Serie „Mittagstisch“ RHEINPFALZ Plus Artikel Dösen: Urbanes Deli von den Machern von Suppe mag Brot

Ob junge Familien, Studenten oder Geschäftsleute – das Publikum im Dösen ist bunt gemischt.
Ob junge Familien, Studenten oder Geschäftsleute – das Publikum im Dösen ist bunt gemischt.

Wo gib es mittags jenseits von Bäcker und Imbiss etwas zu essen, das kein allzu großes Loch in den Geldbeutel reißt? In unserer neuen Serie stellen wir heute das Landauer Bistro Dösen vor, das Großstadtflair in die Südpfalz holt und Gemüse zum Star macht.

Ich gestehe es gleich vorweg: Mein Mittagessen kommt meist aus der Tupperdose und wird zwischen Telefon, Schreibblock und Tastatur vertilgt. Mittagspäuschen im Lokal um die Ecke – nicht so mein Fall. Für Veganer wie mich ist es nun mal immer noch nicht so leicht, überall etwas Passendes zu finden. Wobei Landau – wohl auch wegen des studentischen Lebens – da schon ein kulinarisches Traumland auf der Landkarte ist. Hier finden sich etliche Anlaufstellen für Freunde des Pflanzenkost. Einen Mittagstisch – also ein wechselndes Speisenangebot zu moderatem Preis – bietet neben dem im Sommer eröffneten Velo in den Uferschen Höfen auch das Dösen auf dem LGS-Gelände an. Also bleibt die Tupperdose heute im Schrank, und ich mache mich auf den Weg zum Südpark.

Als berufsneugieriger Mensch habe ich natürlich am Morgen schon mal im Internet gelunst, was mich in dieser Woche erwarten wird. Auf der Homepage findet sich neben der allgemeinen Speisekarte nämlich auch das wöchentliche Mittagstisch-Angebot. Und wer keine Zeit für einen Restaurantbesuch hat, kann sich im Online-Shop auch sein Wunschgericht zur Abholung vorbestellen. Das steht dann termingerecht bereit, ohne Schlangestehen, verspricht das Dösen-Team. Etwa 10 bis 15 Prozent der Mittagsgäste kämen auf dieses Angebot zurück, überschlägt Jörn Weisenberger, der zusammen mit Andreas Becker der Kopf des Dösen ist. Die Essbar haben die beiden im Sommer 2022 eröffnet – nur wenige Gehminuten von ihrer Suppenbar entfernt. Genau, die beiden sind auch die Macher von Suppe mag Brot.

Dösen als „urbanes Deli“ der Südpfalz

Während in dem kleinen Suppenlokal das Speisenangebot täglich wechselt und sich zur Mittagszeit Schlag auf Schlag hungrige Mäuler mit gefüllten Mehrweg-Behältnissen wieder auf den Weg machen, geht’s im Dösen – der Name ist Programm – ruhiger zu. „Die meisten wollen sich dort in Ruhe hinsetzen“, ist die Beobachtung von Weisenberger. Das offene, lichtdurchflutete Bistro, dessen Einrichtung von Holz und hellen Naturtönen geprägt ist, lädt zum Verweilen ein. Und aufgrund des ebenerdigen Zugangs und der großzügigen Raumgestaltung sei es besonders auch bei jungen Familien mit Kinderwagen beliebt.

Ja, das Gequietsche der kleinen Racker höre ich schon beim Betreten. Aber auch Pärchen, Gruppen von Freunden, Studenten und Anzugträger bevölkern das „urbane Deli“, wie es Weisenberger gerne bezeichnet. „Zu uns kommt das komplette Spektrum. Eine schöne Mischung, und das ist auch unser Plan“, so der Geschäftsführer. Das Dösen versprüht Großstadtfeeling. Hier schwingt eine ordentliche Portion Prenzlauer-Berg-Lebensgefühl mit. Das merkt man spätestens, wenn man vorm Limo-Kühlschrank steht und die Wahl schwer fällt zwischen „Sophisticated Soda“ in Estragon-Ingwer oder Club Mate mit Granatapfel. Meine fällt letztendlich auf Pflaume-Kardamom. Aber jetzt zurück zum Essen.

