Landau Ein hinreißendes Mäuse-Spektakel: Kinder führen Musical auf

Alle 60 Kurrende-Kinder konnten beim Musical mitmachen.
Alle 60 Kurrende-Kinder konnten beim Musical mitmachen.

„Max und die Käsebande“ ist ein Klassiker unter den Kinder-Musicals. Die Kurrenden an der Landauer Stiftskirche haben das Stück auf die Bühne gebracht – fantasievoll und temporeich.

Im großen Saal – Foyer und Gartenzugänge inklusive – herrschte drangvolle Enge an diesem Sonntagnachmittag. Wahrscheinlich hätte man auch die Festhalle problemlos füllen können. Plätze auf Stühlen und Hockern waren rasch Mangelware, der geschwisterliche Fanclub indes hockte ohnehin auf dem Boden, dicht vor der Bühne. Und was da oben erst los war, im „Lande Käsien“ mit seinen Käsedelikatess-Läden rechter und linker Hand: Da hatten eben nämlich 60 wuselige Mäuse mit aufgepflanzten Ohren Position bezogen und verfolgten gespannt, was ihr Anführer Max (Johanna Schmidt) zu verkünden wusste. Das Mäusevölkchen sang munter, bevor es echt dramatisch wurde; unten im schwülen Saal herrschte gespanntes Aufmerken – die „Criminale“ konnte beginnen.

Viele Wochen haben die Proben zum Musical „Max und die Käsebande“ Susanne Roth-Schmidt, Leiterin der Kinderchöre an der Stiftskirche, Regisseurin Anna Maria Weiss, Korrepetitorin Anna Linß und nicht zuletzt die kleinen Akteure in Atem gehalten. Vor rund 20 Jahren wurde das Bühnenstück für Kinder von Peter Schindler uraufgeführt, und es zählt weiterhin zu den Bestsellern des Genres.

Es geht um Mut und Diversität

Um Mut geht es darin, um Solidarität, Gemeinschaftsgeist und Diversität; gegen Gleichschaltung und für Fantasie; und gegen Profitsucht, dafür Liebe zur eigenen Identität. Im Autorenteam mit Babette Dieterich und Christoph Mohr hat Peter Schindler diese Botschaften in einen pfiffigen, spannenden Plot gepackt. Und dazu herrliche Songs geschrieben, die wohl noch lange auch die Elternhäuser der Kleinen beschallen werden.

Das Wunderbare: Alle 60 Kurrende-Kinder konnten mitmachen, denn der Mäusechor und seine flotten Polonaisen mussten bevölkert werden. Und obendrein galt es, eine Vielzahl von Hauptrollen zu besetzen. Denn in Käsien, dem Land des Käse-Gourmets König Kurt (Josia Dächer), wird Käse vom Feinsten hergestellt. Europas Spitzenkäser geben sich dort sozusagen die Klinke in die Hand, Francois Camembert (Elsa Gravert) und Seppi Blauschimmel (Anna-Lena Hock), Jacky Chester (Hannah Barlang), Luigi Parmigiano (Marla von Beckerath), Antje Edamer (Luise Müller) und nicht zuletzt Molly Appenzell (Luise Roth), die den Käsekongress fachkundig leitet. Um beispielhaft nur einige der großartigen Solisten zu nennen.

Coaching eines Musical-Profis

Als der geldgierige Yogi Yoghurt (Leopold Seitz) zusammen mit Rolly Harzer (Florian Ademi) einen Putsch anzettelt, um künftig die Milchleute auszubeuten und mit einem billigen Einheitskäse großen Gewinn zu machen, verbünden sich Don Mascarpone, Chef der Milchbande (Noah Awokou-Obobih) und selbst die Polizei (Teresa Nicodemus und Konstantin Hirsch) mit dem mutigen Max und seiner unschlagbaren, im Käseklau geübten Mäusebande. Gegen die Gewinnsucht und für die Vielfalt.

Dank der auch finanziell unterstützenden Aktion „Erprobungsraum“ der Evangelischen Landeskirche konnten Susanne Roth-Schmidt und die auch in der Aufführung achtsam am Flügel begleitende Bezirkskantorin Anna Linß zusätzlich das Coaching einer professionellen Musical-Darstellerin in Anspruch nehmen. Zusätzlich waren die Eltern früh in die Abläufe eingebunden. Und halfen den Sprösslingen beim Kostüm- und Kulissenbau.

Immer wieder Szenenapplaus

„Es war vor allem wichtig, dass die kleinen Akteure lernten, früh ihr Textbuch aus der Hand zu legen“, erläuterte Anna Maria Weiss, „damit Mimik und Gestik sich entfalten konnten“. Sie hat schon mehrfach mit Kindern gearbeitet und weiß: „Manche spielen selbstvergessen, müssen ein bisschen kanalisiert werden, andere sind enorm schüchtern, und man muss sie ermutigen, ihr Selbstvertrauen stärken. Und: 90 Minuten Spieldauer – das will durchgehalten werden.“

Das klappte vorzüglich, auch mithilfe von Mikro, Headsets und der von Andreas Schmidt überwachten Technik. Und zwischen den Handlungssträngen, den teils sehr witzigen verbalen Schlagabtauschen, durfte die Mäusebande nach Herzenslust mit Polonaisen über die Bühne ziehen und die ohrwurmigen Hits aus der Käseküche in den Saal entlassen. Szenenapplaus gab es immer wieder und am Ende herrschte euphorische Begeisterung für die großartigen kleinen Akteure und ihre wunderbare Regie.

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