Pferdesport
Melanie Abt und Westernreiten: Jeans und Lockerheit
Joschi hat es gut. Vor zwei Jahren hat er noch einen Trail gewonnen. Wenn sich der 29 Jahre alte Haflinger-Opa fragen würde, wie er zu seinem Namen gekommen ist, hier die Antwort: Melanie Abt hat ihn, den sie zweijährig kaufte, gesehen und danach im Fernsehen eine Werbung von Pedigree Pal mit einem Hund namens Joschi. Sie führte eins zum anderen. „Winterglanz“, so die 48-Jährige über den eigentlichen Namen des Pferdes, habe sie ihn schlecht rufen können. Abt ist in einem Pferdesport zu Hause, der mit Cowboys und Rindern verknüpft wird: Westernreiten. Die beiden Landesverbände der Ersten Westernreiterunion (EWU) Rheinland-Pfalz und Saarland tragen an diesem Wochenende ihre Meisterschaften in Zeiskam aus.
Der Landesverband Rheinland-Pfalz feiert sein 30-jähriges Bestehen, gut zehn Jahre davon begleitet Abt die Öffentlichkeitsarbeit. In ihrem Beruf hat sie es mit Erfindungen der BASF zu tun. Die Rechtsfachwirtin arbeitet in der Patentabteilung. Patentanwaltsfachangestellte.
„Das andere war mir zu eng“
Auch wenn sie schon lange in Rauenberg im Kraichgau wohnt („eigentlich ist das noch Kurpfalz, wenn man ganz ehrlich ist“), gleitet sie gerne ins Pfälzische ab. Sie hat mit Spring-, Dressur- und Rennpferden gearbeitet, für sich selbst wählte sie das Westernreiten. Sie verband es mit Jeans, mit Lässigkeit, Freiheit. „Das andere war mir zu eng. Es ist sehr schön, ein Pferd am langen Zügel einhändig zu dirigieren, das hat mir damals super gut gefallen. “ Aber warum dafür ein Haflingerhengst? 1998 war sie jung und hatte kein Geld. Sie stammt aus Lustadt, Joschi stand in Knittelsheim. Damals zog Westernreitprofi Oliver Wehnes nach Kandel. Regelmäßig ist das Gespann zu ihm gefahren. Ach ja: Ein Haflinger wird gerne mal als Alpenquarter bezeichnet.
Jahrgangsbeste
2012 erlangte Abt die Trainer-C-Lizenz Westernreiten, ein Jahr später die B-Lizenz als Jahrgangsbeste. Sie kann so herrlich erzählen: Wie beim Tanzen müssten Pferd und Reiter ihren gemeinsamen Rhythmus finden. Zu lachen, das begünstige die Harmonie und Losgelassenheit. Vor dem Wettbewerb gebe es Lampenfieber, Konzentration. Wer lache, verkrampfe nicht. Heißt das, dass bei den Meisterschaften überall gelacht wird? „Man lacht auch viel bei uns, zum Beispiel beim Prosecco-Pleasure“: Schritt, Trab, Galopp mit einem vollen Sektglas in der Hand. Wessen Glas danach am meisten mit Wasser gefüllt ist, der hat gewonnen. „Da lachen alle.“
Die Zeiskamer Anlage biete mit dem großen Springplatz, in dem die Showarena integriert werde, und mit der großen Halle ideale Bedingungen, erzählt Abt. Durch den Wald, der die Anlage umringt, finde man auch immer wieder schattige Plätze. Die Gastronomie, die in der „alten Reithalle“ untergebracht sei, biete ebenfalls einige Plätze zur Showarena auf dem Außenplatz an.
Party mit Miss Coco in der Reithalle
Das Turnier beginnt an diesem Freitag um 8 Uhr mit einem Trail auf dem Außenplatz und der Showmanship at Halter in der Halle. Der erste Turniertag endet gegen 18 Uhr. Der Samstag startet um 8 Uhr und endet gegen 16.30 Uhr. Am Samstagabend ist eine Tombola und Live-Musik in der alten Reithalle. Miss Coco (Tanja Werkheiser) werde den Gästen musikalisch einheizen. Am Sonntag um 8 Uhr geht es weiter mit einem Trail auf dem Außenplatz und einer Westernpleasure in der Halle.
Apo-Richter und Ringsteward
Seit 2023 gibt es den Apo-Richter: „Ich war die Erste, die berufen wurde“, bemerkt Abt. Ein Apo-Richter nimmt beispielsweise Reitabzeichen ab. Als Ringsteward schreibt sie auf, was ein Richter während eines Wettbewerbs sieht und anmerkt. Beispiel: Ein Trail geht mit 70 Scorepunkten los. In einer Trail-Prüfung gibt es Pflichthindernisse wie ein Tor, eine Brücke, Stangen, die am Boden liegen und in den verschiedenen Gangarten überritten werden, Rückwärtsrichten des Pferdes durch ein enges Stangen-L oder Stangen-U. Ein gutes Trail-Pferd soll sich unerschrocken jedem Hindernis nähern und es bewältigen. Gelingt das jeweils gut, gibt es Pluspunkte, gelingt es weniger gut, gibt es Abzüge. Pferd und Reiter können etwa einen Score von 75 erreichen. Oder nur 65.
Superhorse, Ranch Riding, Western Pleasure, Reining mit schnellen und langsamen Galoppzirkeln, fliegenden Wechseln, Spins und Stopps – die ganze Bandbreite ist bei den Meisterschaften zu erfahren.