingut Christmann in St. Martin hat laut seiner Homepage die Fahrten bereits abgesetzt, bedauert die Unannehmlichkeiten und bietet als Ersatz eine Weinbergswanderung mit Bollerwagen an.

Bauern- und Winzerverband noch nicht informiert

Ein Bad Dürkheimer Weingut bittet seine Gäste, „von Anfragen zu Funzelfahrten/Sauffahrten abzusehen“. Es gehe um das Kennenlernen und den achtsamen Konsum ökologischer Spitzenweine. Doch bei einem Preis von 49 Euro pro Teilnehmer dürfte auch diese Einschränkung nicht vor Ungemach schützen. Pfalzweit dürften über 30 Veranstalter zwischen Albisheim und Zweibrücken demnächst Post von ihrer Kreis- oder Stadtverwaltung bekommen. Frankmann hat bereits ein Informationsgespräch am 2. Juli in der Zulassungsstelle der Kreisverwaltung SÜW vereinbart.

Beim Bauern- und Winzerverband in Mainz ist das Thema bisher noch nicht aufgeschlagen, sagt Sprecher Andreas Köhr.

x