Kommentar RHEINPFALZ Plus Artikel Die Menschenwürde gilt absolut

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Das Netzwerk bekennender Christen stellt den Absolutheitsanspruch der Menschenwürde infrage.

Die Stellungnahme des Netzwerks bekennender Christen zu der Kontroverse zwischen Landaus Oberbürgermeister Dominik Geißler (CDU) und der Er-lebt-Gemeinde wegen der Homophobie ist nichts anderes als ein Skandal. Mit der Aussage, dass die Würde des Menschen sich in einem Gott wohlgefälligen Leben entfalte, stellt sich das Netzwerk bekennender Christen außerhalb des Grundgesetzes. Es ist eine Aussage, die die Mitglieder solch illustrer Organisationen wie der iranischen Revolutionsgarden oder des Islamischen Staats unterschreiben würden. Es ist Fundamentalismus. Es ist undemokratisch. Es ist, als hätte es die Aufklärung nie gegeben.

Die Menschenwürde gilt unabhängig davon, was die bekennenden Christen dazu sagen. Und das auch für Menschen, die nicht so leben, wie es die sieben Männer, die die Stellungnahme unterzeichnet haben, für richtig halten. Abgesehen davon: Nicht die zehn Gebote begründen unseren Staat, sondern unsere freiheitliche Verfassung.

Und nein, die Präambel des Grundgesetzes legt nicht nahe, dass man Gottes Willen entsprechend leben muss – oder wohl eher dem, auf was sich die bekennenden Christen als Gottes Willen geeinigt haben. Denn es gibt Glaubensgemeinschaften, die den Willen des Schöpfers anders sehen und anders auslegen. In der Präambel des Grundgesetzes heißt es nicht „in Verantwortung vor Gott“, wie uns das Netzwerk weismachen will, sondern „im Bewußtsein seiner Verantwortung vor Gott und den Menschen“ hat sich das Volk dieses Grundgesetz gegeben.

Der absolute Anspruch der Menschenwürde ist wohl die wichtigste Lehre aus der nationalsozialistischen Herrschaft überhaupt. Wir als Gesellschaft müssen ihn bewahren.

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