Lokalsport Südpfalz RHEINPFALZ Plus Artikel Fußball: „Der Bu bleibt do“ – Wie der Bellheimer Helmut Behr Geschichte schrieb

Helmut Behr (rechts) im Wildparkstadion.
Helmut Behr (rechts) im Wildparkstadion.

Er hat Torhüter Willi Ertz vor Fernsehkameras in Bellheim daran gehindert, eine magische Grenze zu erreichen. 1980 schoss er Borussia Mönchengladbach aus dem DFB-Pokal. Helmut Behr galt damals als einer der besten südpfälzischen Spieler. Mit 67 ist der gelernte Bäcker, der als Trainer mal fünf Aufstiege in sechs Jahren feierte, noch nicht müde.

Als junger Bursche ging er in Bellheim in die Bäcker-Lehre. Sein Stern ging in der Saison 1970/1971 auf, als der FC Phönix Bellheim in der 1. Amateurliga Südwest spielte. Helmut Behr, heute 67, wurde einer der bekanntesten und besten Fußballspieler aus der Südpfalz nach dem Zweiten Weltkrieg.

Er war 17, als Trainer Günther Bechtel auf den schnellen Außenstürmer aufmerksam wurde. Behr fiel in der A-Jugend auf und erzielte viele Tore. Spieler wie Peter Mendel und Dieter Klaußner standen damals in den Reihen der Bellheimer. Als Südwestmeister musste Phönix Aufstiegsspiele gegen den Rheinland-Vertreter SG 99 Andernach und den saarländischen SV 09 Fraulautern austragen. Behr erzielte drei Treffer in der Relegation und trug so wesentlich zum Aufstieg in die Regionalliga, damals zweithöchste Klasse, bei.

5500 Zuschauer in Bellheim

Zwei Jahre blieben die Bellheimer in dieser Liga. Höhepunkt der Spielzeit 1971/1972 war das Gastspiel des späteren Meisters Borussia Neunkirchen. 5500 Zuschauer, bis heute Vereinsrekord, kamen ins Phönix-Stadion. Ein Kamerateam des ZDF war vor Ort, Hauptakteur war der legendäre Borussen-Keeper Willi Ertz. Er hätte in dieser Partie die magische Grenze von 1000 Minuten ohne Gegentor erreichen können. Doch einen hartgeschossenen Freistoß durch die Mauer konnte Ertz nur mit der Brust abwehren. Helmut Behr verwertete den Abpraller zum 1:0 und beendete nach 995 Minuten die Serie von Ertz. Dieser Rekord im bezahlten Fußball hat bis zum heutigen Tag Bestand.

„Dass wir am Schluss 1:4 verloren hatten, interessierte nach dem Spiel niemand mehr“, erinnert sich Behr. In dieser Zeit tauchte Georg Gawliczek, Trainer bei Tennis Borussia Berlin, in der Wirtschaft seiner Eltern auf. Er wollte ihn mit in die geteilte Stadt nehmen, doch Mama Behr sprach ein Machtwort: „Der Bu bleibt do.“

1978 zum KSC

Nach einem Jahr unter Trainer Charly Braun beim SV Viktoria Herxheim in der Südwestliga wechselte Behr zu Hassia Bingen. Zur Saison 1978/1979 ging er mit seinem Mannschaftskameraden Gerd Bold zum Karlsruher SC. Trainer war Manfred Kraft, er setzte Behr in 18 Partien ein, der KSC belegte den fünften Tabellenplatz in der 2. Liga Süd. In der Folgesaison kam Behr in allen 34 Spielen zum Einsatz, 26-mal wurde er eingewechselt.

Er galt als klassischer Joker, der gegen Ende des Spiels wegen seiner Schnelligkeit die gegnerischen Abwehrreihen noch einmal durcheinanderwirbeln konnte. In seiner zweiten Saison belegte der Karlsruher SC den zweiten Platz und setzte sich in der Relegation gegen Nordmeister Rot-Weiß Essen durch. Somit stiegen die Badener in die Bundesliga auf.

Am 12. Januar 1980 ereignete sich das Highlight in Behrs aktiver Fußballerlaufbahn. In der dritten Hauptrunde des DFB-Pokals war Borussia Mönchengladbach als amtierender UEFA-Cup-Sieger im Wildparkstadion zu Gast. Vor 30.000 Zuschauern traten Lothar Matthäus, Ewald Lienen und Kalle Del'Haye an, beim KSC spielten Rudi Wimmer und Karl-Heinz Struth. Nach torlosen 90 Minuten wurde Behr in der 112. Minute für Edmund Becker eingewechselt, eine Minute später erzielte er mit einem Schuss aus 20 Metern das goldene 1:0.

Die Sache mit Heynckes

Nach dem Spiel kam Trainer Jupp Heynckes zu Behr und sagte: „Hätten wir dich verpflichtet, wäre das billiger gewesen als unser Ausscheiden.“ Heynckes hätte schon in der Vorsaison Trainer bei den Borussen werden sollen, Behr weilte zu einem Probetraining bei den Borussen. Doch Udo Lattek machte noch ein Jahr weiter und das Engagement zerschlug sich.

