Landau Initiativen rücken zusammen: Besser gemeinsam als einsam
Einsamkeit ist keine Frage des Alters. Da mag sie härter zuschlagen, wenn Partner und Freunde gestorben sind. Aber auch der Wechsel des Studienortes, der Verlust der Arbeit, Armut, der Auszug der Kinder, Trennung und Scheidung , die Tatsache, dass man alleinerziehend ist, oder sogar die eigentlich schöne Geburt eines Kindes können das bisherige Leben über den Haufen werfen. Einsamkeit könne alle Altersgruppen treffen. So schildern es Angelika Kemmler, die Ehrenamtsbeauftragte der Stadt, die Landauer Caritas-Chefin Elisabeth Traunmüller, Susanne Poerschke , Sozialreferentin der Pfarrei Mariä Himmelfahrt, Lilli Michel Sozialpädagogin vom Haus der Diakonie und Pfarrer Jürgen Leonhard von der Stiftskirche. Sie wollen gemeinsame Sache machen, um diese Einsamkeit zu vertreiben.
Dass sie mit ihren Plänen nicht allein auf weiter Flur sind, gehe auch aus der Strategie gegen Einsamkeit der Bundesregierung hervor, die im Februar 2022 ein Kompetenznetzwerk gegen Einsamkeit ins leben gerufen hat und bis Ende 2025 auf wissenschaftliche Daten zu dem Problem hofft. Angesiedelt ist das Thema beim Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend von Ministerin Lisa Paus (Grüne).
Nachbarschaften und Familienstrukturen weg
Einsamkeit ist ein ganz subjektives Gefühl, und sie kann physisch und psychisch krank machen, betont Traunmüller. Deshalb hätten auch manche Menschen während der Pandemie erklärt, lieber das Risiko eingehen zu wollen, als noch länger die vollkommene Isolation aushalten zu müssen. Auch wenn die Pandemie rum ist, gibt es Einsamkeit – auch deshalb, weil es die früheren intakten Nachbarschaften, aber auch die Mehrgenerationen-Familienstrukturen heute nicht mehr im selben Ausmaß gebe. Dem wollen die Landauer Initiatorinnen mit ihrem Projekt Türöffner begegnen, das nach Poerschkes Worten in der Diözese Osnabrück vor ein paar Jahren als Besuchsdienst gestartet ist. Hier soll es etwas anders aufgesetzt werden.
In Landau sollen Menschen zusammengebracht werden, möglichst mit dem Ziel, dass sich dauerhafte Bekannt- oder Freundschaften entwickeln. Wer sich einsam fühlt, soll sich selbst melden können, aber auch Einrichtungen wie zum Beispiel das Seniorenbüro können Menschen melden (mit deren Einverständnis), für die dann passgenaue Partner gefunden werden sollen. Das Ziel sind Tandems von Menschen, die sich über längere Zeit hinweg regelmäßig begegnen. Was sie gemeinsam machen, ist ihnen überlassen. Das könne vom Spazierengehen und Besuchen über Gespräche bis hin zu gemeinsamen Unternehmungen reichen.
Mit dem Problem nicht allein
Die Türöffner wollen ihre eigenen beruflichen Kontakte nutzen, aber über Kemmler und das Verzeichnis der Stadt auch in Vereine und Organisationen hineinhorchen, ob sich dort jemand findet, der die Interessen einsamer Menschen teilt und sie beispielsweise ins Vereinsleben einbinden kann. Es gebe immerhin mehr als 200 Gruppen und Vereine mit den unterschiedlichsten Zielrichtungen, so Kemmler.
Michel und Leonhard wissen allerdings, dass sich viele Menschen nicht eingestehen wollen, einsam zu sein, oder dass sie auch niemandem zur Last fallen wollen. Daher soll das Projekt Türöffner damit starten, dass an möglichst vielen Stellen bunte Postkarten mit dem Türenmotiv ausgelegt werden, um für Breitenwirkung zu sorgen und zu signalisieren: Du bist mit Deinem Problem nicht allein. „Wir wollen das Thema aus der Verschwiegenheit holen“, so Leonhard. Auf der Rückseite der Türen-Postkarte ist Poerschke als Erstkontakt genannt.
Anschließend wird ein anonymisiertes Profil derjenigen erstellt, die sich einsam fühlen, mit dem dann gezielt nach Gleichgesinnten gesucht wird – egal, ob das beim Literarischen Verein, in einem Chor, beim Sport, im Filmkreis oder anderen Gruppen gesucht wird. Zu einem ersten Treffen bietet der Initiativkreis Begleitung an.
Info
Ansprechpartnerin für „Wir öffnen Türen in Landau“ ist Susanne Poerschke, Telefon 0151 14879613, E-Mail susanne.poerschke@kirchelandau.de