am Rande RHEINPFALZ Plus Artikel Handball live im Netz

Am Tisch links Josef Vollmer, rechts Zeitnehmer Erhard Zimmer.
Am Tisch links Josef Vollmer, rechts Zeitnehmer Erhard Zimmer.

Drücke Tor und gebe die Nummer des Spielers ein, alles andere erledigt das PC-Programm. Zu einem Handballspiel gehören Zeitnehmer und Sekretär. Josef Vollmer erzählt, was er tut, wenn die Frauen des TSV Kandel spielen. Der 62-Jährige ist der Vorsitzende des Vereins und, obwohl im Ruhestand, immer mal wieder als Berufssoldat gefragt.

Josef Vollmer führt den knapp 1600 Mitglieder starken TSV Kandel. Seit 2015 Vorsitzender, geht er noch ganz anderen Dingen nach, wenn Erhard Zimmer ihn einteilt. Zimmer übernimmt bei Handballspielen den Part Zeitnehmer. Vollmer ist dann der Sekretär. Er spielt mit der Maus und Buttons am PC, der den Liveticker für das Internet bedient. Wie steht’s? Auf „Handball4all“ kann das jeder zu Hause verfolgen.

Dicke Wände

Was macht ein Sekretär? Zuerst mal erwartet er, dass der Zugang ins World Wide Web funktioniert, wenn er den Computer anschließt. In Kandel verwenden sie einen mobilen Zugang einer Telekom-Tochter. Was in der IGS-Halle mit ihren dicken Betonteilen nicht immer ganz einfach ist. Während des Spiels hofft Vollmer, dass kein Zuschauer am zentral zwischen den Spielerbänken aufgestellten Tisch über die Verkabelung mit dem Stromnetz stolpert. Die Steckdose ist im Tribünenbereich.

Für Vollmer/Zimmer beginnt das Spiel eine Stunde vor dem Spiel. Das Programm „Siebenmeter“ wird gestartet. Das dritte System für den 62-Jährigen – nach dem Papierbogen von früher und dem Programm SIS, das 2019 abgelöst wurde. Er gibt die Vereinsnummer ein, lädt das Spiel, das gleich ansteht. Die Namen der Schiedsrichter und der Offiziellen werden eingetragen. Die Mannschaftsoffiziellen können kommen: Sie laden die Spielerkader hoch. Das geht automatisch. Wer heute nicht spielt, dessen Name wird nicht aktiviert. „Wir sind fertig“, ruft der Sekretär.

Technische Besprechung

Noch 40 Minuten bis zum Anpfiff. Bereit für die technische Besprechung mit den Schiedsrichtern. Sie kontrollieren die Spielberechtigung der Spieler mit dem Passkontrollverfahren. Erklären, auf was sie Wert legen, wie sie mit den Funktionären kommunizieren werden.

Die Mannschaften haben sich aufgewärmt, waren noch mal in den Kabinen und sind nun auch bereit. Los geht’s.

Jona Reese erzielt das erste Tor des Frauen-Oberligaspiels TSV Kandel gegen TV Bodenheim, das die Gastgeberinnen mit 29:21 gewinnen werden. Vollmer drückt auf der Gästeseite den Knopf Tor und die Trikotnummer der Spielerin. Er hat jeweils drei Knöpfe auf dem Bildschirm für Heim und Gast: Tor - Zwei-Minuten-Strafe - Auszeit. Auf dem Spielbericht ist später zu lesen: 17:34:23 Uhr, 00:32 Minuten gespielt, 0:1 Tor durch Jona Reese (4, TV Bodenheim). Hauptmann Vollmer, mit 57 Jahren schied er als Berufssoldat bei der Bundeswehr aus, vermerkt auch Verwarnungen. Beim Strafwurf wählt er die Nummer der Schützin und nach dem Abschluss Tor oder kein Tor.

Corona-Einflüsse

Dass Zeitnehmer/Sekretär von einem Verein sind, ist Corona geschuldet, weiß Vollmer. Vor Corona ist er zu vielem Auswärtsspielen mitgefahren. Dass der Gast in der Oberliga den Sekretär stellt, den Grundgedanken hält er für vollkommen richtig. Als ehemaliger Soldat nimmt er immer noch an Wehrübungen teil. In Germersheim kennt er sich sehr gut mit der Infrastruktur aus. Weswegen er einberufen wurde, als im Februar 2020 Bürger, die in Wuhan waren, hier in Quarantäne gingen. Er springt auch mal als stellvertretender Kompaniechef ein. Einmal traf er in der Kaserne eine Soldatin, die dann in Kandel Handball spielte.

In der Halbzeit kontrollieren die Schiedsrichter mit den Funktionären am Tisch die Aufzeichnungen. Ist auch nach dem Spiel alles in Ordnung, ist noch zu klären, ob es Verletzte gibt, eine Seite Einspruch gegen die Spielwertung ankündigen will. Noch ein Klick – und alles, was der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wird, ist im Netz.

Vollmer, der als Schüler unter Lehrer Dieter Schepanski bei „Jugend trainiert für Olympia“ Handball spielte, auch Leichtathlet und zwei Jahre Fußballer war, kann sich wieder anderem zuwenden. Rund 200 Mitglieder habe der TSV Kandel in der Pandemie verloren, einen Teil wieder aufgeholt. Es habe keine Neueintritte mehr gegeben, erzählt Vollmer. In der Abteilung Prävention und Rehabilitation sei gar nichts mehr gegangen. Übungsleiter, betont Vollmer, hätten weiter Entschädigung bekommen.

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