Landau RHEINPFALZ Plus Artikel Fahrrad-Lieferservice hat in Corona-Zeiten gut zu tun

ssen auf Rädern: Die Corona-Krise habe die Nachfrage nach dem Lieferdienst erhöht, sagt Tobias Schoppe.
ssen auf Rädern: Die Corona-Krise habe die Nachfrage nach dem Lieferdienst erhöht, sagt Tobias Schoppe.

Der Lieferservice Schoppe-Wellbrock bringt in Landau Essen, Bücher und Co. nach Hause – in der Corona-Krise echt praktisch für alle, die zu Hause bleiben sollten. Oder Angst haben, sich mit dem Virus beim Einkaufen zu infizieren. Unser Autor ist eine Runde mitgefahren. Und hat bei seiner Tour auch noch etwas über Klopapier gelernt.

Leere Straßen, Sonnenschein, Rückenwind – beste Voraussetzungen für eine Radtour durch Landau mit Tobias Schoppe. Er ist einer der beiden Jungunternehmer, die vor gut einem Jahr den ökologisch einwandfreien Lieferservice Schoppe-Wellbrock gegründet haben. Gummi-Mayer hat dem Unternehmen einen Teil seiner Lagerhalle im Nordring zur Verfügung gestellt. Dort parken nachts die beiden Lastenräder, Werbematerial und Güter, die nicht verderben können. Freitags ist es der Umschlagplatz für die Belieferung der Kunden mit dem Landauer Bier, das eigentlich in Siebeldingen gebraut wird. Das Landauer Bierprojekt ist einer von fünf Kooperationspartnern.

Ich will eine Morgentour mitfahren, um den Alltag eines Lieferservices in Corona-Zeiten kennenzulernen. Beim Radeln berichtet Schoppe, dass sie mittlerweile einen kleinen, aber festen Kundenstamm haben. Es sind überwiegend Menschen über 80, die dieses Angebot nutzen. Sie geben telefonisch ihre Bestellung durch. Heute hat Joshua Wellbrock Telefondienst. Über eine App werden die Bestellungen den Ausliefernden aufs Handy gespielt. „So kann der Kunde um 9 Uhr bestellen. Er hat seine Ware noch am selben Tag, wenn er es wünscht, auch schon am Mittag“, erklärt Schoppe.

Kooperation mit Kissel statt mit Aldi

Wir radeln vom Nordring in die Königstraße, biegen gleich in die Kram- und dann in die Waffenstraße ein. Unterwegs treffen wir Janis Wiora, der zweite aktive Fahrer heute. Lena Propst, die Vierte im Bunde, hat heute frei. Die Straße ist eng, das Lastenrad breit – hinter uns ist auch noch ein Bus, und es gibt keine Ausweich-Möglichkeit. Der Bus verfolgt uns über den Obertorplatz und in die Xylanderstraße. Schoppe fährt jetzt zügig, knapp Tempo 25 zeigt mein Tacho an. Auf flachen Straßen kann ich mithalten, aber den Bus im Nacken zu haben, finde ich schon etwas bedrohlich – doch Tobias Schoppe bleibt bei seinem Tempo und weicht nicht aus. „Der kann jetzt losfahren“, ruft er, als wir die Schlossstraße kreuzen und in die Cornichonstraße einbiegen. Gut, dass wenig Verkehr ist, denke ich, als wir am Knecht-Verlag halten.

Das Semester hat begonnen. Markus Knecht kennt die Standardliteratur für Umweltwissenschaften, Psychologie und andere Fächer. Einige Dozenten schicken ihm Listen von Büchern, die sie ihren Studierenden empfehlen. Bücher, die nicht immer sofort lieferbar sind. Knecht hat sie auf Lager. Ein Anruf, eine Mail oder Whatsapp-Nachricht genügt – und das Buch wird geliefert. Natürlich auch an andere, die Bücher bestellen wollen. Die Lieferung übernimmt Schoppe & Wellbrock. Fünf schwere Bücherpakete lädt Schoppe heute in sein Lastenrad. Das erste wird in die Weißenburger Straße geliefert. Für die Empfänger ist die Lieferung kostenlos. Die Kosten trägt Knecht.

Jetzt wird’s Zeit, denn zwei Kunden warten auf ihren Wocheneinkauf. Über die Zweibrücker Straße geht’s zur Westbahnstraße und zum Kissel-Markt „Nah und Gut“. Kissel hatte sich nach dem RHEINPFALZ-Artikel über die schwierige Kooperation mit Aldi bei den Jungunternehmern gemeldet und eine Vereinbarung geschlossen. Die Zusammenarbeit mit Aldi ist längst beendet, während die mit der Landauer Unternehmensgruppe Kissel kontinuierlich wächst. Der Lieferdienst hat eine Kundenkarte. Damit können die Lieferanten einkaufen. Einmal im Monat kommt dann eine Gesamtrechnung. „Das ist praktisch für die Buchführung und praktisch für den Alltag, denn wir müssen kein Geld mehr mit uns führen“, erläutert Schoppe die Vorteile.

Mittlerweile bestellen nicht nur alte Menschen

Schnell erledigt er die beiden Einkäufe. Er weiß, wo die gewünschten Waren stehen. Er kennt die Wünsche seiner Kunden. „In der Klopapier-Krise“, sagt Schoppe schmunzelnd, „hatten unsere Kunden einen Vorteil, denn wir bekamen in der Zeit, als es knapp war, immer noch Rollen für unsere Kunden zurückgelegt.“ Die Corona-Krise habe die Nachfrage nach dem Lieferdienst deutlich erhöht, berichtet Schoppe. Mittlerweile bestellen nicht nur hochbetagte Menschen, sondern viele Kunden, die allein leben und sich nicht mehr aus dem Haus trauen – aus Sorge, sich anzustecken.

Längst sitzen wir wieder im Sattel, radeln die Annweilerstraße hinauf zum Wernerswingert. Dort wird Schoppe schon erwartet. Die beiden Damen wollen kochen. Dann geht’s in die Stadt zurück. Vier Bücherpakete sind zu liefern. Die Empfänger wohnen verteilt über die Stadt in der Ostbahn- und Maximilianstraße, im Malerviertel und in der Elfenau. Jetzt radelt Schoppe zum vierten Kooperationspartner, zum Bio-Supermarkt Füllhorn im Ostring, um vorbestellte Waren an Kunden zu liefern. Der fünfte Partner, der Drogeriemarkt DM, hat an diesem Vormittag keine Aufträge. Während Schoppe sein Rad mit Bio-Gemüse belädt, radle ich nach Hause. Der Tacho zeigt 23 gefahrene Kilometer, als ich daheim vom Rad steige. Das Sportprogramm für heute ist also erledigt.

Info

Schoppe-Wellbrock nimmt Aufträge per Telefon unter 0170 9397287 oder per E-Mail an info@schoppe-wellbrock.com entgegen. In der Regel werden Lebensmittel am selben Tag geliefert. Internet: www.schoppe-wellbrock.com.

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