Hintergrund RHEINPFALZ Plus Artikel Padel das neue Tennis in Maikammer

Dario Fiala im Sportpark vor den Tennisplätzen.
Dario Fiala im Sportpark vor den Tennisplätzen.

Fünf Padel-Courts will eine Investorengruppe im Sportpark Maikammer aufstellen. Das Angebot befreit Dario Fiala aus einer Zwickmühle. Wer hinter der Investition steht.

Der 12. April ist der letzte Tag, an dem im Sportpark Maikammer Tennis gespielt wird. Aus der Vierfeld-Anlage wird eine Padel-Anlage mit fünf Courts, die nach Regel zehn Meter breit und 20 Meter lang sind. Dario Fiala, geschäftsführender Sportpark-Gesellschafter, kann wieder gut schlafen. Das sagt der 53-Jährige, meint es aber nicht so. Er schlafe tatsächlich generell schnell ein. Eigentlich pushte er den Tennis, seitdem er den Sportpark 2008 zusammen mit seinem „besten Freund“ erworben hatte. Damals wurde im Keller noch Squash gespielt.

Der Neuorientierung ging eine Anfrage voraus. Die Gegenseite bekundete Interesse, die Tennishalle zu mieten. Sie pusht schon die Neueröffnung im Juni auf der noch dünnen Homepage Padel Club Weinstraße. Im Mai starte die Court-Buchung. „Geschäftsführer in Prüfung“: Dominique Heintz, Fußballprofi beim 1. FC Köln, Daniel Schäuble, Ole Heeß und David Heintz.

„Ein sozialer Sport“, bei dem es lauter werden kann

Padel? Der Trendsport, den Tennisspieler belächeln? „Für Tennis braucht man vielleicht drei Jahre Trainerstunden, bis man halbwegs Spaß hat“, sagt Fiala. Padel zu spielen, gehe schneller. Kleiner Aktionsradius. Weniger Verletzungsgefahr. Die Mischform Tennis-Squash sei leichter zu spielen, man habe eher Spaß, es sei „ein sozialer Sport“ für Betriebe, Familien, für jedermann. Die Aufforderung „Ruhe bitte“, wie man sie beim Tennis schon mal hört, sei bestimmt nicht zu hören.

„Keine langweiligen Grundlinien-Duelle, sondern Serve and Volley, Lobs, Smashes und spektakuläre Ballwechsel“, so wirbt der Deutsche Padel Verband. „Das Spiel beginnt mit einem Aufschlag ,von unten’. Der Ball darf einmal auf dem Boden aufsetzen. Volleys sind erlaubt, jedoch kann der Ball nach dem Aufsetzen im Spielfeld auch an eine oder mehrere Seitenwände prallen gelassen und anschließend weitergespielt werden. So kommt es oft zu langen und spannenden Ballwechseln, die für großen Spielspaß sorgen.“ Padel wird nur im Doppel gespielt. Die Punktezählung ähnelt der vom Tennis.

Sportmarketing studiert

Rückläufige Tennis-Buchungen haben es Dario Fiala in Maikammer schwerer gemacht. Er selbst stand nach Corona zum letzten Mal als Spieler auf dem Platz. Die vielen Start-Stopp-Bewegungen haben die linke Hüfte und das Grundgelenk im rechten Fuß in Mitleidenschaft gezogen. „Irgendwann ist es mal gut, der Alltag muss funktionieren“, sagt er, der zweimal Bronze bei einer deutschen Meisterschaft gewonnen hat und mit den Herren 30 des TC Rotenbühl Saarbrücken in die Bundesliga aufgestiegen ist. Den Aufstieg bewertet er höher als die dritten Plätze bei der in Österreich ausgerichteten deutschen Ski- und Tennis-Meisterschaft mit jeweils zwei Riesenslalomläufen und einem Tennisturnier.

Er war zehn, als die Familie aus Kroatien kam. In der Jugend spielte er Tennis in Herxheim und Germersheim. In Saarbrücken studierte Fiala Sportwissenschaften und hängte an den Diplom-Sportlehrer den Sportmarketingmanager an, ehe es ihn wieder in die Pfalz zog. In Maikammer tat sich eine Geschäftsidee auf, der Sportpark war zu kaufen. „Für mich alleine wäre es zu viel gewesen, die Investition, das Risiko“, erzählt er. Mit dem besten Freund traute er sich. Und spielte noch Ober- oder Verbandsliga beim TC Kirrweiler.