Nach der Saison lag Behr ein unterschriftsreifer Zweijahresvertrag beim KSC für die Bundesliga vor. Doch er wollte sich mit dem Aufbau seines Sportgeschäfts, dieses betrieb er bis vor wenigen Jahren, ein zweites Standbein aufbauen. Der Verein ließ jedoch keine Nebenjobs zu, das Engagement zerschlug sich und Behr kehrte zu Hassia Bingen zurück.

Blütezeit des höherklassigen Amateurfußballs

Im Jahr 1981 erzielte Behr für die Hassia das dritte wichtige Tor seiner Laufbahn. Im Endspiel des Südwestpokals gegen den FK Pirmasens markierte er mit einem Schuss in den Torwinkel das entscheidende 3:2. Es war die Blütezeit des höherklassigen Amateurfußballs im Südwesten. Der kleine Landesverband gewann mit Behr in seinen Reihen zweimal den DFB-Länderpokal, 1981 gegen Hessen (4:3 nach Elfmeterschießen) und 1982 gegen den Niederrhein (3:1). Als Dankeschön lud der DFB den Sieger zu einem mehrwöchigen Aufenthalt nach Sumatra ein, dort gewann die Auswahl ein internationales Turnier vor regelmäßig mehr als 30.000 Fans.

In dieser Zeit wollte sein Freund Walter Frosch den Bellheimer zum FC St. Pauli ans Hamburger Millerntor lotsen. Behr überlegte lange, sagte aber wegen der Schwangerschaft seiner Frau ab. Im Sommer 1982 kehrte er als Spielertrainer zu seinem Heimatverein nach Bellheim zurück.

Er blieb zehn Jahre. Es sollte die letzte erfolgreiche Phase des Phönix bis heute bleiben. Der Verein stieg 1985 in die Verbandsliga auf und blieb dort sieben Jahre. Behr formte und trainierte Spieler wie Gerd und Ralf Kaika, Lutz Hünerfauth und Siegbert Stubenrauch.

1992 wechselte er als Coach zum ASV Landau, 1996 folgte schließlich das Engagement beim SV Weingarten. Dort blieb Behr bis 2003 und schaffte das Kunststück, mit fünf Aufstiegen in sechs Jahren den Verein von der B-Klasse in die Oberliga zu führen. Spieler wie Sahin Pita, Mulut Bedrici oder Michael Sommer hatte er in dieser Zeit unter seinen Fittichen. Es folgten Engagements in Herxheim, Speyer, Lustadt, Steinfeld und Rheinsheim.

„Mädels unkomplizierter“

„Ich hatte immer das Glück, dass die jeweiligen Mannschaften einfach gepasst haben. Ich wurde nie entlassen, konnte den Zeitpunkt meines Weggangs immer selbst bestimmen“, erzählt Behr. Beim TuS Niederkirchen kam er erstmals mit dem Frauenfußball in Kontakt.

Vom Ruhestand ist Helmut Behr weit entfernt. Seit 15 Jahren ist er Sportlicher Leiter der 120 Spielerinnen umfassenden Frauenabteilung des Karlsruher SC: „Es ist ein Fulltime-Job.“ Aushandeln des Etats mit der Vereinsführung, Vertragsverhandlungen, Unterstützung des Trainerstabs und Repräsentationen gehören zu seinen Aufgaben. Er ist bei fast jedem Training dabei, die U23 coacht er noch selbst.

Zum Frauenfußball hat Behr eine klare Meinung: „Die Mädels sind viel unkomplizierter und ehrgeiziger als die Männer. Sie fahren ohne Vergütung 70 Kilometer einfache Wegstrecke, bei den Männern wird zum Teil bei zehn Kilometern schon Fahrgeld verlangt.“

Stolz ist Behr auf seine Fußballschule, er organisiert seit 18 Jahren bis zu sechsmal im Jahr Camps für junge Talente. Bekannte Fußballer haben seine Schule durchlaufen, als Beispiel nennt er Thorsten Ullemeyer (TuS Mechtersheim). 3000 Nachwuchskicker waren in all den Jahren schon dabei.

Als Trainer bei den Herren möchte er nicht mehr arbeiten, ein Engagement als Sportlicher Leiter kann er sich noch einmal vorstellen: „Die Klasse ist egal, es müssen nur die Rahmenbedingungen und das Engagement der Vorstandschaft stimmen.“ Der Vater von zwei erwachsenen Söhnen wird in diesem Monat zum ersten Mal Opa.

Der Bellheimer, hier für eine Weinachtsaktion 2019 aktiv, hat Bäcker gelernt.
Der Bellheimer, hier für eine Weinachtsaktion 2019 aktiv, hat Bäcker gelernt.
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