Landau Als Geklapper zum Alltagsbild gehörte

Der Hauensteiner Altmeister Herbert Johann ist der Einzige, der das ratternde Ungetüm der historischen Hauensteiner Holzschuhmas
Der Hauensteiner Altmeister Herbert Johann ist der Einzige, der das ratternde Ungetüm der historischen Hauensteiner Holzschuhmaschine noch bedienen kann.

Von den Hauensteiner sagt man ja, sie hätten mehr als 100 Jahre Leder in den Adern gehabt, mit Holzschuhfertigung hätten die „Häschdner“ jedoch kaum etwas am Hut. Und dennoch kennt jeder von den älteren Hauensteinern noch den „Holschuh-Hannes“. Johannes Kirsch hat in der Kaiserstraße in großen Stückzahlen Pantoletten gemacht, die sowohl Holz- als auch Lederschuhe waren: Der Unterbau war aus dicken Holzsohlen, darüber kam eine Lederkonstruktion in Riemen oder ganzen Teilen. In früheren Zeiten war der Besitz von Lederschuhen ein kostbarer Schatz, den man an die Mitglieder einer Familie weitergab. Man ist in allen Dörfern bis Ende September nur barfuß gelaufen, und im Winter ging es mit Holzschuhen in die Schule. „Lederschuhe waren reiner Luxus, ganz abgesehen von der Nachkriegszeit, wo es noch schlimmer war“, erzählte der in der Südpfalz und in der Schuhregion um Hauenstein bekannte, verstorbene Heimatkundler Hans Ehrhardt aus Stein. Auch Paula Braun, geborene Albert, aus Silz, berichtete damals, dass „bei uns in den Dörfern alle Holzschuhe getragen haben“. Fest steht, dass bis in die ersten Nachkriegsjahre Holzschuhe auf dem Land von früh morgens bis spät abends auf demn gepflasterten Dorfgassen mit ihrem Geklapper zum Alltagsbild gehört haben. Nicht wegzudenken war auch der Holzschuhmacher. Einem alten vergilbten Zeitungsausschnitt ist zu entnehmen, dass der damals 75-jährige Edmund Müller aus Hatzenbühl im Jahre 1954 der letzte praktizierende, gewerblich tätige Holzschuhmacher der Pfalz gewesen ist. Er war der typische Meister seines Fachs, der täglich rund fünf Paar „Schuhe des kleinen Mannes“ fertigte. Dem Bericht ist auch zu entnehmen, dass es um 1910 noch rund 123 Holzschuhhandwerker zwischen Rhein und Saar gab. Die älteren Pfälzer erinnern sich noch, dass die Holzschuhe für viele Familien die einzige Schuhbekleidung waren, die Kinder selbst „schepperten“ viele Generationen lang in die Schule. Aber auch hierzu eine schulhistorische Fundstelle: Die rheinland-pfälzische Landesregierung hat erst 1955 den Schulkindern per schulaufsichtlichem Erlass untersagt, die öffentlichen Schulen mit Holzschuhen zu betreten ..... Da ist doch noch die lustige Geschichte, von den Holzschuhen aus dem Jahr 1948, die Paul Keller aus Rhodt vor Jahren bei einem Besuch in Hauenstein erzählte: „Ich hatte einige Jahre die Holzschuhe total aus dem Auge verloren und als ich sie nach Jahren wieder anziehen wollte, stellte ich voller Überraschung fest, dass darin eine Mäusefamilie ihre Behausung suchte“ Die Hauensteiner Museumsverantwortlichen hatten bereits Mitte der 90er Jahre bei den „Sabotiers Bressans“ – nur 100 Kilometer östlich der Hauensteiner Partnerstadt Chauffailles gelegen – dafür sorgen können, dass die Hauensteiner eine historisch-authentische Holzschuhmaschine erwerben konnten. Der Museumsleiter fuggerte damals dieses Ungetüm den sympathischen französischen Holzschuhmachern für ein Paar „Sous“ ab, und schepperte sie im Anhänger in die Pfalz, in der Hoffnung, dass sich jemand finde, der das Ganze zusammenbaut. Jahrelang lagen die Teile im großen Maschinenfundus des Museums, bis Herbert Johann, ein altgedienter Schuhtechniker und Tüftler, sich anbot: „Ich bau’ das Ding zusammen“. So wurde unter freundlicher Mithilfe des Maschinenexperten Wolfgang Glaser das schwarze Ungetüm zusammengebaut und begeisterte immer wieder bei Aktionstagen Tausende Besucher.

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