Voltigieren
Steverding-Abschied: Alle Mädchenträume haben sich erfüllt
Als nach der Siegerehrung der Einzelkonkurrenzen der Pfalzmeisterschaft Fotos und Filmschnipsel auf der Leinwand in der Zeiskamer Reithalle zu sehen waren, zeigten die Protagonisten Emotionen. Szenen aus der erfolgreichen Karriere von Hannah Steverding, darunter der Gewinn der Europameisterschaft 2023 und der Weltmeisterschaft 2024 mit dem Team Norka, aber auch die Einzel-Bronzemedaille bei der deutschen Meisterschaft 2019 nebst Videoeinspielungen von Wegbegleitern, das rührte. Und so wechselten sich nicht nur bei Hannah Steverding, ihrer Longenführerin Sophie Kuhn und Pferdemanagerin Eva Steverding Lachen und Tränen ab.
Die ehemalige Bundestrainerin Ulla Ramge grüßte zum Abschied per Videobotschaft. Auch Doris Marquardt, Longenführerin von Cyrano, auf dem Steverding 2016 bei der Junioren-EM Bronze gewann, und Alexandra Dietrich, die Longenführerin des Teams Mainz-Ebersheim, mit dem Steverding 2016 EM-Silber gewann, wurden eingeblendet. Die Bad Dürkheimerin Lara Thiel, einige Jahre Mitglied im Team Steverding, hatte den Film zusammengestellt, in dem auch Marie-Christin Knobloch zu Wort kam, die erste Trainerin von Hannah Steverding.
Bundestrainer Kai Vorberg, eigens zur Verabschiedung aus Warendorf angereist, würdigte die Karriere von Hannah Steverding und ihrer Longenführerin, Trainerin und Freundin Sophie Kuhn, die untrennbar mit Herzenspferd Royal Flash verbunden ist. „Ihr habt euch aufgemacht aus einem kleinen Dorf in die große Welt und eine grandiose Karriere erlebt“, sagte er. „Und es ist auch nicht selbstverständlich, dass euch das Royal Flash über die Jahre ermöglicht hat“, ergänzte er mit Blick auf den vierbeinigen Sportpartner, der acht Jahre lang zuverlässiger Partner war. Steverding seien Fairness und Kameradschaftlichkeit immer ganz wichtig gewesen, betonte Vorberg. Es sei etwas Besonderes, solche Erfolge zu feiern, wenn man nicht aus einem Voltigier-Traditionsbetrieb wie Köln, Neuss-Grimlinghausen, Ingelsberg oder Fredenbeck komme. Steverding und Kuhn hätten sich ihren Mädchentraum erfüllt und „alles erreicht, was man sich erträumen kann“, sagte der Bundestrainer.
Steverding startete am Samstag als letzte Teilnehmerin der Einzelkonkurrenz, am Zirkelauslauf hatten sich zahlreiche Herxheimer Voltigierer versammelt, schwenkten ein Transparent mit „Tschüss Hannah“ und feuerten ihr Vorbild lautstark an. Noch einmal drehte Steverding eine Pflichtrunde, ein letztes Mal zeigte sie ihre Kür zum Thema Sophie Scholl, mit der sie im Jahr 2019 so erfolgreich war. Zwei kleine Wackler gab es, den letzten Titel ihrer Karriere sicherte sie sich trotzdem souverän. Als sie mit Kuhn und Royal Flash aus dem Zirkel lief, gab es stehende Ovationen. Die Herxheimer Voltigierer bildeten ein Spalier und schrien und jubelten, bis sie heiser waren. Schon am Morgen hatten sie den Stall in Herxheim geschmückt und für eine große Überraschung gesorgt.
Außerhalb des Zirkels warteten die Familie, Freunde, Wegbegleiter und eine Delegation des Voltigiervereins Köln-Dünnwald. Bela Lehnen, aktuell U21-Vizeweltmeister und Europameister mit dem Team Norka, der Vereinsvorsitzende Patric Looser, 2010 Einzelweltmeister vor Kai Vorberg, und Longenführerin Sarah Krauß waren aus Köln angereist, um mit Steverding Abschied zu feiern. Looser hatte eine große Urkunde dabei, Steverding wurde zum lebenslangen Mitglied des Voltigiervereins Köln-Dünnwald ernannt. Nachdem alle Foto-, Interview- und Autogrammwünsche erfüllt waren, feierte die Steverding-Runde eine kleine Party am Pferdeanhänger auf dem Parkplatz.
Ab Oktober in Innsbruck
„Es war überwältigend, wie viele Leute gekommen sind, gefühlt waren alle vom Verein da“, sagte Hannah Steverding gerührt. Und beinahe wäre es ihr zu viel geworden. „Ich mag es nicht, im Mittelpunkt zu stehen“, bemerkte sie. Trotz des Trubels fand sie den Abschied „sehr, sehr schön“. Steverding verabschiedete sich nicht nur vom aktiven Voltigieren, sie wird auch die Südpfalz verlassen. „Ich bin ab Oktober in Innsbruck, dort werde ich meinen Master in Sportwissenschaften machen“, erzählte die 26-Jährige. „Innsbruck ist eine schöne Stadt, umgeben von Bergen, ideal fürs Skifahren“, begründete sie die Wahl. Steverding liebt die Berge, das Skifahren und das Skiwandern.