Radsport
Neue Bestmarke beim Renntag an der Südlichen Weinstraße
Von Dennis Bachmann
Schweigen-Rechtenbach. „1000 Radsportler aller Alters- und Leistungsklassen werden den Großen Preis der Südlichen Weinstraße mit dem Bundesligarennen so schnell nicht vergessen“, schrieb die RHEINPFALZ vor einem Jahr. Dass die fünfte Auflage des Renntages 500 Teilnehmer und generell nochmal einen draufsetzen würde, konnte man damals allenfalls hoffen. Es war ein Fest rund um das Weintor.
Blau war der Himmel morgens schon, als die Jedermänner über 50 Kilometer auf die Strecke gingen. Aber es war schon noch etwas kühl, als Herbert Höppner dem SWR-Fernsehen für die Nachrichtensendung „SWR Aktuell“ ein Interview gab. „Ich fahre gleich bei meinem Haus vorbei und kann winken, das ist was ganz besonderes. Da ist eine Motivation überhaupt nicht nötig“, so der Kapsweyerer, der die Vorzüge dieser Veranstaltung kennt: „Wir fahren teilweise zusammen mit den Lizenzfahrern. Das macht für mich den Reiz aus, inwieweit man da mal mithalten kann“, so Höppner, der sich auf Rang 15 bei den über 50-jährigen platzierte.
Karla Schweizer stapelt tief
Die nächste Protagonistin in den Nachrichten: Karla Schweizer vom RV Kandel, wie sie sich auf der Rolle warmfährt. „Ich habe gar keine großen Ziele und versuche einfach mitzufahren“, stapelte Schweizer, die bei den Schülerinnen U15 auf Rang zwei fuhr, tief. Im Interview gab sie sich weiterhin gelassen: „Ich erhole mich jetzt gut und trainiere dann einfach weiter.“
In der Sonne wurde es wärmer und wärmer, manch einer brachte einen Sonnenbrand mit nach Hause. Doch der Blick ging schon länger auf den Parkplatz vorm Weintor. Die Schilder von 3Rides, dem Veranstalter des Gran-Fondo-Rennens über 100 Kilometer, standen, mit den Altersklassen versehen, an verschiedenen Stellen. Sie wiesen die 1000 Teilnehmer ein, die sich für die Premiere des Gran-Fondo-Rennens angemeldet hatten. Caroline Sand kam von ihrem Auto und stellte sich gleich an. Die 28-jährige Lustadterin spielte bis vor zwei Jahren Fußball, wollte sich danach fithalten. Sie fand im Laufsport zum TV Herxheim und hatte dort Kontakt zu Triathleten, der Weg zum Rennrad war nicht mehr weit.
Stürze im Pulk nach dem Start bleiben aus
Wofür sie sich jedoch in Schweigen angemeldet hatte, sei ihr lange gar nicht bewusst gewesen: „Zwei Freundinnen haben mich gefragt, ob ich einen Radmarathon machen will und ich habe mich dann eher blind angemeldet. Ich habe dann erst vor kurzem rausgefunden, dass es ein richtiges Rennen ist. Da war ich doch schon ziemlich nervös weil ich überhaupt nicht wusste, wo ich stehe“, erzählt Sand, die im März auch den Bienwald-Marathon in Kandel gelaufen ist und versucht, neben dem Lauftraining zwei, drei Mal pro Woche auf dem Rad zu sitzen. Im Gegensatz zu den vergangenen Jahren erfolgte der Start in Wellen schon vom Parkplatz.
Die Befürchtung beim Jedermannrennen, dass sich schon am Start im Pulk Stürze einstellen könnten, bewahrheitete sich nicht. Nervosität diesbezüglich zeigte Caroline Sand keine: „Ich habe einfach gehofft, dass alles gut läuft und ich keinen Defekt habe. In der Gruppe hat es auch richtig gut funktioniert. Man hat sich gegenseitig gepusht und bei Gefahren oder Richtungswechseln mit Handzeichen unterstützt.“
Ungläubiger Blick auf die Uhr
Ein Mal wurde es doch eng. Sie führte eine Gruppe an und sah aus einiger Entfernung einen Krankenwagen. „Die haben Handzeichen gegeben, man solle langsam machen. Ich war in dem Moment aber überfordert, vor mir der Krankenwagen und hinter mir viele Leute. Statt rechts vorbeizufahren bin ich fast in die Menge rein und musste dann eine Vollbremsung machen. Das war aber der einzige kritische Punkt“, erzählt sie, die im Ziel ungläubig auf ihre Uhr schaute: 35 Stundenkilometer Durchschnittsgeschwindigkeit. „Ich habe ein neues Rad. Mit dem alten wäre das unmöglich gewesen.“ Seit wann? Sie lacht. „Am Donnerstag saß ich zum ersten Mal drauf. Der Unterschied ist schon Wahnsinn.“
Blut geleckt? „Die Hemmschwelle für Radrennen ist jetzt weg. Ich weiß jetzt, was ich leisten kann, wenn ich alles gebe und aus meiner Komfortzone rausgehe. Das wusste ich vorher nicht.“ Und hat einen Appell an alle Hobbysportler: „Traut euch, es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen. Einfach machen.“ Schnellster Mann war der Pole Michal Podlaski, schnellste Frau die Karlsruherin Julia Jehle.