Landau Freundschaften und Flaschenpfand

Die französischen und deutschen Schüler arbeiten gemeinsam an ihren Plakaten. Sprachbarrieren werden notfalls mit dem Google-Tra
Die französischen und deutschen Schüler arbeiten gemeinsam an ihren Plakaten. Sprachbarrieren werden notfalls mit dem Google-Translater überwunden.

Seit zwölf Jahren pflegt die Konrad-Adenauer-Realschule (Kars) die Partnerschaft zum Collège de Drulingen im Elsass. Vier Tage lang waren die französischen Schüler nun in Landau zu Gast. Dort haben sie den Unterricht, erkunden die Stadt und erarbeiten gemeinsam mit den Pfälzern ein Projekt zum Thema: „Werden wir alle Umweltbürger sein?“.

Am Donnerstagmorgen stand die zweite Mission der Projektarbeit an. Die Siebtklässer diskutierten in kleinen Gruppen auf deutsch und französisch mit Händen und Füßen und notfalls mit Google Translater. Es geht um Mülltrennung, Artenvielfalt, Erneuerbare Energien, verantwortungsvollen Konsum und Verkehrsmittel. Am Tag zuvor haben die Schüler die Unterschiede zwischen Deutschland und Frankreich recherchiert. Nun geht es darum, was die Nachbarländer voneinander lernen können. Die Gruppe, die sich mit verantwortungsvollem Konsum beschäftigt, hat einige Gemeinsamkeiten gefunden. So müssen Deutsche und Franzosen beim Einkaufen für Plastiktüten extra zahlen. Die Landauer Schülerin Alexandra hat trotzdem einen Tipp für die Nachbarn: „Man sollte das Pfandsystem für Plastikflaschen einführen. Das ist besser für die Umwelt, weil die sonst überall hingeworfen werden.“ Die Jugendlichen um die elsässische Schülerin Elise brüten über den Unterschieden zwischen deutscher und französischer Mülltrennung. In Frankreich gebe es eine große Tonne für nicht recycelbaren Müll und ansonsten blaue, grüne und orangene Säcke, so Elise. Bald stellt sich heraus, dass der orangene Sack in Frankreich dem gelben Sack in Deutschland entspricht. Die Landauerin Anay arbeitet mit ihrer Gruppe am Thema Verkehrsmittel: „In Deutschland haben wir mehr Radwege, aber in Frankreich gibt es dafür mehr Leihfahrräder“, berichtet die Schülerin von ihren Erkenntnissen. Ihr mache es großen Spaß, ihr Französisch auszuprobieren. „Aber das Schönste ist, dass ich eine neue Freundin gefunden habe“, sagt sie mit einem Blick zu ihrer französischen Banknachbarin. Genauso sieht das auch der Schulleiter der Konrad-Adenauer-Realschule, Manfred Schabowski: „Europa lebt durch Begegnungen!“ Die Begegnung der Schüler stehe daher im Mittelpunkt der Aktion, die Sprache sei eher Mittel zum Zweck. Damit die Schüler den Alltag der Nachbarn kennen lernen, schreiben sie sich schon seit Anfang des Schuljahres Briefe und E-Mails. Im September fahren die Landauer zum Gegenbesuch nach Drulingen. Lehrerin Marie-Louise Halm, die den Austausch 2005 ins Leben gerufen hat, ist überzeugt, dass Schulaustausche nach wie vor notwendig sind: „Vor 50, 60 Jahren haben Politiker für solche Programme gekämpft und jetzt müssen wir fürchten, dass Rechtspopulisten wie Marine Le Pen die ganze Arbeit ohne mit der Wimper zu zucken wieder rückgängig machen“, so die Pädagogin. Um das zu verhindern habe man die Schulpartnerschaft in den vergangenen Jahren ausgebaut. Anfänglich fanden nur Tagesbesuche auf dem Plan, inzwischen verbringen die Schüler gut drei Tage in den Gastfamilien und arbeiten an einem fächerübergreifenden Projekt. Schabowski könnte sich vorstellen den Austausch mit Blick auf das Angebot der technischen Fachoberschule künftig berufsorientiert zu gestalten. Dann könnten die Schüler in den Arbeitsalltag in Frankreich und Deutschland schnuppern. Aus versicherungstechnischen Gründen sei das aber vorerst noch Zukunftsmusik.

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