Landau RHEINPFALZ Plus Artikel Eltern sollen mit „Qualitätsbeiträgen“ Privatschule mitfinanzieren

Etwas mehr als 1000 Schülerinnen besuchen aktuell die Maria-Ward-Schule in Landau (vorne im Bild).
Etwas mehr als 1000 Schülerinnen besuchen aktuell die Maria-Ward-Schule in Landau (vorne im Bild).

Die Zukunft der Maria-Ward-Schule hängt jetzt auch von den Eltern ab. Die Kirche hat sie um monatliche Beiträge gebeten. Diese sollen die Qualität der Einrichtung sichern.

Die Nachricht sei noch relativ frisch, betonen Nina Stadler und Claudia Wilden. Auch für die beiden Elternbeiräte der Maria-Ward-Schule in Landau kommt das überraschend: Die Mütter und Väter der Schülerinnen werden demnächst um finanzielle Unterstützung gebeten. Da hätten sich bereits einige Fragen in der Elternschaft ergeben, die man im Austausch mit der Schule und dem Träger, dem Bistum Speyer, versuche zu klären. Etwa wie die Höhe des monatlichen als Qualitätsbeitrag bezeichneten Elternzuschusses errechnet wurde und wofür das Geld genau verwendet werden soll.

90 Euro – diesen Wert hatte das Bistum Speyer kürzlich für die Maria-Ward-Schule angekündigt. Das ist auch das, was nach Angaben der Schulelternbeiräte bei den Familien im Wesentlichen hängenbleibt. Mit der Folge, dass der Kontext untergehe: Der Qualitätsbeitrag ist nach Angaben des Bistums eine freiwillige Leistung. Die Eltern haben also die Wahl, ob sie die Einrichtung künftig mitfinanzieren möchten oder nicht. Auch was die Höhe des Betrags angeht, sind sie frei in ihrer Entscheidung. Sie können also selbst bestimmen, wie viel sie monatlich überweisen. Erhoben wird der Beitrag ab Sommer 2027, also ab dem übernächsten Schuljahr.

Bistum Speyer zieht mit Beiträgen nach

Die genannte Summe dient lediglich der Orientierung. Wobei sie nicht ohne Grund genannt wird. Der Betrag basiert auf einer internen Berechnung des Schulträgers, wonach 90 Euro pro Schülerin notwendig wären, um die bestehende Finanzierungslücke zu schließen. Denn wie eine Sprecherin des Bistums mitteilt, wird die Maria-Ward-Schule – wie alle staatlich anerkannten Ersatzschulen – zwar zu großen Teilen vom Land refinanziert. Doch weil man einen nicht unerheblichen Eigenanteil selbst tragen müsse und die Einnahmen aufgrund der rückläufigen Kirchenmitgliederzahlen abnehmen, brauche es neben den Spenden weitere Mittel, um die steigenden Kosten für Personal, Gebäude und Ausstattung stemmen zu können. Zahlen möchte das Bistum nicht nennen.

Der Gedanke des Bistums, die Finanzierung der Schulen über eine Solidargemeinschaft zu sichern, ist jedenfalls nicht neu. So bitten in der Pfalz, konkret in Speyer, die Nikolaus-von-Weis-Schule und die Edith-Stein-Schule der St. Dominikus Schulen GmbH um „freiwillige Elternbeiträge“. 2026 weitete die Gesellschaft diese Finanzierungssäule auch auf die St.-Katharina-Realschule in Landstuhl aus. Das Bistum Speyer zieht nun für die Maria-Ward-Schule und eine Einrichtung in Kaiserslautern nach.

Verpflichtende Schulgebühr ohnehin nicht möglich

Sowohl der Schulelternbeirat (SEB) der Maria-Ward-Schule als auch das Bistum Speyer betonen, dass die Reaktionen der Eltern unterschiedlich waren. Wobei Stadler und Wilden nach eigener Aussage niemand bekannt ist, der strikt gegen diese Änderung ist. Was wohl auch daran liegt, dass es keine verpflichtende Schulgebühr ist, die schon durch das Privatschulgesetz des Landes per se ausgeschlossen ist. viel Das Bistum betont, dass es aufgrund der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen viel Verständnis in den Reihen der Eltern gebe. Allerdings gibt es auch dazu kritische Anmerkungen. Etwa von Eltern, die mehrere Töchter auf der Mädchenschule haben und für die die finanzielle Belastung nicht unerheblich wäre. „Andere betonen, dass sie schon Kirchensteuer zahlen, weshalb sie nun eher zurückhaltend sind bei den Qualitätsbeiträgen“, so die SEB-Mitglieder.

Die größten Bedenken der Eltern hat das Bistum Speyer bereits ausgeräumt. Und zwar, dass der Geldbeutel der Eltern darüber entscheiden könnte, welche Kinder in der Maria-Ward-Schule aufgenommen werden. Auch würden die Beiträge keine Auswirkungen auf die schulische Laufbahn des Einzelnen haben. Den Eltern wird Anonymität zugesichert. „Weder Schulleitung noch Lehrkräfte wissen, wer einen Beitrag leistet und wer nicht – die Verwaltung läuft vollständig über das Bischöfliche Ordinariat in Speyer.“

Maria-Ward-Schule genießt einen guten Ruf

Auch stellt die Kirche klar, die Mittel nicht für andere Zwecke nutzen zu wollen, sondern „ausschließlich für die Qualitätssicherung an der jeweiligen Schule einzusetzen“. Gedacht seien sie unter anderem für das pädagogische Angebot sowie die Schulseelsorge und die Schulsozialarbeit.

An der Maria-Ward-Schule, die aus einem Gymnasium und einer Realschule besteht, werden aktuell 1119 Schülerinnen unterrichtet. Fakt ist, dass die Einrichtung seit Jahren eine hohe Nachfrage verzeichnet, sodass häufig mehr Anmeldungen als Plätze vorhanden sind. Das wundert die SEB-Mitglieder Stadler und Wilden nicht, die auch den auf Vertrauen und Partnerschaft basierenden Austausch mit dem Schulträger und der Schulleitung positiv hervorheben. Auch bei diesem Thema sei schnell auf ihre Fragen eingegangen worden, weitere Gespräche seien angedacht. Letztgenannte ist für die RHEINPFALZ in der Sache nicht persönlich zu erreichen, da die Kommunikation zu den Qualitätsbeiträgen zentral über Speyer gesteuert wird.

Protestanten stellen ihre Schule infrage

Nicht nur die katholische Kirche sieht sich nicht mehr imstande, ihre Schulen dauerhaft selbst zu finanzieren. Seit einem Jahr schwingt das Damoklesschwert auch über dem Trifelsgymnasium in Annweiler, das die einzige Schule der Evangelischen Kirche der Pfalz ist. Dort steht trotz nicht unerheblicher Einsparungen die Zukunft der Einrichtung auf dem Spiel. Mitte Juni soll in Speyer eine Entscheidung getroffen werden, wie es weitergeht.

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