Landau Kleines Italien in der Pfalz

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Morgens, 10 Uhr, in Deutschland. Leonardo Moschetta und Giuseppe Baorda betreten ein paar Minuten versetzt ihr Lokal. Die erste Tat von beiden: der Gang zur Kaffeemaschine. Und bei beiden fliegt irgendein Teil scheppernd zu Boden. „Wir Italiener können eben nicht ruhig, wir sind so!“, entschuldigt sich der Chef. Er macht die typischen Handbewegungen eines Italieners. Gerade volljährig geworden, sind die beiden 1978 beziehungsweise 1984 von Italien nach Deutschland gekommen. Moschetta, gelernter Koch, der nach ein paar Stationen in der Heimat neue Küchen erkunden wollte. Und Baorda, den es über seinen Onkel, der die zweite Pizzeria in Landau eröffnet hatte, in die Südpfalz verschlug. Hier lernten sie sich kennen. Sie verbrachten ihre jungen Jahre zusammen und hatten irgendwann bei einer Fahrt nach Speyer eine Idee: ein gemeinsames Restaurant. Gesagt, getan. 1990 gründeten die beiden Piccola Italia, damals noch am Standort Königstraße. Moschetta, der Chef in der Küche. Baorda, der den Service managt. „Wir haben eine gute Symbiose.“ Den Verkauf von Feinkostprodukten und selbst gemachter Pasta stellten sie nach einer Weile ein, blicken sie zurück. Der Gastrobereich sei einfach zu gut angelaufen. „Mit so einem Erfolg hätten wir nicht gerechnet“, gibt Baorda zu. Relativ schnell sei das Catering-Angebot hinzugekommen. Einst belieferte Piccola Italia zwei Möbelhäuser und eine Schule. Heute hat es sich auf feineres Essen beispielsweise bei Betriebsfesten, Hochzeiten oder Taufen spezialisiert. Mit dem Cateringwachstum – heute für vier bis zehn Veranstaltungen in der Woche – kam auch der Umzug von der Landauer Innenstadt ins Gewerbegebiet, um die Lieferungen zu erleichtern. Das war 2006, als am neue Messeplatz noch wenige Gebäude standen. Doch die beiden erkannten schon damals das Potenzial des Standorts. Heute floriert das Gewerbe dort. Ein Betrieb nach dem anderen schießt aus dem Boden. Und alle Mitarbeiter haben natürlich zur Mittagszeit Hunger. Deswegen ist der Businesslunch zur Mittagszeit sehr beliebt. Selbst aus der Innenstadt kämen Gäste, berichten die beiden. Für die Abendkarte nehmen nicht wenige selbst Anfahrten aus Neustadt, Pirmasens oder Speyer in Kauf. Das verschaffte den beiden Italienern bei 80 Innen- und 80 Außenplätzen 2014 einen Jahresumsatz von 1,3 Millionen Euro. „Aber den brauchen wir auch bei zwölf festen Mitarbeitern und weiteren Aushilfen“, macht Baorda deutlich. Schließlich legten sie auf anständige Bezahlung und gutes Betriebsklima Wert. „Ohne unser Team wäre das alles nicht möglich.“ Die meisten seien schon viele Jahre dabei, Babi Sundarahngam Uthayendran sogar schon seit 24 Jahren. Maßgeblich sei er für den Geschmack im Piccola Italia verantwortlich. Tagliolini mit Flusskrebsen und Lachsfilet in Avocadocreme oder Risotto mit Pfifferlingen und Tiroler Schinken findet der Gast da auf der Karte. Die Küche lege Wert auf frische, saisonale Produkte, kaufe auch bei regionalen Herstellern ein, berichtet Moschetta. Dazu gehörten seit einem Jahr Weinverkostungen mit wechselnden Pfälzer Winzern. Aber natürlich gebe es weiterhin auch italienische Tropfen. Ein Geschäft hochzutreiben, funktioniere recht einfach, es aber über so lange Zeit stabil und sogar steigend zu halten, dahinter stecke viel, sind sie auf ihre Leistung stolz. Und die Erfolgsgeschichte geht weiter. Im Mai eröffneten sie das Bistro „Amici“ in Landaus Süden, das von ihren Ehefrauen Ilona Baorda und Andrea Moschetta betrieben wird. (höj)

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