Vegan und Unverträglichkeiten: Kein Problem

Heute Morgen bei der Online-Vorabrecherche hat mich auf der Mittagstisch-Karte neben vier Veggie-Optionen als veganes Angebot Bulgogi angelacht. Noch nie gehört. Die Beschreibung verspricht aber „ein koreanisches Gericht mit Reis, pikantem Tofu-Pilz-Hack, würzigem Karottensalat und Erdnuss-Limetten-Sauce“. Vor Ort erfahre ich allerdings, dass jenes Asia-Schmankerl dauerhaft auf der Karte ist. Nur drei der Gerichte seien tatsächlich Mittagstisch-Angebote. Bin ich als reiner Pflanzenköstler nun doch aufgeschmissen?

Aktuell gibt’s einen Herbstbowl mit Couscous, karamellisiertem Rosenkohl , Rucola, Orangen-Senf-Dressing und in der veganen Vari
Aktuell gibt’s einen Herbstbowl mit Couscous, karamellisiertem Rosenkohl , Rucola, Orangen-Senf-Dressing und in der veganen Variante Grillgemüse statt Kürbis-Feta-Topping.

Nein, natürlich nicht. Das Dösen-Team ist mega-flexibel. Hier stellt man sich ganz unkompliziert auf alle Ernährungseinstellungen oder Unverträglichkeiten ein. Das klappt, weil alle Zutaten in der Küche vorbereitet werden und dann in einzelnen Gefäßen im gläsernen Anrichtebereich darauf warten, frisch und passgenau zum Kundenwunsch zusammengestellt zu werden. Meine Wahl fällt auf den Herbstbowl mit Couscous, karamellisiertem Rosenkohl, Rucola und – statt Kürbis-Feta-Topping – gegrilltem Gemüse. Und: Ich muss das jetzt mal separat erwähnen, einem wirklich unglaublich aromatischen und frischen Orangen-Senf-Dressing. Noch einen Unterschied hat der Chef zwischen den beiden Bars bemerkt, den er selbst ganz interessant findet: Vegan sei in Suppe mag Brot ein großes Thema. „Das ist dort sehr nachgefragt. Im Dösen ist die Relevanz dagegen nicht so groß.“ Dort bestellten die meisten vegetarische Gerichte und auch mal mit Fleisch.

Saisonal angepasster Mittagstisch

Den Mittagstisch hatte das Dösen schon ein, zwei Monate nach seiner Eröffnung eingeführt. Mittags sei immer viel los, und die Kunden hätten sich ein zusätzliches Angebot gewünscht, erinnert sich Weisenberger, der schätzt, dass 20 bis 40 solcher Gerichte pro Tag über die Theke gehen. Das Angebot wechsele wöchentlich und werde meist im Laufe der Woche an die Kundennachfrage angepasst. Jetzt im Herbst dominieren etwa Kürbis und Kohl. Der Mittagstisch bringt Vielfalt auf die Karte. Um ehrlich zu sein, einen preislichen Unterschied machen die Gerichte jedoch nicht aus. Im Dösen bewegen sich alle Hauptgerichte zwischen 10 und 14 Euro.

Offener Anrichtebereich: Hier können die Gäste sehen, was in ihre Schüsseln kommt.
Offener Anrichtebereich: Hier können die Gäste sehen, was in ihre Schüsseln kommt.

Während ein Grillchampignon auf Couscous in meinen Mund wandert, checke ich nebenbei noch die Redaktionsmails und whatsappe mit unserer Fotografin. Da bin ich nicht die einzige. Etliche nutzten das Dösen auch als Coworking Space, also als eine temporäre Arbeitsstätte, berichtet Weisenberger. Dafür stünden freies W-Lan, Steckerleisten und USB-Slots zur Verfügung. „Das gehört heutzutage einfach dazu“, findet er.

Dösen bei Foodtrucks auf Rathausplatz dabei

Übrigens: Wem der Weg bis in die Südstadt zu weit ist, der findet die geballte kulinarische Vielfalt von Dösen und Suppe mag Brot immer donnerstags von 11.30 bis 14 Uhr auch auf dem Rathausplatz. Dann verwandelt sich der Platz um den Luitpold zu einer Foodtruck-Flaniermeile von vier Südpfälzer Gastronomen. Den großen blauen Suppe-mag-Brot-Anhänger hatten sich Weisenberger und sein Geschäftspartner noch in der Corona-Zeit angeschafft. „Wir haben uns gedacht: Man weiß nicht, was noch kommt. Da müssen wir uns breiter aufstellen.“ Anfangs sei der Zulauf zum „To go“-Essen vom Truck sehr gut gewesen, in letzter Zeit habe die Nachfrage jedoch nachgelassen. „Wir wissen noch nicht warum.“ Aber bis zum Nikolausmarkt bleibt noch Zeit, sich in der Innenstadt durch die saisonalen Mittagsgerichte zu schlemmen.

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