Landau Ehemaliger Pfarrer der Stiftskirche: Pionier der Reformation

Ein Festungsmodell der Stiftskirche, das im Stadtarchiv Landau zu sehen ist.
Ein Festungsmodell der Stiftskirche, das im Stadtarchiv Landau zu sehen ist.

Er gilt als Pionier der Reformation: Jannes Bader. 1518 wird er als Pfarrer an die Stiftskirche in Landau berufen. Und wegen seiner Kritik an der Kirche bleibt er in Erinnerung.

Die Stelle in Landau trat Johannes Bader 1520 nach einem Studium in Heidelberg an. Zwei Jahre später trat er bereits offen gegen die Missstände innerhalb der katholischen Kirche an. Es entstand eine neue religiöse Ausrichtung, die viele Anhänger fand – allen Widrigkeiten zum Trotz.

Landau hält zum Rebellen

Überzeugt von den Ideen Martin Luthers wird Johannes Bader auf Anlass des Speyerer Bischofs verklagt. Der Vorwurf: Das Ignorieren der kirchlichen Lehrmeinung sowie Lehre und Predigt von Gegenteiligem. Zudem schien man um das christliche Glaubensmonopol zu bangen. Bader ließ dieses Urteil nicht auf sich beruhen und protestierte. Letzten Endes bestand seine Strafe darin, nur noch das Evangelium predigen zu dürfen, sofern dies für einen Verfechter des Protestantismus eine Strafe darstellte. Denn ihm ging es ja eben darum, das Evangelium in seinem ursprünglichen Sinne zu predigen.

Johannes Bader prangerte in den Gottesdiensten immer und immer wieder die Missstände in der Kirche und in Landau an. Nach einigen Konflikten belegte man ihn 1524 mit dem Bann. Doch Bader wurde trotz seiner Gegner von der eigenen Stadt unterstützt: Landau hielt zu ihm und förderte die Reformation. Und das war gut für die Entwicklung der urbanen Strukturen in der Stadt. Denn kirchliche und religiöse Auffassungen sind grundlegende Teile einer Stadtbevölkerung. Sie stiften Identifikation und wirken untereinander verbindend. Nur durch Toleranz und Offenheit konnte Landau funktionieren.

Im Austausch mit bedeutenden Reformatoren

Neben der Gestaltung von reformatorischen Abendmahlsfeiern war der Reformator ein fleißiger Chronist. Sein katechetisches „Gesprächsbüchlein“ von 1526 war zeitlich sogar dem Katechismus Martin Luthers voraus. Johannes Bader verbrachte ebenso viel Zeit mit Briefeschreiben. Er pflegte ein großes soziales Netzwerk, das aus bedeutenden Reformatoren bestand. Eine davon war Katharina Zell aus Straßburg.

Frauenfiguren spielten in der Reformationsgeschichte nur selten eine Rolle, zumindest wird das durch die Quellen vermittelt. Jedoch muss auch die Gattin Johann Baders keine unwichtige Stellung in der Reformationssache eingenommen haben. Schließlich bekam sie nach dessen Tod am 16. August 1545 das Haus von der Stadt geschenkt. Und trotzdem stehen wir vor der misslichen Lage, nur in krisenbehafteten Situationen etwas über Frauen in der Geschichte zu erfahren.

Die Autorin

Katharina Slawik ist Mitarbeiterin des Landauer Stadtarchivs.

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