Corona und Finanzloch im Winter

Salzgrotte, Fitnessstudio, Restaurant (für das ein Pächter gesucht wird), dazu Tennis funktionierte anscheinend über Jahre. Corona hat ihm ziemlich den Stecker gezogen. Dass die Halle über ein zu öffnendes „Cabriodach“ verfüge, ließen die Ämter angeblich nicht gelten, als Tennis im Freien mit Geboten schon wieder erlaubt war. Fiala bekam Existenzängste.

Früher sei die Auslastung am Vormittag besser gewesen, erklärt er. Das habe drastisch nachgelassen. Von 15 bis 21 Uhr seien die Tennisplätze gut ausgelastet. Aber sonst? Die Tennis-Hallensaison dauert sechs Monate, über Außenplätze verfügt der Sportpark nicht. „Das reißt ein großes Loch in den Geldbeutel.“ Jede Preisanpassung, Einzelstunden werden für 23 bis 31 Euro pro Platz angeboten, 30-Wochen-Abos für 540 bis 780 Euro, sei mit Kundeneinbußen verbunden. Seit Jahren mache er sich Gedanken: Tennis im Winter und eine Alternative für den Sommer. Aber welche? Er fand keine Lösung.

Alle Kontakte informiert

Aus der Not heraus kam die Idee, Tagesturniere anzubieten. Das funktioniert über den TC Kirrweiler, wo er Mitglied ist. Zu den vielen Tagesturnieren kämen viele aus dem Badischen und aus Hessen, erzählt Fiala.

Schluss! Er habe mit allen Trainern und Vorständen der Vereine, die mit ihm zu tun haben, telefoniert und ihnen die Lage erklärt. Dass es ihm leidtue. Wie waren die Reaktionen? Immer gleich. Enttäuschung, dass die Spielmöglichkeit wegfalle. Und Verständnis für seine unternehmerische Entscheidung.

Mehrwert

Den auf Sand gelegten Teppichbelag hätte er erneuern müssen. Eine Investition von angeblich 200.000 Euro. Dass nun ein fester Untergrund eingebaut werde, sei ein Mehrwert für die Halle, Mehrzwecknutzung sei möglich. Er hörte sich die Interessenten an, die die Halle mieten wollten. Danach ging es an die Kalkulation. Risiken, Chancen – „wir haben nichts ausgelassen in der Entscheidung“. Er spricht von einem tragfähigen Konzept, das den Standort sichere. Der Vertrag sei langfristig und fair für beide Seiten. Padel könne in der Halle ganzjährig gespielt werden. Das Spiel sei anfängerfreundlich und generationenübergreifend.

Auch in Pirmasens

Nach dem Deal, die Halle an den Padel Club Weinstraße zu vermieten, hätten noch andere bei ihm angerufen, auch ein Makler, erzählt Fiala und schmunzelt. Er ist überzeugt, für sich das Richtige zu tun. Mit einem Spiel, das immer mehr Freunde findet. Laut Internetrecherche spielen rund 350.000 Menschen in Deutschland regelmäßig Padel, viele in Tennisvereinen. Rund 6000 Spieler sind im Deutschen Padel Verband organisiert. Die Benoit und Holzer GbR lässt gerade auf der Anlage des ESV Pirmasens die erste Padelanlage in der Südwestpfalz errichten, dort soll ab Mai gespielt werden können. Der Verein und die Firma vereinbarten, dass die Unternehmer zwei der vier Tennisplätze in drei Padelplätze mit Flutlicht umwandeln, diese kommerziell betreiben und dem ESV dafür eine Pachtgebühr zahlen.

Padel-Turnier in Lyon. Die Schläger sind ohne Bespannung.
Padel-Turnier in Lyon. Die Schläger sind ohne Bespannung.
Dominique Heintz, Fußballprofi aus Kirrweiler.
Dominique Heintz, Fußballprofi aus Kirrweiler.
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