Edesheim RHEINPFALZ Plus Artikel Ende nach 36 Jahren beim SV Edesheim: Wadlinger blickt zurück

Voller Fokus: Mehr als drei Jahrzehnte lang führte Karl Wadlinger den Schützenverein Edesheim. Nun gibt er den Posten ab, der Ve
Voller Fokus: Mehr als drei Jahrzehnte lang führte Karl Wadlinger den Schützenverein Edesheim. Nun gibt er den Posten ab, der Verein stellt sich neu auf.

Der fast ewige Oberschützenmeister Karl Wadlinger hat im März das Vorstandsamt des Schützenvereins Edesheim abgelegt. Was ihn antrieb und auf was er mit Freude zurückblickt.

Nach 36 Jahren an der Spitze des Edesheimer Schützenvereins (SVE) leitete Karl Wadlinger im März seine letzte Generalversammlung als Oberschützenmeister, also als Vorsitzender. Sein Nachfolger an der Spitze des 150 Mitglieder zählenden Vereins ist nun Alexander Döringer. Wadlinger, der zum Ehrenoberschützenmeister ernannt wurde, verabschiedete sich emotional: „Ich war unheimlich gerne Vorstand, habe das lieber gemacht als alle anderen Posten, die es in einem Verein gibt.“

Karl Wadlinger kam zum Schießen, als in der zu Edesheim gehörenden Leonhard-Eckel-Siedlung im Jahr 1983 eine Mannschaft für die Dorfmeisterschaften gebildet wurde. Damals wurde er einfach gefragt, ob er nicht mitmachen wolle. Sein Team holte dann sogar direkt den Titel. Beim Weihnachtsschießen im gleichen Jahr holte er sich den nächsten Erfolg: Wadlinger war erster Ritter, also zweitbester Schütze. Er selbst durfte diese Auszeichnung aber nur als Vereinsmitglied tragen. Also trat er in den SVE ein.

„Keine Ahnung von Waffentechnik“

Wadlinger sagt über sich, dass er nicht wirklich derjenige gewesen sei, der ständig mitten ins Schwarze getroffen habe. Als es aber darum ging, eine zweite Edesheimer Mannschaft für die Rundenwettkämpfe ins Rennen zu schicken, wurde er Teil des Luftgewehrteams. Mit technischen Belangen kennt er sich nicht aus: „Ich habe auch keine Ahnung von Waffentechnik. Dafür gibt es im Verein andere Leute.“

Karl Wadlinger trat in den 80er-Jahren in den Verein ein.
Karl Wadlinger trat in den 80er-Jahren in den Verein ein.

Nachdem er Beisitzer im Vorstand und dann zwei Jahre Schützenmeister, also stellvertretender Vorsitzender, war, wählten die Mitglieder den damals 43-jährigen 1990 zum Nachfolger von Helmut Boos als Oberschützenmeister.

Groß wurde er in der Leonhard-Eckel-Siedlung bei Edesheim. „Die dortigen Bewohner wurden, als eher ärmere Leute, von den ,echten’ Edesheimern etwas mit Argwohn beäugt“, erinnert sich der heute 79-Jährige. „Deshalb fühlte ich mich in der Zeit, auch schon wegen der räumlichen Nähe, eher als Hainfelder.“

Der Neid der „Ur-Esemer“ habe sicher nicht zuletzt daran gelegen, dass der Sportplatz und das Schwimmbad in der Siedlung gebaut wurden. Heute verstehe man sich aber sehr gut untereinander. Wadlinger selbst spielte in der Sportgemeinde Edesheim Fußball.

Nach der Hochzeit mit Maria-Luise wohnten er und seine Frau für fünf Jahre bei einer Tante seiner Frau in Roschbach, ehe sich das Paar im Edesheimer Rosengarten ein Einfamilienhaus baute und umzog. 51 Jahre waren sie verheiratet. Im November 2025 verstarb seine Frau überraschend.

Viele Projekte während seiner Amtszeit

Wadlinger ist gelernter Bauzeichner und arbeitete nach der Ausbildung im damaligen Finanzbauamt, dem späteren Staatsbauamt. Dort machte er seinen Abschluss als Hochbauchtechniker und war in der Folge vor allem als Bauleiter für Um- und Neubauten zuständig, so auch in den Bundeswehrstandorten Bad Bergzabern und Germersheim.

Für den Umbau des von der VR- Bank angemieteten Raiffeisenlagers zum Schützenhaus erstellte Wadlinger die notwendigen Pläne. Er erinnert sich an Hindernisse und Auflagen, beispielsweise die Erstellung eines 10.000 Euro teuren Lärmschutzgutachtens. Im Jahr 2000 konnte das neue Domizil dann bezogen werden.

In seine Ägide fielen der Bau der 25-Meter-Schießstandanlage im Keller des Schützenhauses sowie 2021 der Bau einer Laserstandanlage, auf der ohne echte Munition geschossen wird. Eine Freiluftanlage hat der Edesheimer Schützenverein nicht. „Wenn unsere Mitglieder dem Schießsport im Freien nachgehen wollen, tun sie sie dies bei benachbarten Vereinen, was dank deren Unterstützung immer möglich ist“, lobt Wadlinger die gute Zusammenarbeit mit anderen Clubs.

Positiver Blick zurück

Gab es für ihn besondere Momente in seinem Vereinsleben? Wadlinger erinnert sich vor allem an die seit 1964 alle zwei Jahre organisierten Freundschaftsschießen mit dem Schützenverein Oberstetten aus der Nähe von Biberach an der Riß. Der damalige Vorsitzende des SVE, Hubert Kurz, stammte von dort und war Mitglied. Die Verbindung besteht bis heute.

Das eigene Leben im SVE betrachtet Wadlinger positiv: Er freut sich, dass vereinsintern alle notwendigen Entscheidungen, zwar nicht immer einstimmig, aber stets ohne Probleme getroffen worden seien. Dafür sei er den Vorstands- und Ausschussmitgliedern dankbar: „Wir haben über alles abgestimmt, sei es über den Kauf einer Kaffeemaschine für 20 Euro oder den Ankauf des Raiffeisengebäudes für 120.000 Euro. Die Kollegen haben es mir immer leicht gemacht. Die erledigten die Arbeit, ich kümmerte mich um die weniger angenehmen Dinge wie zum Beispiel Behördengänge und Gerichtstermine.“

Weiter im Verein eingespannt

Nach dem Ende seiner Vorstandstätigkeit will der SVE nicht komplett auf Wadlingers Dienste verzichten. Er wurde gebeten, Grüße des Vereins anlässlich von runden Geburtstagen oder ähnlichen Ereignissen weiterhin zu überbringen. „Das habe ich immer sehr gerne gemacht, aber nicht wegen des Essens oder des Trinkens, sondern weil man an solchen Tagen immer wieder Neues erfahren hat, weil ja auch andere Vereinsvertreter vor Ort waren.“

Auf Ehrungen selbst legt Wadlinger eigentlich keinen großen Wert. Über eine Sache freut er sich aber doch: Beim Verbandstag des Pfälzischen Sportschützenbundes wird er wohl mit der Goldenen Ehrennadel ausgezeichnet.

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