Landau „Die europäische Idee ist in Gefahr“
„Parteien können das momentan nicht lösen. Deshalb müssen parteiungebundene Bürger etwas tun.“ Dietmar Itt bringt es für die auch in Landau beheimatete Bürgerbewegung „Pulse of Europe“ (Der Puls Europas) sachlich auf den Punkt: Es gelte, der um sich greifenden Stimmung gegen Europa entgegenzutreten. Am Samstag, 5. Mai, setzen er und seine Mitstreiter ihren Weg pro Europa mit einer besonderen Aktion fort.
Am Stiftsplatz in Landau beginnt um 13 Uhr ein Stationenweg durch die Innenstadt für Menschen, die von der Idee Europa überzeugt sind und damit ein Zeichen setzen wollen. Ein Zeichen gegen aufkeimende nationalstaatliche Tendenzen wie in Ungarn, Italien, Frankreich, Polen oder Großbritannien. „Es geht um eine europäische Identität (...) In Vielfalt vereint, das muss Europa sein“, heißt es denn auch in der Presseerklärung der Bürgerbewegung, die 2016 in Frankfurt aus der Taufe gehoben wurde und im vergangenen Jahr in Landau einen Ableger bekommen hat. Nicht länger als eine Stunde soll die Veranstaltung dauern, wie Itt, Corina Coordes und Jürgen Leonhard, Pfarrer der Stiftskirchengemeinde, im Pressegespräch erläutern. Die Teilnehmer treffen an fünf Stationen auf Menschen, die für Europa und damit auch für 70 Jahre Frieden stehen. So werden Senioren aus der eigenen Erinnerung erzählen, wie Bomben im Zweiten Weltkrieg auf die Südpfalz fielen. Schüler des Otto-Hahn-Gymnasiums werden von ihren von der Europäischen Union finanzierten Bildungsangeboten berichten. Unternehmen und damit auch Ausbildungsbetriebe werden vertreten sein und über ihre europäische Vernetzung informieren, kündigt Coordes an. Gegen 14 Uhr ist der Abschluss auf dem Start- und Zielpunkt, dem Stiftskirchenplatz, geplant, wo der Landauer Alt-Oberbürgermeister Christof Wolff reden wird. Ein Politiker bei einer überparteilichen Bewegung? „Pulse-of-Europe“-Aktiver Itt spricht es selbst an: Auf Zeit gewählte Beamte sind für die Bewegung kein Problem. Ein Problem für ihn ist etwas ganz anderes: „Ich sehe eine Chance in Gefahr.“ Das ist die Europäische Idee. Das Überwinden von Grenzen. Die Begegnung von Menschen. Er selbst erlebe Europa ständig, sei fast wöchentlich in anderen Ländern unterwegs. Mitstreiter Pfarrer Leonard pflichtet Itt bei: Mit der Veranstaltung am 5. Mai wolle man dazu beitragen, bei den Menschen wieder das Bewusstsein zu wecken „was Europa alles für uns tut.“ Coordes, Itt und Leonhard führen es mit einfachen Beispielen aus dem Alltag vor Augen, wie Europa schon längst für viele so selbstverständlich geworden ist, dass es gar nicht mehr wahrgenommen wird: bei der Abschaffung der Roaminggebühren oder des Geoblockings beim Mobil-Telefonieren. Es gibt in der EU mit der 112 eine einheitliche Notrufnummer. Und dann ist da noch der Euro. Coordes erzählt, wie sie einst im elsässischen Weißenburg nicht zur Tasse Kaffee hat einkehren können, weil sie vergessen hatte, an der Grenze Geld zu wechseln. Info Aktionstag „Follow Europe: – Geh nach vorn!“ am Samstag, 5. Mai; Start um 13 Uhr auf dem Stiftskirchenplatz für den Stationenweg, Ende gegen 14 Uhr am Ausgangspunkt. Dazu gibt es vorab schon Infostände an den Samstagen 21. und 28. April, 9 bis 13 Uhr auf dem Landauer Rathausplatz.