Kreis Südliche Weinstraße RHEINPFALZ Plus Artikel „Birdrace“: Warum sich Vogelverrückte in aller Frühe auf den Weg in die Natur machen

Anja Betzin, Xenia Volk und Sandra Panienka (von links) freuen sich darüber, dass sie eine weitere Vogelart entdeckt haben.
Anja Betzin, Xenia Volk und Sandra Panienka (von links) freuen sich darüber, dass sie eine weitere Vogelart entdeckt haben.

Was bewegt drei junge Damen dazu, um fünf Uhr den knapp 574 Meter hoch gelegenen Gebirgspass Lolosruhe anzusteuern? Das „Birdrace“. Das verbirgt sich hinter dem Begriff.

Tatsächlich treten beim „Birdrace“ nicht die Vögel gegeneinander an, sondern die Beobachter „rennen“ hinter diesen her, beobachten und erkennen sie im Idealfall. In ganz Deutschland waren dazu am Samstag mehr als 1700 Menschen in Landkreisen und Städten unterwegs. Im Kreis Südliche Weinstraße bildeten Xenia Volk aus Offenbach, Sandra Panienka aus Dossenheim bei Heidelberg und Anja Betzin aus Ramberg eine Mannschaft. Sie starteten als „Elwetritsche-Suchteam“.

Das „Birdrace“ richtet sich ausdrücklich an alle an der Vogelwelt Interessierten, egal welchen Alters und mit welchem Kenntnisstand. Gerade Anfängerinnen und Anfänger können dabei eine erstaunliche Anzahl an Arten entdecken. Als Hilfsmittel dürfen Ferngläser und optische Geräte eingesetzt werden. Nicht erlaubt sind technische Hilfsmittel zum Anlocken und das Fangen von Vögeln.

Bis neun Uhr schon 48 Vogelarten erkannt

Wie immer wurden die während des „Birdrace“ gemachten Beobachtungen an den Dachverband Deutscher Avifaunisten (DDA) gemeldet. Der DDA ist der Verband der ornithologischen Fachverbände in Deutschland sowie zahlreicher regionaler oder lokaler Vereine oder Organisationen. Zwar steht der Spaß im Vordergrund, aber mit dem „Birdrace“ wollen die Initiatoren auch auf den Rückgang vieler Vogelarten aufmerksam machen. Es ist auch ein Spendenrennen: In diesem Jahr kommen die Einnahmen dem Gemeinschaftsprojekt „Adebar 2“, der Neuauflage des „Atlas Deutscher Brutvogelarten“, zugute.

Bis zur Zwischenstation am Glockenbrunnen in Weyher hatte das „Elwetritsche-Suchteam“ um neun Uhr am Samstag schon 48 Vogelarten bestimmt. „Im letzten Jahr stellten wir insgesamt 86 Arten fest. Unser Ziel ist es, diese Zahl zu übertreffen und möglichst mehr als 90 Arten zu finden“, erklärte Sandra Panienka, die in Heidelberg bei der Unteren Naturschutzbehörde arbeitet.

Kolkraben über den Weinbergen

„Hier im Kreis Südliche Weinstraße gibt es weniger Arten als in anderen Landkreisen. 86 Arten klingt auf den ersten Blick recht viel, aber dem ist nicht wirklich so. Im Kreis Germersheim kommt man locker auf deutlich über hundert Arten“, berichtete die Umwelt- und Landschaftsplanerin Xenia Volk aus Offenbach. Grund dafür ist, dass es im Kreis Südliche Weinstraße weniger Gewässer und schon gar keine größeren Seen gibt, an denen sich Vögel gerne tummeln.

„Das ,Birdrace’ ist ein Tag, an dem in ganz Deutschland Teams aus Vogelverrückten losziehen, um in 24 Stunden so viele Vogelarten wie möglich in einem Landkreis zu entdecken“, sagte die Biologin Anja Betzin, die seit vier Jahren in Ramberg lebt. So konnte das „Elwetritsche-Suchteam“ mit seinen Ferngläsern einen Kolkraben beobachten, der über den Weinbergen am Glockenbrunnen kreiste. Auch die Offenbacher Queichwiesen, die Göcklinger Tongrube, das Billigheimer Bruch und den Bienwald durchstreiften die Expertinnen.

Am Nachmittag sind Vögel ruhiger

Bis 22 Uhr war das Team unterwegs und hatte am Ende des Tages sage und schreibe 95 Vogelarten registriert, darunter den seltenen Schwarzstorch, den die Frauen in der Nähe von Gommersheim zu Gesicht bekamen. „Das war ein absolutes Highlight des Tages“, sagte Anja Betzin am Sonntagmorgen.

Warum aber startet die Exkursion schon morgens kurz vor fünf Uhr? „In den frühen Morgen- und Vormittagsstunden hört und sieht man immer recht viele verschiedene Vögel. In der Mittagszeit und am Nachmittag verhalten sich die Vögel deutlich ruhiger, sodass folglich in dieser Zeit weniger Vogellaute an die Ohren der Menschen dringen“, berichteten die Vogelkundlerinnen. Oben an der Lolosruhe konnten sie unter anderem einen Waldkauz und einen Fichtenkranzschnabel hören. Nach eigener Aussage kennen die drei Vogelkundlerinnen alle im Kreisgebiet vorkommenden Vogelarten. Die meisten bestimmen sie eher nach der Stimme als nach dem Aussehen. Denn viele Arten bekommt man gar nicht zu Gesicht.

„Es macht Spaß und ist ein cooles Event. In mir erweckt es den Jagdtrieb“, erklärte Xenia Volk lachend den Grund, warum sie mit ihren Mitstreiterinnen am „Birdrace“ teilnimmt. Eine der Hoffnungen des Teams erfüllte sich allerdings auch dieses Mal nicht – nämlich die, endlich einmal eine lebendige Elwetritsche zu finden.

Info

birdrace.dda-web.de

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