Leichtathletik
Ricarda Lobe und ihre neue Bestzeit: „Jetzt war es mal nötig“
Sie blickt zur Anzeigetafel, dann reißt Ricarda Lobe die Augen weit auf und klatscht in die Hände. Die Hürdensprinterin aus Landau, die für die MTG Mannheim startet, geht zu ihren Konkurrentinnen, nimmt die anderen Athletinnen kurz in den Arm. 7,95 Sekunden hat Lobe gerade für den Sprint über 60 Meter und fünf Hürden gebraucht und die Silbermedaille bei den deutschen Hallenmeisterschaften gewonnen. (Den Liveblog zur Hallen-DM zum Nachlesen finden Sie hier)
Doch wichtiger als der Platz auf dem Podium bei den nationalen Titelkämpfen in der Dortmunder Helmut-Körnig-Halle ist der 31 Jahre alten Leichtathletin allerdings die Zeit, denn schneller war sie nie zuvor in ihrer Karriere. „Meine persönliche Bestleistung war jetzt halt doch neun Jahre alt“, sagt Lobe. Ihre bisherige Bestmarke stellte sie bei den deutschen Meisterschaften 2017 in Leipzig auf. „7,99, das war damals ein Riesending“, sagt Lobe und stellt fest: „Jetzt war es mal nötig.“
Beinhartes Duell
Im Halbfinale lief sie 8,08 Sekunden – solider Einzug in den Endlauf bedeutete das, nicht mehr, nicht weniger. Schon da gelang Marlene Meier von Bayer Leverkusen in 7,98 Sekunden die beste Zeit.
Wenig später liefern sich beide ein beinhartes Duell. „Wenn man im Finale an den Start geht, will man immer gewinnen“, sagt Lobe, „gerade über die Hürden, da kann so viel passieren.“ In 7,92 Sekunden läuft Meier ebenfalls persönliche Bestzeit und verteidigt ihren Meistertitel. Es ist ein packendes Rennen, die 23-Jährige jubelt ihren Eltern auf der Tribüne zu. Ihre Mutter ist Heike Henkel-Meier, in den 90er-Jahren weltbeste Hochspringerin, Weltmeisterin, Weltrekordlerin, Olympiasiegerin. Vater Paul Meier wurde als Zehnkämpfer 1993 WM-Dritter in Stuttgart. Nun tritt die Tochter in die Leistungssport-Fußstapfen. „Ich musste heute ganz schön schnell rennen, um zu gewinnen“, sagt Meier.
Drei Hundertstel
Das Duell mit der älteren Ricarda Lobe spornt sie an, im Ziel trennen beide drei Hundertstelsekunden – und acht Jahre. Die Landauerin aber sieht keinen Anlass, den Staffelstab weiterzureichen. Warum auch? Die Sportsoldatin ist ja gerade erst zurück im Geschehen. „Wenn man in die Welt schaut, da sind einige, die mit 30 oder sogar 33, 34 Jahren richtig stark sind“, sagt sie.
Mit dem deutschen Meistertitel im Sommer 2025 beendete sie ihre „Seuchenjahre“, wie sie die Zeit davor nennt. Geplagt von Verletzungen blieb sie ein Jahr ohne jeden Wettkampf, neben kleinen Blessuren stellten die Ärzte eine Thrombose fest. „Ich bin erleichtert, dass alles noch so funktioniert“, sagt Lobe nun, „ich bin richtig euphorisch über die Bestzeit.“ Für sie ist Silber von Dortmund die 17. Medaille bei deutschen Meisterschaften.
Auch Yemisi Ogunleye mit Rekord
Überhaupt räumen die Pfälzer Leichathleten im Trikot der MTG Mannheim in Dortmund ordentlich ab. Yemisi Ogunleye aus Bellheim sichert sich im Kugelstoßen den dritten Hallentitel in Serie. Die Olympiasiegerin von Paris arbeitet derzeit vor allem an ihrer Technik, nach anfänglichen Schwierigkeiten gelingt ihr mit 20,37 Metern ein persönlicher Rekord. Beste Voraussetzungen also für die Hallen-Weltmeisterschaft in einigen Wochen im polnischen Torun? „Ich kann nichts versprechen, ich will einfach nur Freude haben bei dem Wettkampf und auf jeden Fall noch mal 20 Meter anbieten, das wäre mein Ansporn“, sagt die 27-Jährige.
Ob Ricarda Lobe ebenfalls nach Polen reisen wird, steht noch nicht fest. Sie hat nun zwar die Qualifikationsnorm geknackt, Marlene Meier aber eben auch, genauso wie die Drittplatzierte Rosina Schneider. „Wir haben noch gar nicht darüber gesprochen mit den Trainern“, sagt Lobe, „aber wenn ich die Chance dazu hätte, würde ich es schon noch mitnehmen.“ Die Entscheidung des Deutschen Leichtathletikverbands steht noch aus und wird nach dem kommenden Wochenende und dem Istaf-Indoor in Berlin fallen.
Der Blick von Lobe geht aber ohnehin eher Richtung Sommer, inklusive Europameisterschaft im August in Birmingham. „Das Training, sich im Winter so zu quälen, das macht jetzt nicht mehr so viel Spaß. Da merke ich dann auch schon mein Alter“, sagt sie und lacht. „Aber das hier, mich gegen die Jüngeren richtig zu battlen und zu messen, das macht mir einfach unheimlich viel Spaß.“