Fussball
Nach Pokalpleite gegen den FCK: Herxheims A-Jugend geht mit „Herz“ in den Abstiegskampf
Es lief die 31. Minute. Viktoria Herxheims A-Jugend-Kapitän David Lis beackerte an der Außenlinie FCK-Spieler Maddox Stadel und erkämpfte einen Einwurf. „Jaaa“, brüllte der Defensivspieler in Richtung des mitgereisten Anhangs. „Das pusht das Team, die Gegner haben Respekt“, erklärte Lis nach dem Pokalfinale gegen die A-Junioren des 1. FC Kaiserslautern. Kurzzeitig mit Erfolg: Wenig später sollte das 1:0 für Herxheim durch Moritz Becker fallen. Da waren die Südpfälzer noch guter Hoffnung, dass es was wird mit dem Triumph im Südwest-Verbandspokal. Ein Gegentor in der 90. Minute durch FCK-Spieler Dzenan Resic zerstörte alle Hoffnungen. Am Ende siegte der A-Jugend-Bundesligist mit 3:2.
Lis und seinen Mannschaftskollegen blieb am Ende nur der Gang durch das Spalier der Spieler des FCK und die Medaille für Platz zwei im Pokal des Südwestdeutschen Fußballverbands. „Wenn es 2:0 oder 3:0 für uns steht, darf sich Kaiserslautern nicht wundern. Kompliment an meine Mannschaft, die ein brutales Spiel abgeliefert hat. Fünf Minuten länger, dann hätten wir den Pokal jetzt in die Höhe gehoben“, analysierte Viktoria-Trainer Murat Genc den Spielverlauf.
Danach sah es lange aus. Denn die im Regionalliga-Abstiegskampf steckende Viktoria ärgerte den Bundesligisten, der wenige Tage zuvor im A-Jugend-Bundesliga-Achtelfinale gegen Energie Cottbus gescheitert war, mit hohem Pressing und giftigen Zweikämpfen. Zwar verkürzten die FCK-Junioren nach 1:0 durch Becker noch vor der Pause auf 1:1 Marvin Yüsün. Doch Herxheim ging keineswegs geknickt in die Pause. Keine zehn Minuten waren in der zweiten Hälfte gespielt, als Moustafa Fedo im Mittelfeld gefoult wurde. Den Freistoß von Felix Ries wuchtete Innenverteidiger Alhaji Kamara ins Tor zum 2:1. Nächster Halt: der Herxheimer Fanblock, wo sich die Spieler vom euphorischen Viktoria-Anhang feiern ließen.
Viele Fans aus Herxheim in Deidesheim vor Ort
Überhaupt war die Unterstützung in Deidesheim den Südpfälzern gewiss – obwohl der FCK eigentlich der Herzensverein vieler Pfälzer ist, auch in Herxheim. Davon war an diesem Abend wenig zu spüren. Die Insassen von zwei vollen Reisebussen und zahlreichen Autobesatzungen aus Herxheim feierten die intensiven Duelle mit den FCK-Spielern. „Ich bin stolz darauf. Danke an die Fans, die uns unterstützt haben“, betonte Genc. Kapitän Lis hob die Bedeutung der Fans hervor: „Es fühlt sich geil an, wenn 200 Leute einen anfeuern.“
Dennoch ging den Herxheimer in den entscheidenden Final-Minuten etwas die Puste aus: „Konditionell hat man das schon beim ein oder anderen am Ende gemerkt“, resümierte Genc. „Dass im Spielverlauf die Kräfte gegen einen Bundesligisten ausgehen, das ist okay“, betonte der Viktoria-Übungsleiter, der seiner Mannschaft zu keinem Zeitpunkt einen Vorwurf machen wollte. Auch dem Unglücksraben Steve Boda nicht. „Das Freistoßtor war unglücklich, aber Steve hat ein brutales Spiel abgeliefert, das passiert“, lobte er seinen Torwart. Der Viktoria-Torwart war lange aufgrund der konsequenten Defensive der Herxheimer wenig geprüft worden. Und wenn doch, dann war Boda da – bis zur 90. Minute: Dann glitt ihm der entscheidende Freistoß durch die Hände. „Das geht auf mich“, stellte sich Boda am Spielfeldrand kritisch den Fragen.
Drei Spiele, neun Punkte
Die Enttäuschung der Herxheimer A-Junioren wich nach dem Abpfiff allmählich der Überzeugung, dass man auf diese Leistung im Regionalliga-Abstiegskampf aufbauen kann. Auch Boda richtete den Blick nach vorne, fand Lob für seine Vorderleute, sprach den „Willen“ an, das Spiel zu gewinnen. „Wir haben uns abgefeiert, waren laut. Ich hoffe, dass wir in den nächsten drei Spielen genauso weitermachen“, sagte er.
Geschlossen gaben Spieler und Trainer auch die Marschroute vor den entscheidenden Regionalligaspielen gegen Eisbachtal (Sonntag, 13 Uhr), in Homburg und in Koblenz vor: „Wir können ganz viel für den Abstiegskampf mitnehmen. Die Jungs haben gesehen, dass sie mithalten können“, betonte Genc. „Drei Spiele, neun Punkte“, forderte Boda. Auch Lis nannte die Maximalausbeute und den damit womöglich verbundenen Klassenerhalt: „Wir konzentrieren uns auf die Liga und müssen neun Punkte holen, darauf liegt der Fokus. Wenn wir jedes Spiel so angehen, mit Herz, dann müssen wir das schaffen.“