Landau Die heilende Kraft der Weihrauchtränen

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Weihnachtszeit ist Weihrauchzeit. Nicht nur in Kirchen, auch auf Christkindlmärkten und in den eigenen vier Wänden verbreitet der harzige Duft des Räucherwerks besondere Festtagsstimmung. In der Med Zen Apotheke in Landau aber hat Weihrauch das ganze Jahr über Saison. Als innerlich angewandtes Heilmittel gegen chronische Entzündungen verkauft Ludwig Trauth seine biblische Wunderwaffe rezeptfrei in vier Qualitäten.

„Wie kann etwas, das so gut wirkt, in Vergessenheit geraten?“ Ludwig Trauth, Inhaber der Apotheke im Med Zen in der Max-Planck-Straße 1 in Landau, kann die Versäumnisse seiner eigenen Zunft nicht verstehen. Wo doch die Heilwirkung des Weihrauchs (lateinisch: Olibanum) gegen zig Wehwechen und manche ernste Erkrankung seit Jahrtausenden bekannt sei, auch von Hildegard von Bingen geschätzt wurde und sogar Schwarz auf Weiß im Deutschen Arzneimittelbuch stehe. „Die Inder haben seine Wirkung nicht vergessen“, lobt der Fachmann und verweist auf die Ayurveda-Medizin, die Extrakte des Weihrauchharzes beispielsweise erfolgreich gegen chronische Bronchitis einsetze. Dabei sei der indische Weihrauch weniger wertvoll als sein arabisches Pendant, das über einen deutlich höheren Anteil an Boswelliasäure verfüge: Und genau darin liege des Pudels Kern. „Boswellia hat eine ähnlich entzündungshemmende Wirkung wie Kortison, ist aber völlig frei von Nebenwirkungen“, weiß der Apotheker und nennt eine ganze Liste „chronischer, nicht durch Bakterien ausgelöster“ Leiden, die man durch eine langfristige Behandlung mit Weihrauch lindern, wenn nicht gar heilen könne. Das rein pflanzliche Produkt helfe gegen Arthritis und Asthma, Rheuma und Morbus Chron, Sehnenscheidenentzündungen und Schuppenflechte, Leberzirrhose, ja sogar Multiple Sklerose und bestimmte Tumore. Seine wachsende Begeisterung für die Heilkraft des Weihrauchs hat den Apotheker schon vier Mal nach Äthiopien geführt. Die Araber nutzen das wertvolle Extrakt aus den knorrigen Stämmen der in wilder Natur wachsenden Boswelliabäume als desinfizierendes Räucherwerk gegen Hautallergien und Atemwegserkrankungen oder aber zum Kauen gegen Unwohlsein, hat er von der Äthiopierin Demekech Kefyalew gelernt. Sie ist 2014 mit nach Deutschland gekommen ist, um in der Apotheke eine Ausbildung zur Pharmazeutisch Kaufmännischen Assistentin zu machen. Hier lernt sie auch, die Weihrauchtränen zu duftendem Granulat oder Pulver zu verarbeiten. „Meine Mutter“, so lacht die junge Frau, „nimmt schon die Weihrauchtabletten, die ich selbst herstelle.“ Keine Firma der Welt werde Weihrauch als Medikament anmelden, beklagt Ludwig Trauth, weil man auf ein reines Naturprodukt ja kein Patent anmelden könne und sich deshalb der hohe finanzielle Aufwand für die Erfüllung der Zulassungsvoraussetzungen nicht lohne. Ein Paradox, dem Trauth mit eigenen, rezeptfreien Produkten entgegenwirkt. (ttg)

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