Landau Eisern geworden, ohne zu rosten

Placeholder-Image

„Wir haben aus allem das Beste gemacht.“ So lautet das Lebensmotto von Ruth und Aribert Höfler nach 65 glücklichen Ehejahren.

Am Karsamstag 1949 haben sich die gebürtigen Landauer in der Kirche Heilig Kreuz ewige Treue geschworen. „Wir haben es geschafft, eisern zu werden, ohne zu rosten“, scherzt Aribert Höfler. Auch Ehefrau Ruth freut sich auf ein großes Fest mit der Familie sowie Freunden und Verwandten, die für die Feier zur Eisernen Hochzeit aus Köln und Frankfurt anreisen werden: „Wer weiß, wie lange wir das Leben noch so genießen können.“ Um für ein üppiges Festmahl 1949 die Zutaten kaufen und einen Alleinunterhalter für flotte Tanzmusik engagieren zu können, haben die Brautleute und die Brautmutter abends in Heimarbeit Fußmatten geknüpft, um zusätzliches Geld zu verdienen. Die Lebensbedingungen waren schwierig, dennoch blickt das Paar zufrieden zurück: „Wir haben uns nicht als arm empfunden.“ Tanzveranstaltungen in den Dörfern habe man mit einem großen Freundeskreis zu Fuß erreicht, dass es für jeden „nur“ ein Viertel Wein gab, habe dem Vergnügen keinen Abbruch getan. „Und am Wochenende wanderten wir durch den Pfälzerwald“, erinnert sich Aribert. Ehefrau Ruth hatte viele Jahre Spaß mit ihren Kegeldamen: „Wir haben nicht nur die Kugel geschoben, sondern auch viele Ausflüge zu befreundeten Clubs gemacht“, erinnert sie sich und zehrt noch immer von der Erinnerung an Reisen nach Wien und Paris. „Wenn wir nach einer Woche wieder zu Hause waren, haben wir unsere Männer, die sich um die Kinder kümmern mussten, als Dank zum Essen eingeladen.“ Mit der Familie war in den Sommerferien Camping-Urlaub in Italien, später Kuraufenthalte in Ungarn angesagt. Eine Kreuzfahrt von Genua über Marokko und die Karibik bis nach Amerika, wo das Paar noch ein paar Tage auf eigene Faust Miami erkundete, war 1991 der Höhepunkt gemeinsamer Reisen. Besonders für Aribert Höfler. Mit 14 Jahren hatte er in Köln eine Lehre zum Binnenschiffer absolviert, doch der Krieg beendete seinen Traum. Statt mit der Handelsmarine über die Meere zu schippern, zog er als 17-Jähriger mit der Hitlerjugend zur Panzerbrigade Westmark über den Rhein. Als am 16. März 1945 zwischen 14 und 18 Uhr vier Bombenhagel über Landau niedergingen, starben seine Eltern und drei seiner Geschwister unter dem Kreuzgang der Augustinerkirche. Die älteste Schwester war bereits im Februar bei einem Angriff auf die Lanz-Werke, die der Rüstung zuarbeiteten, ums Leben gekommen, der jüngere Bruder galt als vermisst. Nach der Heimkehr wieder in Landau gestrandet, heuerte Matrose Höfler als Ungelernter bei Gummi-Mayer an. Seiner Firma, die der jungen Familie ein Häuschen in der Lindelbrunnstraße vermietete, in dem das Paar immer noch wohnt, blieb Höfler insgesamt drei Chef-Generationen treu und ging im April 1987 als Abteilungsleiter in Pension. Bis 1955 die Tochter zur Welt kam, arbeitete Ehefrau Ruth bei Zigarren-Oppenauer in der Moltkestraße im Büro. Zehn Jahre hat das Paar die Oma gepflegt, die Enkelkinder betreut und kümmert sich nun um die zwei Jahre alte Urenkelin. „Nach überstandenen Krankheiten sind wir dankbar um jeden neuen Tag“, sagt Ruth Höfler. Im gesegneten Alter von 83 und 86 Jahren wird das Paar heute in der St. Albertkirche auf 65 Ehejahre zurückblicken und danach im großen Kreis mit der Familie und Freunden am Fuße des Pfälzerwaldes ein festliches Mahl genießen. Allein das Tanzen wird durch eine Wanderung ersetzt. (hps)

x