Bellheim
Nach Klassenerhalt der Südpfalz-Tiger: „Man muss sich als Trainer anpassen“
Mit lediglich zehn Punkten haben die Handballerinnen der Südpfalz-Tiger den Klassenverbleib in der Regionalliga Südwest geschafft. Seit der Winterpause ist Christian Hörner, der die SG Ottersheim/Bellheim/Zeiskam 2017 in der Dritten Liga übernahm und 2022 ausstieg, wieder Trainer. Der 45-jährige Zeiskamer hätte im Sommer sowieso begonnen. Im Interview erklärt der Übungsleiter, was ihn zur Rückkehr bewogen hat und wie er die Zukunft plant.
Herr Hörner, die Punktausbeute war schwach. Hauptsache dringeblieben?
Im Nachhinein muss ich sagen, dass das schon recht dünn war. Da haben wir uns mehr erhofft. Wir haben es nicht geschafft, gegen Gegner, gegen die was drin gewesen wäre, Punkte zu holen. Es war auf der allerletzten Rille.
Was hat es so schwierig gemacht?
Wir waren hinten raus personell schwächer aufgestellt, als uns nach und nach torgefährlichere Spielerinnen ausfielen. Größtenteils haben wir die Spiele dann über den Angriff verloren, wo wir zu viele Probleme hatten und uns immer wieder die Luft ausging. Von daher ging es darum, die Abwehr zu stabilisieren, was uns immer mehr gelang. Im Angriff sind durchschnittlich 18 bis 20 Tore eben zu wenig.
Also wird jetzt am Angriff gearbeitet?
Nein, wir dürfen uns nicht auf eine Sache konzentrieren. Wir wollen 60 Minuten unser Tempo gehen können, dafür müssen die Voraussetzungen geschaffen werden. Klar gilt es, im Angriff verschiedene Varianten reinzubringen. Ich bin ein Freund davon, Spielerinnen selbst entscheiden zu lassen. Das braucht viel Trainingszeit.
Profitieren Sie davon, schon mal da gewesen zu sein?
Ich denke, es hat geholfen, weil ein paar Spielerinnen immer noch da sind. Sie haben sicher über mich erzählt, da haben die anderen einen Vorgeschmack bekommen. Ich bin gut reingekommen und konnte loslegen. Die Strukturen und die Leute in meinem Heimatverein kenne ich ja sowieso.
Wie kam der Wiedereinstieg überhaupt zustande?
Nachdem klar war, dass Akin Calisir (im Dezember noch Trainer, Anm. d. Red.) nach der Runde aufhört, kam die Anfrage. Direkt zu übernehmen, das hat sich erst im Laufe des Gesprächs ergeben.
Ist es eine Entscheidung dahingehend, dem Heimatverein zu helfen?
Nein. Ich hatte für mich, im Austausch mit der Familie, schon entschieden, wieder etwas machen zu wollen. Ich wäre auch für andere Vereine bereit gewesen. Dass es jetzt der Heimatverein wurde, ist natürlich keine schlechte Lösung.
Wie haben sich die Persönlichkeiten in den vergangenen Jahren verändert?
Die, die schon da waren, geben weiterhin Gas, da hat sich nichts verändert. Bei den Jüngeren ist das anders. Da muss man ein, zwei Mal mehr fragen, ob sie denn zur ersten Mannschaft kommen wollen. Die Freizeitvorstellungen sind andere, da muss man sich als Trainer anpassen. Im Großen und Ganzen ist vor ein paar Jahren mehr von alleine gelaufen.
Es gibt in der nächsten Saison keine A-Jugend. Ein Nachteil?
Ja, und zwar für alle. In erster Linie für die Spielerinnen selbst. Ich bin ein Freund davon, die Jugendzeit voll auszuspielen. Es ist ein Riesenschritt nach oben. Im zweiten Jahr A-Jugend könnte man sie nach und nach ranführen und aufbauen. Jetzt kommen manche direkt aus der B-Jugend zu den aktiven Mannschaften. Wobei ich schon sage: Wenn jemand aus der A- oder B-Jugend das Talent und den Ehrgeiz hat, kann man sie immer mal wieder mit dazunehmen, um sich daran zu gewöhnen. Aber ins kalte Wasser zu werfen, das hilft nicht gerade.
Wo soll es nächste Saison hingehen?
Das Ziel wird ähnlich sein. Wir werden wohl auch wieder gegen den Abstieg spielen. Aber ich bin zuversichtlich, dass wir es schaffen werden.
Und für Sie selbst? Ein Jahr und dann „mal schauen“?
Nein, ich will das schon länger machen. Das war auch mein Hauptargument, hier etwas aufzubauen, was uns in den nächsten Jahren wieder nach oben bringt. Es sind viele junge Spielerinnen dabei, die richtig Potenzial haben.