Edenkoben
Kinderwingert in Edenkoben: Vorschulkinder lernen den Rebschnitt
Für viele Kinder, die ab der Mitte des 19. Jahrhunderts bis in die 1990er-Jahre aufwuchsen, gehörte die Mitarbeit bei der Weinlese in den elterlichen und großelterlichen Weinbergen zum Alltag. Oft gab es dafür ein kleines Taschengeld, besonders von Oma und Opa, und zur Stärkung eine Fleischwurst mit Brötchen – damals als „Fläschworschd un Weck“ bekannt.
Mit der Einführung des Traubenvollernters ab Mitte der 1980er-Jahre und dessen Weiterentwicklung ging diese Tradition weitgehend verloren. Um Kindern trotzdem zu zeigen, welche Arbeiten über das Jahr im Weinberg nötig sind, wurde in Edenkoben das Projekt „Kinderwingert“ ins Leben gerufen.
Kürzlich trafen sich zehn Vorschulkinder der Kita Spatzennest mit ihren Erzieherinnen Rossana Giangreco und Tabea Keck sowie 15 Schülerinnen und Schüler der Klasse 1a der Grundschule Edenkoben, begleitet von ihrer Lehrerin Anne Stockerl. Ziel war es, zu lernen, wie man Reben schneidet. Stockerl ist die Ideengeberin des Projekts, das gemeinsam mit den Betreuern des Weinlehrpfads umgesetzt wurde.
Mit und ohne Elektro-Unterstützung
Winzer Ludwig Schneider erklärte den Kindern, welche Triebe entfernt werden und welche stehen bleiben müssen, damit die Reben im nächsten Jahr wieder frische Trauben tragen. Zusammen mit Peter Lutz gab er Anweisungen und achtete auf die Sicherheit. Eine handelsübliche Rebenschere ohne Luft- oder Elektro-Unterstützung ist für Kinder relativ ungefährlich, erfordert aber Kraft. Akkubetriebene Scheren schneiden leicht, bergen jedoch ein höheres Verletzungsrisiko. Schneider demonstrierte deren Einsatz, ließ die Kinder damit aus Sicherheitsgründen aber nicht arbeiten.
Der alte, in Kammertbauweise angelegte kleine Wingert an der großen Kelter in der Villastraße wirkte zunächst wild. Unter Anleitung starteten die Kinder mit großer Begeisterung mit der Arbeit. Henry und Fena kletterten auf die Holzpfähle und legten gleich los. Nach knapp einer Stunde war der Weinberg in vorbildlichem Zustand – als hätten Profis Hand angelegt.
Kinder wollen mit den Reben basteln
Unweit davon zeigte Schneider die Arbeit im modern angelegten Weinberg. Mit der Akkuschere war er zügig unterwegs, was die Kinder beeindruckte. Sie sammelten die abgeschnittenen Reben, bündelten sie mithilfe der Erwachsenen zu großen „Räwwehäselscher“ – hochdeutsch etwa „Rebenhäschen“. Früher dienten diese Bündel als Brennmaterial in Wohnungen. Die Kinder möchten bis Weihnachten aus den Reben verschiedene Dinge basteln.
Auch Lilia (sechs Jahre) sowie die jeweils ein Jahr älteren Melis, Laura und Anna hatten sichtlich Spaß und wollten mit dem Schneiden gar nicht aufhören. Lina probierte es mit einer kleinen Papierschere. Die dicken Reben waren damit nicht zu bewältigen, doch einen Seitenzweig bekam sie ab – sehr zu ihrem Stolz.
Die nächste Aktion ist für Januar geplant. Dann lernen die Kinder, wie man Reben anbindet – oder, wie es die Älteren sagen, wie man „Kammert macht“.