Fußball
„Sofort angefixt“: Wie Walking Football die Gesundheit verbessern soll
Fußball in langsamer, aber dennoch mit hohem Anspruch und Niveau, das verspricht Walking Football – und es gibt gesundheitliche Vorteile.
Sieben Mannschaften aus drei Bundesländern bewerben sich am kommenden Samstag ab 10 Uhr um die Trophäe beim 3. Walking-Football-Turnier des 1. FC Lustadt. Neben den Lokalmatadoren, dem ASV Waldsee und dem Team Südpfalz, reisen der FV 03 Ladenburg und die SG Bürstadt/Bobstadt aus Hessen an, aus Baden-Württemberg kommt mit der SpVgg 06 Ketsch der Heimatverein von Uli Stielike.
FCK mit Torwartikone beim Turnier dabei
Das prominenteste Team ist die Truppe des 1. FC Kaiserslautern. Galionsfigur der Roten Teufel ist Torwartikone und Ex-Trainer Sepp Stabel. Das 77-jährige Ehrenratsmitglied erzählt: „Ich konnte wegen chronischer Schulterschmerzen kein Tennis mehr spielen. Dann habe ich mal beim Training auf dem Fröhnerhof vorbeigeschaut und war sofort angefixt.“
Walking Football wurde 2011 beim englischen Club FC Chesterfield aus der Taufe gehoben und kam vor knapp einem Jahrzehnt nach Deutschland. Der anfangs belächelte Fußball im Gehen hat sich zu einer nachhaltigen Breitensportart entwickelt. Fast alle Bundesligisten haben eine eigene Abteilung, einige wie Borussia Dortmund mussten wegen des riesigen Zulaufs sogar einen Aufnahmestopp verhängen.
Mehrere Vereine in der Südpfalz
Im Bereich des Südwestdeutschen Fußballverbands (SWFV) jagen rund 900 Sportbegeisterte in 60 Vereinen und Gruppen dem runden Leder im Gehen nach. In der Südpfalz gibt es neben Lustadt noch Teams in Herxheimweyher, Rheinzabern und Eschbach mit rund 70 Aktiven.
Das für Breitensport zuständige SWFV-Präsidiumsmitglied Matthias Belzer (Münchweiler) berichtet nicht ohne Stolz: „Das anfänglich zarte Pflänzchen hat schon viele Brücken geschlagen. Menschen mit Beeinträchtigung können unabhängig von Alter, Gewicht oder Geschlecht mitmachen.“
Kein Torwart, keine Grätschen
Die Regeln sind denkbar einfach: Die Spieler dürfen weder rennen, noch schnell laufen. Grätschen und Rempeln ist nicht erlaubt, der Ball darf maximal in Hüfthöhe gespielt werden. Torhüter gibt es nicht. Das Tor ist dafür kleiner und darf innerhalb eines abgesteckten Bereichs nicht betreten werden.
Lustadt ist ein Paradebeispiel, wie ehemalige Fußballer durch Walking Football wieder ins Vereinsleben integriert werden. Initiatoren am Unteren Griesweg waren Peter Städler und Michael Weber, beide mussten nach schweren Knieverletzungen ihre aktive Karriere beenden. Werner Gilb (SV Hatzenbühl) hat Walking Football in der Südpfalz implementiert, während der gemeinsamen Reha hat er Städler von der Idee begeistert. Weber meint rückblickend: „Am Anfang war es schwer, doch aktuell sind wir rund 25 Männer und vier Frauen.“
Auch eine 23-jährige Fußballerin spielt mit
Eine davon ist Julia König, die sich bei den Frauen des ASV Harthausen einen Kreuzband- und Meniskusriss zuzog. Die 23-Jährige sagt: „Ich bin froh, dass ich meinen geliebten Sport nun mit deutlich geringerer Verletzungsgefahr ausüben kann.“ Nach dem Training sitzen die Walking Footballer jeden Donnerstag noch lange im Clubhaus in Lustadt zusammen, beim Handkeesfeschdt halfen sie bei einer eigenen Schicht kräftig mit.
Walking Football ist aber nicht nur Geselligkeit, es gibt auch wesentliche medizinische Aspekte. Es gibt mehrere englische Studien, nach denen Walking Football den Verlauf von Krankheiten, wie beispielsweise Parkinson, deutlich verlangsamen und positiv beeinflussen kann.
Walking-Football-Kooperation mit Pfalzklinikum
Deshalb hat der SWFV eine Kooperation mit dem Pfalzklinikum Klingenmünster auf den Weg gebracht. Am 27. Mai werden über 50 angehenden Ergotherapeuten und Pflegefachkräfte auf dem Gelände des SV Klingenmünster Regeln und Bewegungsgrundlagen vermittelt.
Sebastian Löhlein ist Leiter des Bildungszentrums der Einrichtung und Präsident des SVK. Er betont: „Bewegung ist ein elementarer Bestandteil unserer Therapieprogramme. Es wäre ein absoluter Gewinn, wenn wir eine zusätzliche Alternative anbieten könnten.“