Landau Kalmit kein Problem
Gommersheim. Ob es regnet oder schneit, Klaus Weisbrod und sein Fahrrad sind immer bereit. Der Gommersheimer fährt jeden Tag mit dem Rad zur Arbeit und zurück. Egal, zu welcher Uhrzeit sein Dienst im Schichtbetrieb in der BASF in Ludwigshafen beginnt.
„Bei Glatteis oder Sturm fahre ich eher nicht. Oder wenn es minus acht oder neun Grad sind“, schränkt er ein. Bei starkem Wind im Wald unterwegs zu sein, könne wegen den umherfliegenden Ästen zu gefährlich werden. Und zu niedrige Temperaturen seien nicht gut für die Muskulatur. Im vergangenen Jahr habe er lediglich viermal auf das Auto zurückgreifen müssen. Je nach Strecke und Witterung ist der Gommersheimer unterschiedlich lang unterwegs. Ein Autofahrer fährt die knapp 40 Kilometer laut Navigationssystem in rund einer halben Stunde. Wenn es keinen Stau gibt. „Ich brauche so 75 bis 105 Minuten“, schätzt Weisbrod, „bei starkem Gegenwind kann man kaum schneller als 20 bis 25 Stundenkilometer fahren.“ Auf diese Zeiten kommt er aber nur, wenn er die direkte Strecke nimmt. Auf dem Weg nach Hause kann es auch vorkommen, dass er einfach der Freude halber zur Kalmit radelt. Und deswegen auch manchmal ein paar Stunden später nach Hause kommt. „Die Pfalz ist ein wunderschöner Landstrich“, sagt der passionierte Sportler. „Autofahrer wissen nicht, was sie alles verpassen.“ Dabei ist die Idee zur täglichen Radtour eher aus unromantischen Gründen entstanden. Der 63-Jährige macht seit seinem neunten Lebensjahr Sport. Diese Liebe zur Bewegung spiegelt sich in seinem Äußeren: Er ist drahtig, fit und wirkt wesentlich jünger. Die Idee, mit dem Fahrrad zur Arbeit zu fahren, kam ihm in den frühen 80er-Jahren. Damals, mit Ende 20, begannen sich Sportleidenschaft, Arbeit und Familie ins Gehege zu kommen. „Irgendwas musste ich reduzieren – Sport oder Firma“, sagt er. Dann hatte er die Idee, einfach Sport auf dem Weg zur Arbeit zu machen. Anfangs joggte Weisbrod von Gommersheim nach Haßloch. Von dort fuhr er mit einer Fahrgemeinschaft zur Arbeit. Dann schenkte ihm ein Freund ein Tourenrad. Ein anderer Einwohner des Dorfs radelte bereits täglich zur Arbeit und zurück, in Klaus Weisbrod fand er einen Mitfahrer. „Anfangs nur von März bis Oktober“, sagt er. In den anderen Monaten ist es zu dunkel und neblig. „Damals waren die Leuchten noch nicht so stark, wie sie es heute sind.“ Der Mitfahrer hatte ein Rennrad, mit dem es sich besser fahren ließ als mit dem Tourenrad. „Ich habe meiner Frau gesagt, dass ich neue Lichter kaufen gehe“, sagt er und beginnt zu lachen, „wiedergekommen bin ich mit einem neuen Rennrad.“ Und neuen Leuchten. Passiert ist dem stolzen Vater von vier Söhnen und Großvater einer Enkeltochter nicht viel. Einmal wurde er von einem Autofahrer erwischt, der Zusammenprall ging glimpflich aus. Den einzigen schweren Unfall hatte Weisbrod im Jahr 2000. Nicht auf dem modernen Drahtesel, sondern beim Ski fahren in den Alpen. „Da gab’s das volle Programm, ich musste vom Rettungshubschrauber abgeholt werden.“ Diagnose: Beckenbruch. Er dürfe kein Fahrrad mehr fahren, hieß es damals. Die Belastung für die geschundenen Knochen sei zu hoch. Damals waren die Bikes noch nicht so gut gefedert wie heutzutage. Niedergeschlagen war Weisbrod nicht lange. Sein Plan B stapelte sich bereits auf dem Beistelltisch: in Form von Katalogen mit voll gefederten Mountainbikes. Die konnte er nutzen. Also fuhr er nach seiner Genesung wieder Rad. So ist Klaus Weisbrod: stets positiv. Es geht immer weiter. Klaus Weisbrod ist übrigens nicht der Einzige, der auch mal zum Schichtbeginn um 3.05 Uhr aufs Rad steigt. Er fährt zusammen mit zwei weiteren Kollegen, die mittlerweile zu Freunden geworden sind.